Bayern unt. Wilhelm IV, d. Standh. u. Ludwig X. 215
Karl V (1519— 1556), der Enkel und Nachfolger Maximilians I,
zur Verwaltung.
Eines besonderen Rufes hatte sich um diese Zeit die Universität
Ingolstadt zu erfreuen, welche die bayerischen Herzöge
selbst besucht hatten und seitdem auf das Freigebigste unterstützten.
An dieser Hochschule wirkten zwischen 1492 und 1589
theils längere, theils kürzere Zeit fast alle durch Wissenschaft
ausgezeichneten Männer, welche Deutschland damals aufzuweisen
hatte, darunter Johann Thurmayr, der Vater der bayerischen
Geschichtschreibung, der sich von Abensberg, seinem Geburtsorte,
den Namen „Aventin“ beilegte #1).
In den religiösen Unruhen, zu welchen Dr. Martin Luther,
Augustinermönch in Erfurt und Profeßor der Theologie an der
neu gestifteten Universität Wittenberg, im Jahre 1517 den
Anstoß gegeben, erblickten Bayerns Herzöge eine Zeit lang weiter
nichts als eine von den vielen Schulstreitigkeiten, die damals im
Gange waren, und achteten daher wenig darauf. Als aber Luthers
Lehre in Bayern an verschiedenen Orten Anhänger fand, da
nahm Herzog Wilhelm zu strengen Mitteln seine Zuflucht, um
den alten Glauben in Bayern zu erhalten. Es wurden Luthers
Schriften verboten, die Söhne des Landes von der wittenbergischen
Hochschule abgerufen, die verheiratheten Priester streng bestraft,
jedem Unterthan untersagt, die Reichsstädte Regen sburg und
Augsburg zu besuchen, und noch andere strenge Strafbefehle
gegeben. Diese Maßregeln hinderten indessen nicht, daß viele
Bayern, besonders solche, die den gebildeten Ständen angehörten,
offen zu Gunsten Luthers und seiner Lehre auftraten. Am
weitesten ging hierin Argula, des Freiherrn Friedrich von
Krumbach Gemahlin, eine Tochter des Freiherrn Bernhardin
von Stauff, dessen Bruder Hieronymus von Stauff 1516
zu Ingolstadt wegen Hochverrathes enthauptet worden war.
Genannte Argula von Krumbach schrieb von Dietfurt aus,
wo sie wohnke, an den Rektor und den Senat der Universität
Ingolstadt einen Brief, worin sie in scharfen Ausdrücken tadelte,
daß die Universität den Magister Arsacius Seehofer 3) zu
Ingolstadt wegen Hinneigung zum Lutherthume von der Universität
ausgeschlossen, zum Widerruf gezwungen und zu Ettal in