Entſcheidungen des Oberlandesgerihts Münc<en. 94
Urtheil vor dem 4. Oktober erlaſſen worden war,
wie es hier der Fall iſt, und nach 8. 407 d. RStPO.
über die Zulaſſung eines ſolchen Antrages das Gericht
entſcheiden ſoll, deſſen Urtheil mit dem Antrage
angefochten wird,
aber die in dieſen Beſtimmungen enthaltenen
Vorſchriften, daß ſolche Anträge , welche ein auf
Grund der früheren Prozeßgeſeßgebung in der Berufungsinſtanz
über die Schuldfrage erlaſſenes rechts»
fräftig gewordenes Urtheil gerichtet ſind, vom 1. Oktober
1879 an bei dem an die Stelle des früheren
Gerichts getretenen Strafgerichte zweiter Inſtanz anebracht
und verbeſchieden werden ſollen, zur Vorausfebung
hat, daß nach der neuen Gericht8verfaſſung
ein ſolMe8 Berufungsgericht beſteht,
dies wohl bei den Straffammern der Landgerichte
gegenüber den früheren Bezirksögerichten der
Fall iſt -- FS. 76 des RGVG. mit F. 211 Abſ. 2
der RStPO. -- da ſie in dieſer Beziehung die
Stelle der Bezirksgerichte einnehmen, in Folge deſſen
Anträge der Art, welche ſich gegen oberrichterliche
bezirfögerichtliche Urtheile richten, von den Straffam:-mern
der Landgerichte zu verbeſcheiden ſind, hingegen
die Oberlandesgerichte in Strafſa<en nur inſoweit
als laut 8. 8 des Einf.:Geſ. zur RStPO. und 126
des Ausf.- Geſ. hiezu über Rechtsmittel gegen Endurtheile
nach Maßgabe der früheren Prozeßgeſeße zu
entſcheiden iſt, als Berufungsinſtanz an die Stelle
der in Folge der neuen Gerichtsorganiſation ſeit
14. Oktober 1879 nicht mehr beſtehenden Appellations8-gerichte
getreten ſind, in den nach der StPO. zu
behandelnden Sachen aber keine Berufungsinſtanz
bilden, da dieſe gemäß 8. 211 Abſ. 2 und 8. 354
blo8 gegen amt8- und ſchöffengerichtliche Strafurtheile
eine Berufung zuläßt, deren Erledigung den landgerichtlichen
Straffammern zuſteht, während die
Oberlandesgerichte, abgeſehen von den FF. 4, 42,