Full text : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

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bar,  gesehen:  als  älterer  Rechtsausdruck  auf  ollenbarer
taht  ergriffen,  in  ipso  facto  depreiensus  Stieler;
Gegensatz  zu  geheim  (s.  d.  2):  zu  einem  geheimen  murren
gereizt,  welches  stundlich  in  eine  offenbare  meuterei
auszubrechen  drohte  Schiller  9,  31;  an  diesen  .  im
geheimen  und  offenbaren  immer  gleich  zuverlässigen
kreund  Goethe  Wanderj.  2,  6;  daher  —  deutlich  wahrnehmbar,
  zweifellos  ersichtlich,  die  Hauptbed.  der  neueren
Spr.:  offenbare  lüge,  wahrheit,  ollenbarer  feind  Adelung;
  offenbare  gewalt  anzuthun  Seume  Spazierg.
1,  99;  es  ist  ein  offenbares  bedurkfnis  Bismarck  Red.
12,  178;  adverbial:  offenbar  lief  er  gefahr  Wieland
Sixt  u.  Klärch.  1,  110;  begebenheit  .  wo  offenbar  die
genien  im  spiele  waren  Hauff  2,  108;  in  dieser  offenbar
  sehr  zwiespältigen  trage  Bismarck  Red.  13,  243.
—  offenbaren,  offenbar  machen,  mhd.  offenbæren,  offenbären;
  tranf.  und  refl.  —  kund  thun,  bekannt  machen:
liquere,  monwestare,  promlgare,  propalare  offenbaren,
  uffenbaren,  offenborn,  niederd.  oppenbaren,  openbaren,
  apenbarn  Dief.;  in  ausdrücklicher  und  gewollter
Weise,  von  dem  was  vorher  Geheimnis  oder  verborgen
war:  da  ward  Daniel  solch  verborgen  ding  durch  ein
gesicht  des  nachts  ollenbart  Dan.  2,  19;  sein  geheimnis
(Amos  3,  7),  beimlichkeit  (Sir.  27,  24),  heimliche  vertrawete
  rede  (41,  29);  offenbare  der  stad  Jerusalem  jre
grewel  Hes.  26,  2;  da  nu  Delila  sahe,  das  er  jr  alle
sein  herz  offenbaret  hatte  Richt.  16,  18;  will  ich  jhnen
dieselbige  (Kunst)  vil  trewherziger,  als  Alex  Pedemontan
sein  secret,  offenbaren  Garg.  100;  den  vorsatz  offenbaren
  Hagedorn  Fab.  2,  33;  die  ewigkeit  entläszt
einen  todten,  geheimnisse  zu  offenbaren,  die  kein  lebender
  wissen  kann  Schiller  3,  520;  ihm  frei  zu  offenbaren,
  was  ihr  herz  gelustet  Wieland  Geron  778;
offenbarte  ihm,  wozu  er  das  geld  benöthigt  sei  Hebel
2,  159;  von  Christus  und  den  Geheimnissen  der  Gotteit:
  herrligkeit  .  die  an  uns  sol  offenbaret  werden

öm.  8,  18;  wenn  aber  Christus,  ewer  leben,  sich  offenbaren
  wird  Col.  3,  4;  gott  ist  offenbaret  im  dfleisch
1.  Tim.  3,  16;  danach  bei  Neueren:  ausbildung  geoffenbarter
  wahrheiten  in  vernunftswahrheiten  Lessing  Erziehung
  des  Menschengeschl.  76;  dasz  ein  gott  da  droben
sei,  der  sich  in  eltern,  lehrern,  vorgesetzten  abbildet
und  offenbart  Goethe  Wanderj.  2,  1;1  —  in  mittelbarer
  Weise,  durch  Schlüsse,  Gedankenverknüpfung:  wer
ungedültig  ist,  der  oflenbart  seine  torheit  Spr.  Sal.
4,  29;  da  tuchtige  fusze  mehrentheils  gutes  muskelwerk
  offenbaren  Zelter  an  Goethe  im  Briefwechsel
2,  269;  es  wird  sich  bald  offenbaren,  was  an  der  sache

offenbaren  —  öffentlich.

ist  (wird  bald  bekannt  werden)  Adelung;  in  Bezug

auf  die  Natur:  wie  willst  du  dich  mir  offenbaren,  wie
ungewohnt,  geliebtes  thal?  Uhland  43;  da  oftenbart
im  schwung  der  auen  sich  mir  der  welle  leises
bauen  Geibel  3,  74.  Dazu  Offenbarung,  k.  Handlung
des  Offenbarens,  Kundgebens,  mhd.  offenbärunge;  namentlich
  im  biblischen  Sinne  (1.  Cor.  1,  7.  14,  6.  Gal.
1,  12  u.  o.);  —  in  gerichtlichem  Sinne,  Ubersetzung  des
lat.  manisfestatio.  vorlegung  und  offenbarung  bürgerl.
Gesetzbuch,  4.  Titel,  Uberschrift;  den  offenbarungseid
zu  leisten  §  777.  —  Offenheit,  k.  das  Offensein  Adelung;
  zumal  nach  otten  3:  otlenheit  seiner  miene,
seines  herzens,  kopfes  Campe;  scht  diese  offenheit,
wie  hübsch  sie  sich  zur  frechheit  herumgedreht  hat
Schiller  Ränb.  1,  1;  beide  theile  verfubren  ohne
offenheit  Treitschke  1,  12.  —  öffentlich,  in  offener
Art,  Weiterbildung  von  offen,  ahd.  offanlih,  mhd.  otfenlich,

  später  mit  eingeschobenem  t  ockentlich,  wiewohl  die

ältere  Form  auch  im
Luther  braucht  gewöhnlich  schon  unsere  heutige  umgelautete
  Form,  doch  ist  die  unumgelautete  offentlich  noch
im  17.  Ih.  (Schuppius  13)  zu  belegen.  öfltentlich

im  16.  Jh.  noch  vielfach  begegnet;

Offentlichkeit  —  öffnen.  1054

wahrnehmbar,  in  älterer  Spr.:  offenlich  einen  hassen,
aberte  odisse,  scheinbare  oder  offenliche  gfaar,  aperta
pericula  Maaler:;  es  ist  öffendlich,  palom  esk,  omnibus
  constat  Stieler;  dein  vater,  der  in  das  verborgen
  sihet,  wird  dirs  vergelten  öffentlich  Matth.  6,  4;
ein  öffentlicher  christ  vor  aller  welt  zu  sein  Cronegk
1,  295;  —  gewöhnlich  =  vor  Jedermann  geschehend,
für  Jedermann  bestimmt:  offentlich  am  wege  und  an
der  straszen  stehet  sie  (die  Klugheit)  Spr.  Sal.  8,  2;
hieszen  jn  öffentlich  einen  verrheter  2.  Macc.  10,  13;
der  brief  den  fr  uns  zugeschickt  habt,  ist  öffentlich
fur  mir  gelesen  Esra  4,  18;  ötkentlich  predigen  (Jer.  2,  2),
strafen  (Sir.  23,  30),  auftreten  (2.  Macc.  13,  26);  das  er
hinfurt  nicht  mehr  kund  öffentlich  in  der  stad  gehen
Mare.  1,  45;  ich  habe  frei  öffentlich  geredt  fur  der
welt  Joh.  18,  20;  im  Gegensatz  zu  einem  geschlossenen.
oder  häuslichen  Kreise:  öffentliche  sitzungen,  verhandlungen,
  prufungen,  gottesdienste;  an  einen  öfkentlichen
  ort  1.  Macc.  11,  37;  in  unser  öffentlich  stadbuch
schreiben  14,  22;  öffendlicher  wirt,  öffendliche  gastung
Stieler;  ötlentliche  plätze,  märkte;  etwas  auf  öftentlicher
  strasze  verkündigen;  öffentliche  meinung;  ein
öffentliches  ärgernis  geben;  witzig  ein  öftentliches  geheimnis
  (vgl.  unter  offen  2);  schlachten,  von  denen  uns
die  sage  oder  öffentliche  blätter  erzählen  Hauff  4,  61;
als  Subst.:  sind  nur  wenig  gröszere  gebäude  auch
nicht  sonderlich  gegen  das  öffentliche  verschlossen
Goethe  ital.  Reise  II;  verhüllend:  öffentliche  mädchen,
dirnen,  in  unehrbarem  Sinne;  —  die  große  bürgerliche
Gemeinschaft  betreffend,  erst  seit  18.  Ih.  ausgekommen:
kein  öffentliches  amt  haben  Frisch;  öflentliche  diener,
beamte;  er  ist  ein  öffentlicher  charakter;  ew.  excellenz
..  den  ich  doch  unter  allen  öffentlichen  männern  am
meisten  verehre  Schleiermacher  in  Steins  Leb.  2,  575;
das  öffentliche  wohl,  interesse;  öffentliche  verbrechen,
welche  wider  das  Band  des  Landesherrn,  und  der  Unterthanen
  begangen  werden  Adelung.  —  Offentlichkeit,  k.
Zustand  des  Offentlichen  Adelung;  ö.  der  gerichtsverhandlung,
  ö.  und  mündlichkeit  eines  verfahrens;
öffentlich  Geschehendes:  verlauf  geistlicher  und  weltlicher
  öffentlichkciten  Goethe  30,  247;  öffentliche  Gesamtheit,
  neuere  Verdeutschung  des  fremden  Publikum:
vor  die  öffentlichkeit  getreten  Bismarck  Red.  12,  66;
geschäfte  .  die  man  vor  der  öffentlichkeit  zu  verbergen
  hat  14,  421.

Offizier,  m.  Befehlshaber  über  Soldaten;  Lehnwort,
wie  das  franz.  oftcier,  aus  mittellat.  olläciarius,  im
16.  Ih.  teils  als  officierer,  teils  als  ofücier  übernommen,
in  dem  Sinne  eines  Beamten  überhaupt  (Germ.  28,  393.
29,  387);  Bezeichnung  einer  militärischen  Würde,  von
Zinkgref  als  Modewort  bespöttelt:  ein  spanischer  befelchshaber,
  die  man  jetzunder  à  la  mode  officirer  heist
2,  82;  im  17.  Ih.  durchgedrungen,  als  allgemeiner  Name
für  einen  Befehlshabenden  im  Heere,  im  Gegensatze  zum
gemeinen:  und  seind  dieselbige  (Heeresangehörige)  entweder
  officirer  oder  gemeine  soldaten  Böckler  Kriegsschule
  37;  im  18.  Jh.  offieier,  mit  dem  fremden  Plur.
officiers,  später  mit  dem  einheimischen  oftzierc;  geteilt
in  unterofäziere  und  oberoffziere,  letztere  gewöhnlich
offlziere  schlechthin;  dazu  habe  ich  viel  zu  viel  achtung
für  einen  officier,  und  viel  zu  viel  mitleid  mit  einem
abgedankten  Lessing  Minna  1,  2;  ich  bin  ein  alter
oflzier  Benedix  Gefängnis  2,  3;  hinzuziehung  einiger
jungerer  offiziere  Bismarck  Red.  2,  201.

Hffnen,  offen  machen,  ahd.  offanon,  offonon,  mhd.
oflenen,  gekürzt  often,  erst  später  mit  Umlaut  öflenen.
ösfen;  die  unumgelautete  Form  ist  noch  durch  das  ganze
16.  Ih.  hindurch  zu  belegen,  öllnen  wird  erst  im  17.  Ih.
allgemein;  trans.  und  refl.  nach  den  verschiedenen  Bed.
des  Adj.,  Gegensatz  zu  schlieszen.  1)  in  einfachem

hat  sich  nur  nach  bestimmten  Bed.  von  otfen  ausgebildet  Sinne,  thor,  thür,  garten,  haus,  behälter,  schränke,
(l.  d.  2);  selten  =  zu  Tage  liegend,  unverhohlen,  allen  kisten,  flaschen,  die  stube,  das  fenster  öffnen;  das  doppelt