Full text : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Sechzehnter Jahrgang. 1888. (16)

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Niederlage-Regulativ.

 

In  Gemäßheit  des  §.  106  des  Vereinszollgesetzes  werden  für  die  allgemeinen  und  beschränkten
Niederlagen  folgende  nähere  Vorschriften  ertheilt.

I.  Allgemeine  Bestimmungen.

.  1.

Der  Niederleger,  worunter  derjenige  verstanden  wird,  welchen  die  Zollbehörde  als  zur  Disposition
über  die  niedergelegten  Waaren  befugt  anerkennt,  ist  verbunden,  sich  nach  den  Vorschriften  dieses  Regulativs
zu  richten.  Das  Gleiche  gilt  für  jeden,  welcher  die  Niederlage  betritt.

Wer  die  Niederlage  betreten  will  oder  dieselbe  verläßt,  hat  sich  bei  dem  die  Aufsicht  führenden
Zollbeamten  zu  melden.  Auch  können  die  Personen,  welche  die  Niederlage  verlassen,  nach  Maßgabe  des
8.  127  des  Vereinszollgesetzes  einer  körperlichen  Visitation  unterworfen  werden.

-  .2.

In  der  Regel  dürfen  nur  am  Orte  der  Niederlage  wohnhafte  Personen  dieselbe  benutzen  und
müssen  Auswärtige,  welche  sich  der  Niederlage  bedienen  wollen,  einen  am  Orte  wohnhaften  Vertreter  be—
stellen.  Es  steht  jedoch  für  den  Fall,  daß  der  bezeichnete  Empfänger  einer  Waare,  binnen  der  zur  An—
meldung  vorgeschriebenen  Frist,  entweder  nicht  auszumitteln  ist  oder  die  Annahme  und  Anmeldung  der
Waare  verweigert,  dem  Waarenführer,  auch  wenn  er  am  Orte  nicht  wohnhaft  ist,  frei,  die  Waaren  auf
seinen  Namen  zur  Niederlage  zu  deklariren.

Macht  der  Waarenführer  von  dem  ihm  eingeräumten  Rechte  keinen  Gebrauch,  so  kann  das  Amt

von  Amtswegen  einen  Spediteur  veranlassen,  die  Waaren  anstatt  des  bezeichneten  Empfängers  zur  Niederlage
  zu  deklariren.

 

8.  3.

Nach  8.  98  des  Vereinszollgesetzes  dürfen  in  der  Regel  nur  Waaren,  auf  denen  noch  ein  Zoll—
anspruch  haftet,  zur  Niederlage  gelangen.

Es  dürfen  indeß  Gegenstände  des  freien  Verkehrs  mit  der  Maßgabe  in  die  Niederlage  zugelassen
werden,  daß  sie  mit  ihrer  Aufnahme  in  dieselbe  die  Eigenschaft  unverzollter  ausländischer  Waaren  an—
nehmen  und  nach  den  Bestimmungen  für  die  letzteren  zu  behandeln  sind.

Mit  Genehmigung  der  Direktivbehörde  können  ausnahmsweise  Güter  des  freien  Verkehrs  auch  mit
Beibehaltung  ihrer  Eigenschaft  als  solche,  sowie  unter  Uebergangs-Steuerkontrole  stehende  Gegenstände
in  die  Niederlage  aufgenommen  werden,  sofern  die  Abfertigungs-  und  Niederlageräume  für  die  zoll—
pflichtigen  Güter  von  denjenigen  für  Güter  der  obenbezeichneten  Art  auf  sichernde  Weise  geschieden
werden  können.

Gegenstände,  welche  gegen  Gewährung  einer  Zoll-  oder  Steuervergütung  in  die  Niederlage  auf—
genommen  sind,  dürsen  aus  derselben,  soweit  Ausnahmen  nicht  gesetzlich  zugelassen  sind,  nur  gegen  Ent—
richtung  des  tarifmäßigen  Eingangszolles  in  den  freien  Verkehr  übergehen.

.  4.
Waaren,  die  gewöhnlich  in  verpacktem  Zustande  aufbewahrt  werden,  können  nur  in  guter  Verpackung
  zur  Niederlage  angenommen  werden.  Beschädigte  Verpackungen  müssen  zuvor  hergestellt  werden.
Inwieweit  Gegenstände  auf  den  Wunsch  des  Niederlegers  oder  weil  ihre  Lagerung  in  geschlossenen
Räumen  entweder  für  sie  selbst  oder  für  das  übrige  Lagergut  nachtheilig  sein  kann,  im  Freien  niedergelegt
werden  dürfen,  wird  von  dem  Amtsvorstande  bestimmt.