Volltext : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Dritter Teil. (3)

332  Sarkotik  von  Lovéen

dere  mit  längerer  Kerkerhaft  bestraft.  Die  Haupttäter,
Princip  und  Gabeinovic,  erhielten  je  20  Jahre  schweren
  Kerkers,  da  infolge  ihres  jugendlichen  Alters  Todesstrafe
  nicht  verhängt  werden  konnte.  Beide  starben
während  des  Krieges  an  Tuberkulose  im  Kerker.

Sarkotik  von  Lopken,  Stephan,  Baron,
öterr.  ungar.  Generaloberst,  geb.  4.  Okt.  1858  in  Sinac
(Kroatien),  befehligte  zu  Kriegsbeginn  die  42.  Honved-Division,
  mit  der  er  Aug.-Sept.  1914  die  Drina  überschritt.
  Nach  Potioreks  Rücktritt  Dez.  1914  General  in
Bosnien  u.  Chef  der  Landesregierung,  leitete  S.  Jan.
1916  die  Aktion,  die  zur  Eroberung  des  Lovèen  führte.

Saros,  Golf  von,  im  NO.  des  Agäischen  Meeres
  (vgl.  Bd.  II,  S.  131).  Landungsversuche  der  Engländer
  29.  April  1915  scheiterten.  Am  25.  Mai  versenkte
  das  deuische  Unterseeboot  „U  51.  das  englische
Linienschiff  -Triumph=  im  Golf  von  S.

Sarrail,  Maurice  Paul  Emanuel,  franz.
General,  geb.  1856  in  Carcassonne,  populärer  Republikaner,
  1905  Oberst,  1912  Divisionsgeneral,  führte
bei  Kriegsausbruch  das  6.  Korps  (Kämpfe  vor  Long-8
  erhielt  Sept.  1914  nach  Ruffeys  Rücktritt  den

erbefehl  über  die  3.  Armee,  focht  in  der  Marneschachtam
  äußersten  rechten  Flügel,  wehrte  im  Verdunabschnitt
  den  Ansturm  der  5.  und  6.  deutschen  Armee
ab  und  führte  dann  bis  Juli  1915  das  Kommando
an  der  Argonnenfront.  Aug.  1915  Oberbefehlshaber
der  Orientarmee,  ging  S.  Okt.  von  Saloniki  aus  im
Wardartale  vor,  wurde  jedoch  von  der  bulgar.  Armee
Todoroff  zum  Rückzug  auf  griech.  Gebiet  gezwungen.
In  der  Herbstoffensive  1916  nahm  S.  Monastir,  wurde
aber,  da  keine  weiteren  Fortschritte  gemacht  wurden,
Dez.  1917  durch  General  Guillaumat  abgelöst.

Sasonoff,  Sergei  Dimitrijewitsch,  russ.
Staatsmann,  geb.  29.  Juli  1860,  wurde  nach  diplomatischer
  Tätigkeit  in  London  (1890—94,  1904—06)
und  Rom  1906  Ministerresident  am  Vatikan,  1909
erster  Gehilfe  des  Ministers  Iswolskij,  1910  Minister
des  Außern.  Als  entschiedener  Vertreter  deutschfeindlicher,
  englandfreundlicher  und  panslawistischer  Politik
bewahrte  er  Rußland  seit  der  Agadir-Krise  1911  vor
einem  Konflikt  mit  den  Mittelmächten,  um  erst  nach  Vervollkommnung
  der  russ.  Heeresorganisation  den  Plan
des  Angriffskrieges  &  en  Deutschland  und  Osterreich-Ungarn
  zu  verwirk  een  Im  Juli  1916  entlassen,
wurde  S.  im  Jan.  1917  Botschafter  in  London,  trat
aber,  von  der  Petersburger  Regierung  nicht  bestätigt,
im  Juni  zurück.  —  Bild  s.  Bd.  II  bei  S.  52.

Sasso  Rosso,  1198  m  hoher  Bergrücken  in  den
Sieben  Gemeinden,  zwischen  Brenta  und  Frenzelaschlucht,
  1918  Schauplatz  heftiger  Kämpfe,  wurde
1.  Nov.  von  der  6.  ital.  Armee  erobert.

Sattelkopf,  Gipfel  der  Vogesen  im  Bez.  Oberelsaß,
  Kr.  Colmar,  nördlich  von  Mühlbach,  wurde
22.  Febr.  1915  von  den  Deutschen  nach  erbitterten
Kämpfen  im  Sturm  genommen.

Save  (Sau),  rechter  Nebenfluß  der  Donau,  Grenze
zwischen  Slawonien  u.  Serbien,  wurde  von  österreich.=ungar.
  Kräften  in  der  Nacht  zum  12.  Aug.  bei  Sabae
überschritten;  doch  starke  übermacht  der  Serben  zwang
sie  13.  Aug.  zum  Rückzug.  28.  Sept.  unternahmen
die  Osterreicher  einen  neuen  Übergang;  im  Okt.  wurde
am  Südufer  der  S.  hartnäckig  gekämpft.  Nach  der
Räumung  von  Belgrad  nahmen  die  Osterreicher  ihre
Kräfte  Mitte  Dez.  über  die  S.  zurück.  6./7.  Okt.  1915
ging  die  Armerc  Koevess  über  den  Fluß.

Scapa  Flow,  Bucht  auf  der  engl.  Insel  Pomona
(Orkney-Inseln),  bildete  im  Kriege  den  Aufenthalt

—  Scheffer-Boyadel

der  hauptsächlichsten  engl.  Seestreitkräfte.  Die  nach
Abschluß  des  Waffenstillstandes  dorthin  verbrachten
deutschen  Kriegsschiffe  wurden  auf  Befehl  des  Admirals
  v.  Reuter,  in  der  Annahme,  daß  der  Waffenstillstand
  abgelaufen  sei,  von  den  deutschen  Besatzungen
am  21.  Juni  1919  versenkt.  Die  Engländer  machten
einen  Teil  der  wehrlosen  Offiziere  und  Mannschaften
nieder  und  internierten  die  übrigen  (bis  Januar  1920).
Als  Ersatz  verlangte  die  Entente  400000t  Docks  (l.
S.  145).  Die  Engländer  haben  einen  Teil  der  versenkten
  Schiffe  wieder  gehoben.  Die  Tat  von  S.  wurde
als  nationale  Sühnetat  für  den  Matroflenaufstand  im
Okt.  1918  von  Göhring  (Drama  -S.-)  verherrlichl.

Scarboroug),  befestigte  Hafenstadt  an  der  engl.
Ostküste,  wurde  mehrfach  von  deutschen  Luft=  u.  Seestreitkräften
  beschossen.  Am  16.  Dez.  1914  erfolgte
bei  einem  Vorstoß  deutscher  Hochseestreitkräfte  ein  erfolgreicher
  Angriff  auf  S.;  vgl.  Bd.  I.  S.  165.

Scarpe,  Fluß  im  franz.  Dep.  Pas-de-Calais.  Das
Gebiet  der  S.  war  einer  der  Hauptkampfpläte  in  der
Arrassch'acht  1917  und  der  engl.-franz.  Offensive  Aug.
1918.  Vgl.  S.  84  ff.  und  104.

—  Stadt  in  Serbien,  s.  Sabac.

Schäfer,  1)  Dietrich,  Geschichtsforscher,  geb.  16.
Mai  1845  in  Bremen,  Prof.  in  Berlin,  trat  im  Krieg
an  der  Spitze  des  „  Unabhängigen  Ausschusses  für
einen  deutschen  Friedene  polilisch  in  der  Kriegszielbewegung
  hervor  (vgl.  Bd.  II,  S.  9#ff.).  —  2)  Emil,
Fliegeroffizier,  geb.  23.  Juli  1891  in  Krefeld,  seit  Dez.
1916  bei  der  Richthofenschen  Jagdstaffel,  dann  Führer
einer  solchen,  fiel  nach  30  Lustsiegen  Juni  1917.

Schallmeßtrupp,  hat  die  Zeiten  zwischen  Abschuß
und  Einschlag  feindlicher  Geschosse,  ebenso  zwischen
dem  Aufblitzen  der  Abschüsse  und  dem  Knall  zu  mei
sen,  um  den  Standort  der  Geschütze  zu  ermitteln.

Schallsignale,  s.  S.  166  und  168.

Scharnhorst-,  deuischer  Gr.  Kreuzer,  11600  t,
s.  Bd.  I.  S.  209f.

Schawli  (Schaulen),  Kreisstadt  im  russ.  Gouv.
Kowno,  an  der  Bahn  Libau-Dünaburg,  war  April  bis
Juni  1916  Schauplatz  wechselvoller  Kämpfe;vgl.  S.  58.

Scheckrecht.  über  die  Kriegsgesetze  zum  S.  val.
Bd.  I,  S.  389f.  —  Scheckverkehr,  s.  Zahlungsverkehr.

Scheer,  Reinhold,  deutscher  Admiral,  geb.  30.
Sept.  1863  in  Obernkirchen  (Hessen-Nassau),  an  den
Kämpfen  in  Kamerun  und  Ostafrika  beteiligt,  1900
Korvettenkapitän,  1903  Komm,  der  1.  Torpedoabteil.,
dann  Chef  der  Zentralabteilung  im  Reichsmarincamt.
Als  Kapitän  zur  See  (1905)  führte  er  seit  1907  das
Linienschiff-Elsaße.  1909  Chef  des  Stabes  der  Hochseeflotte,
  1911  Dir.  des  allgem.  Marinedepartements,
1913  Vizeadmiral  und  Führer  des  2.  Geschwaders,
wurde  S.  1916  Chef  der  Hochseeflotte.  Mit  ihr  gewann
  er  31.  Mai  bis  1.  Juni  1916  die  Seeschlacht
am  Skagerrak  (vgl.  Bd.  II.  S.  249  ff.),  wurde  darauf
Admiral,  Juli  1918  Chef  des  Admiralstabs,  August
Flottenchef,  De#enber  zur  Disposition  gestellt,  1920
verabschiedet.  S.  schrieb:  =  Deutschlands  Hochseeflotte
im  Weltkrieg=  (Berl.  1920).  —  Bild  s.  bei  S.  250.

Scheffer-Boyadel,  Reinhard,  Freiherr
von,  preuß.  General,  geb.  28.  März  1851  in  Hanau,
1897  Oberst,  1903  Oberquartiermeister  im  Gr.  Generalstab,
  führte  1904—06  die  Geschäfte  des  Chefs  der
Landesaufnahme,  1906  die  2.  Gardedivision,  1908  als
General  der  Inf.  das  11.  Armeekorps  u.  wurde  Ende
1913  zur  Disposition  gestellt.  Aug.  1914  wurde  er
Führer  des  25.  Neservekorss,  das  den  Durchbruch  von
Bezeziny  in  der  Nacht  vom  23.  zum  24.  Nov.  aus-