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III. Das Wiesenthal. (Im Juni.)
Das Wiesenthal ist von sanften Höhen begrenzt. Ein Bach läuft hindurch.
Auf einer Seite nähert sich der Wald, auf der andern breiten sich usthin u.
Am Ufer stehen Weiden, Erlen und Pappeln. Die Weiden haben schwanke,
zähe Zweige und schmale Blätter und befestigen mit ihrem Wurzelgeflecht die
Ufer. Die Erlen haben eine dunkle Rinde und schwarzgrünes Laub, die
Pappeln eine helle Schale und anliegende Aste. Alle drei tragen im Frühling
Blütenkätzchen.
An einem hohlen Weidenbaume setze ich mich nieder, um das Naturleben
unter, über und neben mir zu belauschen.
Unter mir ist das Wasser. Ein entwurzelter Weidenbaum liegt quer und
staut das Wasser. In seinem Gezweig hängt ein totes Kätzchen. Ein handlan er,
grungrauer Krebs mit 10 Beinen kommt langsam aus einem Uferloch, faßt das
as mit den Scheren und zerrt es fort. Auf dem Kiesgrunde sehe ich helle und
dunkle Quarzkörner. Sie haben sich unter einander rund und glatt gescheuert.
Unter einem glatten Steine hervor kommt eine Forelle. Sie ist silberfarbig und
hat rote Punkte in blauen Ringen. Jetzt steht sie im Wasser und lauert auf Beute.
Uber dem Wasser spielen Mücken und Fliegen. Wie ein Pfeil schnellt
sie danach und erhascht eine. Da fährt aus einem Uferloch die braune, marderähnliche
Fischotter, erhascht und frißt die Forelle. Auch der Krebs wird ihre
Beute. Sie ist fuchsgroß, der Kopf platt, die Schnauze spitz, die Zehen durch
Schwimmhäute verbunden, der Pelz glänzend und wasserdicht. Sie lebt in
unterirdischen Höhlen am Wasser, schwimmt und taucht wie eine Ente und ist
schwer zu fangen oder zu schießen. (Wie ist sie für ihr Leben ausgerüstet?)
In dem flachen, lauen Wasser auf einer Sandbank spielen junge Fischlein,
die aus Rogeneiern geschlüpft sind. Die fingerlangen Stichlingemit 3 Stacheln
auf dem Rücken suchen im Schlamme, die grünlichen Schmerlen mit 6 Bartfäden
unter Wurzeln ihren Aufenthaltsort. Im Sonnenscheine spielen die
rot befloßten Weißfische, die, wenn sie ihren Körper ein wenig seitlich neigen,
das eigentümliche Blitzen im Wasser verursachen.
An einem toten Uferarme blühen viele blaue Vergißmeinnicht und ein
giftiger Wasserschierling mit weißer Schirmblüte. Am Wasser schnellen die
schwärzlichen Kaulquappen mit dicken Köpfen und zappeligen Ruderschwänzen
umher. Sie sind aus Froschlaich geschlüpft und werden zu Fröschen.
Neben mir windet sich aus dem aufquellenden Wiesenboden angstvoll ein
Regenwurm, hinter dem ein Maulwurf her ist. Der goldgrüne Goldschmied,
ein Laufkäfer, packt ihn und ringt mit ihm. Der Wurm rollt ins Wasser, da
hascht ihn ein Fisch. Der Käfer rettet sich an einem Grashalm ans Ufer, da
packt ihn eine Elster, die auf der Pappel ihr Nest hat.
Vielerlei Gräser bilden den Wiesenteppich. Ihre hohlen Halme mit Knoten
tragen entweder Ahren oder Walzen oder Rispen. Danach unterscheidet man
Ahren-, Fuchsschwanz= und Rispengräser. Zu den ersteren gehören das
Ruchgras, das dem Heu seinen Wohlgeruch giebt, das Perl= und Knäulgras;
zu den zweiten der große und kleine Fuchsschwanz, der letztere hat
einen geknieten Halm; zu den dritten das Hirsen gras und die Schmiele.
Farbige Blumen bilden die bunte Stickerei des Wiesenteppichs. Gelb blühen
Löwenzahn und Hahnenfuß, rot das breitblätterige und gefleckte Knabenkraut,
blaßrot das Wiesenschaumkraut mit seinen Schaumflöckchen, weiß
der Kümmel. Zwischen den 3 fetten Blättern der Herbstzeitlose wächst der
dreifaltige Fruchtsack, und auf den fleischigen Stengeln der Sumpfdotterblume
entwickeln sich aus goldgelben Blüten gehörnte Samenkapseln.
In einer Moorwiese ist ein Torfstich zur Gewinnung von Brennstoff
aus verfilzten Pflanzenfasern angelegt. Hier wachsen Riedgräser, die markige
Halme ohne Knoten haben und saures Gras geben, und Schachtelhalme.
Große Binsenbüsche mit seitlichen, bräunlichen Blüten stehen hier. Kinder
flechten daraus Binsenkörbchen. In einem Binsenbusch hat ein Kiebitz sein
Nest. Seine Eier sind als Leckerbissen berühmt. Ein Fuchs schleicht sich vom