27
Seit den Zeiten von Lerma und Olivarez batte kein
Minister seine Gewalt so boch getrieben, als die Prinzessin
und Orry; sie warteten nur noch den geschickten Augenblick
ab, um auch Rivas, den sse unterdeß bloß als Sekretär
brauchten, zu entfernen, wie sie den Kardinal Porkocarrero,
und Alle, die an Karls II. Testament Theil gebabt, zu entfernen
gewußt batten. Um nie auch mebr gendrbigt zu seyn,
irgend einem Manne so viel anzuvertrauen, alo Rivas hatte,
so nahm man ihm bei seiner Stelle, die, Kommerz und Finanzen
ausgenommen, alle Departements umfaßte, die auswärtigen
Angelegenheiren und das Kriegs-Departement; das.
war denn das Vorspiel seiner voͤlligen Entlassung.
Der franzbsische Ambassadeur, Kardinal Detrécs, der
mit der Pinzessin immer in Streit seyn mußte und immer
verlor, verlangte bald seine Zurückrufung, und Louville, der
bis auf Philipps Rückkunft aus Iralien der Fübrer des Koͤ-nigs,
sein einziger Herzensvertrauter und der Ausspender aller
Gnade war, Louville wurde unverlangt zugleich abgerufen;
der Abt Detrécs blieb mit dem Charakrer eines Ambassadeurs.
Zugleich wurden alle übrigen Franzosen, die um den Koͤnig
waren, hinweggerufen, nur vier oder fünf unbedeurende Männer
ausgenommen, die sich auch bei Zeiten der Prinzessin
ganz unterworfen hatten. So regierte denn fast unumschränkt
die Prinzessin; sie war. in Madrid gesichert und war in Versailles
gesichert, bis solgender Zufall kam.
Man mußte gegen die Oesterreicher eine Armee auf die
portugiesischen Grenzen schicken; ein französischer General
war also nothwendig, um theils die französischen, theils vielleicht
auch die spanischen Truppen zu kommandiren; der
Herzog von Berwick schien der Prinzessin der geschickteste.
Sie konnte, indem sic zu Versailles um ihn bat, ihrer
alten Freundin und Gönnerin, der Gemahlin Jakobs II., ein