Full text : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Achtundzwanzigster Jahrgang. 1900. (28)

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§.  16.

I.  Der  Verschluß  der  gewöhnlichen  und  einzuschreibenden  Packete  muß  haltbar  und  so  ein-  Verschlüsse
gerichtet  sein,  daß  ohne  dessen  Beschädigung  oder  Eröffnung  dem  Inhalte  nicht  beizukommen  ist.  Von  der
einem  Siegelverschlusse  kann  abgesehen  werden,  wenn  durch  den  sonstigen  Verschluß  oder  durch  die  gewöhnlichen und ein-Untheilbarkeit
  des  Inhalts  die  Sendung  hinreichend  gesichert  erscheint.  Der  Verschluß  kann  durch  eine  zuschreibenden

gut  geknotete  Verschnürung  oder,  wenn  die  Umhüllung  aus  Packpapier  besteht,  mittelst  guten  Klebstoffs  Packete sichernoder
  mittelst  Siegelmarken  hergestellt  werden.  Auch  bei  anderer  Verpackung  können  Siegelmarken  der
angewendet  werden,  sofern  damit  ein  haltbarer  Verschluß  erzielt  wird.  Bei  Reisetaschen,  Koffern  und  Sendung mit
Kisten,  die  mit  Schlössern  versehen  sind,  bei  gut  bereisten  und  fest  verspundeten  Fässern  und  bei  fest  ver-     Werthangabe.
nagelten  Kisten  bedarf  es  keines  weiteren  Verschlusses.  Gut  umhüllte  Maschinentheile,  größere  Waffen

und  Instrumente,  Kartenkasten,  einzelne  Stücke  Wildpret,  z.  B.  Hasen  und  Rehe,  können  ohne  besonderen
Verschluß  angenommen  werden.  

II.  Bei  Sendungen  mit  Werthangabe  sind  in  gutem  Siegellack  mittelst  desselben  Petschafts  Siegelabdrücke
  in  solcher  Zahl  anzubringen,  daß  dem  Inhalt  ohne  sichtbare  Beschädigung  der  Umhüllung  (des
Briefumschlags)  oder  der  Siegelabdrücke  nicht  beizukommen  ist.  Bei  Briefen  mit  Werthangabe  müssen  die
Siegelabdrücke  sämmtliche  Klappen  des  Umschlags  fassen.  Wegen  der  besonderen  Anforderungen  bei  Geldsendungen
  siehe  §.  17.

§.  17.

I.  Geldstücke,  die  in  Briefen  versendet  werden,  müssen  in  Papier  2c.  eingeschlagen  und  innerhalb  Besondere
des  Briefes  so  befestigt  sein,  daß  sie  während  der  Beförderung  ihre  Lage  nicht  ändern  können.  forderung

II.  Bei  Geldpacketen  im  Gewichte  bis  zu  2  Kilogramm,  deren  Werth  bei  Papiergeld  10  000  Mark  an  Verpackung
und  bei  baarem  Gelde  1000  Mark  nicht  übersteigt,  genügt  eine  Umhüllung  aus  starkem,  mehrfach  um-  der  Geldgeschlagenem
  Papiere  mit  guter  Verschnürung  und  Versiegelung.  Geldpackete  von  größerem  Gewicht  oder  sendung.
von  höherem  Werthe  müssen  in  haltbarer  Leinwand,  in  Wachsleinwand  oder  in  Leder  verpackt,  gut  umschnürt
  und  vernäht  sowie  längs  der  Naht  hinreichend  oft  versiegelt  sein.

III.  Geldbeutel  und  Säcke,  die  ohne  weitere  Verpackung  versendet  werden,  dürfen  aus  einfacher
starker  Leinwand  nur  dann  bestehen,  wenn  das  Geld  gerollt  oder  zu  Päckchen  vereinigt  ist.  Anderenfalls
müssen  die  Beutel  2c.  aus  wenigstens  doppelter  Leinwand  hergestellt  sein.  Die  Naht  darf  nicht  auswendig
  und  der  Kropf  nicht  zu  kurz  sein.  Die  Schnur,  die  den  Kropf  umgiebt,  muß  durch  den  Kropf
selbst  hindurchgezogen  werden.  Wo  der  Knoten  geschürzt  ist,  und  außerdem  über  beiden  Schnurenden
muß  das  Siegel  aufgedrückt  sein.  Derartige  Sendungen  dürfen  nicht  über  25  Kilogramm  schwer  sein.

IV.  Geldkisten  müssen  aus  starkem  Holze  gefertigt,  gut  gefügt  und  fest  vernagelt  oder  mit  guten
Schlössern  versehen  sein.  Der  Deckel  darf  nicht  überstehen;  die  Eisenbeschläge  müssen  gut  befestigt  und
so  eingelassen  sein,  daß  sie  andere  Gegenstände  nicht  zerscheuern  können.  Ueber  25  Kilogramm  schwere
Kisten  müssen  gut  bereift  und  mit  Handhaben  versehen  sein.

V.  Geldfässer  müssen  gut  bereift,  die  Schlußreifen  angenagelt  und  an  beiden  Böden  so  verschnürt
und  versiegelt  sein,  daß  ein  Oeffnen  des  Fasses  ohne  Verletzung  der  Umschnürung  oder  des  Siegels  nicht
moglich  ist.

VI.  Bei  Sendungen  mit  baarem  Gelde  in  größeren  Beträgen  muß  der  Inhalt  gerollt  sein.
Gelder,  die  in  Fässern  oder  Kisten  zur  Versendung  gelangen  sollen,  müssen  zunächst  in  Beutel  oder
Packete  verpackt  werden.

§.  18.
I.  Im  Wege  des  Postauftrags  können  Postaufträge
a)  Gelder  bis  800  Mark  einschließlich  eingezogen  oder    zur
b)  Wechsel  zur  Einholung  der  Annahmeerklärung  versendet  werden.  Einziehung
II.  Dem  Postauftrage  sind  die  einzulösenden  Papiere  (quittirte  Rechnung,  quittirter  Wechsel,  Zins-  von  Geldschein

  2c.)  zur  Aushändigung  an  die  Person,  die  Zahlung  leisten  soll,  oder  die  zur  Annahme  vorzuzeigenden  beträgen zur Einholung

Wechsel  beizufügen.  Die  Vereinigung  mehrerer  Postaufträge  zu  einer  Sendung  ist  nicht  gestattet.  Einem  von  Werth-Postauftrage
  zur  Geldeinziehung  können  mehrere  Quittungen,  Wechsel,  Zinsscheine  2c.  zur  gleichzeitigen  accept.
Einziehung  von  demselben  Zahlungspflichtigen  beigefügt  werden;  die  Gesammtsumme  des  einzuziehenden
Betrags  darf  jedoch  800  Mark  nicht  übersteigen.  Ebenso  könmen  einem  Postauftrage  zur  Accepteinholung
mehrere  Wechsel  beigefügt  werden,  wenn  sie  derselben  Person  gleichzeitig  zur  Annahmeerklärung  vorzuzeigen sind.