13 abfallen — absällig.
Wassers: abfall der treufe Frisch; abfall eines dammes,
abschülsige Lage, z. B. bei Straßenpflasterung; der kleine
abfall eines muhlwassers Goethe Schweizerreise 1797.
2) was heruntergefallen ist: den abfall von bäumen
auflesen; was bei einer Bereitung wegfällt, gern im
Plur. abfalle des leders, vom fleisch, in der kuche.
3) bildlich: böslicher plötzlicher Weggang, von einem; das
aufrhur und abfall drinnen (in der Stadt) gesebicht
Efra 4, 19; die ganze schuld ihres abfalls Schiller
9, 48. 4) Verminderung, Nachlaß, Minderwert, in
abfall und verachtung kommen Luther 6, 82-; leute
die in abfall ihres verstandes gekommen sind Wieland
15, 391; abfall der cultur Seume Spaz. 1, 145;
bergmännisch, Abnahme an Metallgehalt. 3 Verschiedenheit,
Unterschied: ablall der farbe (Nuance) Möser;
die empfindungen . Schattieren sich so häufig, als
abfälle zwischen einer habichts - und stumpfnase sind
Goethe Werthers Leiden; plötzlicher Wechsel: wenn man
aus dem glubenden olen ins eiswasser springt, kann
man den abfall nicht so stark fuhlen Schiller Ränb.
2, 3. 6) Einschränkung, Beschränkung, einer regel
(Gottsched), jetzt nicht mehr üblich; an die Bedentung
4 rührend: dasz die billige erwartung des publici
einen groszen abfall dabei leide (bei der Fortsetzung
eines Eriilons) Lesfing 3, 166. 7) Gegensatz von beifall,
in Verbindung mit diesem: einem jeden bleibt sein
ab- oder brifall bevor Schottel Hptspr. 3, und so bei
Bürger in der Vorrede zur 1. Ausg. der Ged.; vgl.
ablallen 7, abfällig. — abfallen, 1) fallend weichen:
gleich wie die grunen blätter . abfallen Sir. 14, 19;
der mensch . gebet auf wie eine blume und fellet abe
Hiob 14, 2; wie ist der helle schmuck dir abgefallen
Geibel 1, 10; gesicht, von dem die maske eben abgefallen
war Heyse Par. 3, 65; gelegentlich für hinab
fallen: ein alt weib fiel die stiegen ab Logau. Mit
Angabe der Wirkung, den bals abtallen, ihn sallend
verlieren, schon mhd. (Myst. 1, 295); hatte so wenig im
sinn zu meinem regiment zu geben, als den hals abzufallen
Simpl. 4, 25. 2) vom jähen Niedergang einer
Richtung, gegend, land fallt ab; gebirge falit steil ab;
ein breiter, terrassirt abfallender rasen Bismarck Brief
1859. 3) bei Bereitung wegfallen, übrigbleiben, etwas
fällt ab vom tuch, vom leder; dann wird wurst gemacht,
da fallt was ab Tieck Oetav. 194; hierbei ßel
für ihn etwas ab. 4) böslich weichen, abtrünnig werden:
sie woll irem man abfallen Faßn. Sp. 160, 11; wenn
ein mensch von gott abfellet Sir. 10, 11; wer vom
rechten glauben abfellt zum unrechtien glauben 27, 27
u. ö.; der abgefallne engel Tieck Octav. 318; ablallen
weichen, fliehen Pf. 78, 9; auf dem marsche abfallen,
untüchtig werden, schon in die folgende Bedeutung übergreisend:
einer ist schon abgefallen, es sind nur noch
zwei (Wettläufer) Keller Seldw. 1, 250. 5) weichen
an Umfang oder Wert; abfallen — magerer werden bei
Menschen und Tieren; das: der kadaver täglich abfüllet
und eindorret JPaul Tit. 1, 175 (in derber Rede):
von Dingen: das ende fällt gegen den anfang des lustspiels
schr ab; preise fallen ab; bermännisch erze fallen
ab, an Metallgehalt. 6) abstechen: einc folge von meiner
zeitherigen lebensart .. die von meiner vorigen
allzusehr abgefallen Lessing Brief 1771. 7) keinen
Beifall finden: er ist mit seiner bewerbung abgefallen,
fulit mit seinem vortrage ab. 8) in technischer Spr.,
bei Jägern abfallen von großem Geflügel, vom Baume
sätchen hirsch fallt ab, wenn er nach der Brunst das
Tier verläßt; seemännisch ablallen, andere Richtung nebmen;
bergmännisch gang fällt ab, wenn er sich von einem
absangen — Abfluß. 14
dald beifallig, bald abfällig verfahren Goethe 39, 121.
— abfangen, wegfangen, wild, vögel; einem nachbar
eine quelle, wasser, indem man sie zu sich leitet; dasz
.. die bohnen den kuchenkräutern dic sonne abfangen
(entziehen) Taylor Antin. 57; in derber Rede einen
ablangen, einen der sonst ausweicht, zur Begegnung
bringen; bei Jägern birsch, eber, sau, den Genicksang
eben; bergmännisch, sinkendes Gestein stützen. — abärben,
1) intranf. Farbe sahren lassen: tuch, die wand
fürbt ab; frei, vom Widerscheinc: ein abfärben des
morgenrotbs an der wand JPaul Qu. Fixl. 173; Farbe
verlieren, von altem Zeuge: ein mantel, so entfasert,
abgefäürbt und ausgenutzt Wieland Musar. 1,
2) trans. das Färben vollenden, 2eug ablärden, die
Hand dran legen, bei Schwarzfärbern. — absas
asern verlieren: das kleid tasert ab. — abfassen, Fassung
vollenden oder durchführen: schriften; licbesbriefc
in reimen abzufassen Heyse Par. 3, 220; waaren, bei
Krämern, in Paketen für den Verkauf herrichten; verbrecher,
diebe. festhalten und einstecken. — Abfassung, f.
eines Schriststücks, eines Diebes. — abfaulen, faulend
vergehen: die wurzel fault ab.
Absegen, fegend entfernen: staub; segend reinigen,
den tisch, bücher. — abseilen, feilend abnehmen: hatte
an den münzen zu viel rand abgefeilt JPaul Komet
3, 97; feilend verkleinern: die füngernägel abfeilen. —
abseilschen, abhandeln, abdingen, einem eine waare;
Wenige groschen an dem preise. — abfeimen, den Feim
(Schaum) entsernen, beim Kochen, 16. Jh. auch schon
von der Glasgalle in den Glashütten (Mathesius);
bildlich abgeteimt, von einem der wie Abschaum weggeworfen
wird: abgeleimter schurkte Seume Spaz.
1, 159, schauspieler Freytag Soll 1, 124; Lessing
schreibt falsch abgefäumte buhlerin 7, 154. — absertigen,
fertigend vollenden, im 16. Ih.: (Übersetzung
der Propheten) welche ich hoffe auch bald abzufertigen
Luther 5, 435; später von Wegzuschickenden: ein schicf,
boten; den bedienten abfertigen Gellert 3, 198; kaufleute
fertigen kunden ab, geben ihnen das Gewünschte;
ironisch: einen abfertigen, höhnisch, ungnädig, kalt entlassen;
dasz er sie beute so kurz abgefertigt hatte
Goethe W. Meister; am ende sie mit einem elenden
stück geldes abrertigen Schiller Picc. 2, 5. — Absertigung,
1.; im letztern Sinne des Verbums schon 16. Ih.
abfertigung bekommen (Ayrer Process.). — abfeuern,
abschießen, ein gewehr; die ihre kanonen ablfeuerten
Heyse Par. 3, 198.
andern Gange absondert. — abfällig, nach dem Verb. 1:
abfulliges obst; nach 2: abfüllige seite eines daches;
nach 1: adliillig werden; einen a. machen, oft in der
Bibel, nicht mehr üblich; jetzt gewöhnlich nach 7, Gegen-Abfinden,
findend beendigen; einen, durch Abkommen
befriedigen; ein abgelundener gläubiger; sich mit
einem, ausgleichen; ich habe nie etwas thun können.
mich mit einem manne abzufinden, der sechs jahr gluck
und ungluck mit mir getheilet Lessing Minna 1, 6;
sich mit etwas: nicht einen einzigen versuch gemacht.
sich mit unserer auffassung abzufinden oder zu verständigen
Preußen i. B. 1, 207. — Abfindnug, k. Handlung
des Abfindens; das womit abgefunden wird: dem
hause des königs Georg einc reiche abfindung zu verschaffen
Bismarck Reden 4, 370. — abfingern, etwas,
an den Fingern abzählen. — abfsshen, fischend entfernen
oder leeren: einen teich ablischen; bildlich: fischte
einem becken zwei kreuzerbrod ab Simpl. 3, 361.
Abflachen, flach ablaufend machen, uler, hugel. —
absliegen, wegfliegen: der pfeil fliegt von der sehne ab;
im Forstwesen, holz liegt ab. wird dürre. — absließen,
fließend weggehen: wasser, der regen flieszt ab: zum
see abflieszendes bächlein Voß Luise 1, 532. Bildlich,
sich ableiten: dasz von kunst, künstlich, können ab-Hiesze
Logau; die empfindungen, welche von der
natur als ihrer quelle abflieszen Schiller 10, 255.—
Abslug, m. namentlich im Forstwesen: abllug des holzes.
— Abfsluß, m. z. B. des wassers, regeus: bildlich: der
latz von beisallig: abfälliges urteil, meinung, bescheid; gehemmte abflusz des geldes nach Rom Schiller d, 7. —