Full text : Illustrierte Geschichte der Sächsischen Lande und ihrer Herrscher. I. Band, 1. Abteilung. Von den Anfängen bis zum Tode Friedrichs des Strengen (1381). (1)

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Damit  schien  vor  der  Hand  der  Friede  soweit  gewahrt,  daß  Ekiihard
  den  Kaiser  auf  seinem  zweiten  Zuge  nach  Italien  begleiten  konnte,
den  er  von  Magdeburg  aus  unternahm.  Rom  war  das  Ziel  der
Fahrt,  wo  ein  vornehmer  Mann,  mit  Namen  Crescentius,  dessen
gleichnamiger  Vater  schon  gegen  Otto  II.  in  Waffen  gestanden  hatte  den
vom  Kaiser  996  eingesetzten  Papst  Gregor  V.,  eigentlich  Bruno  von  Kärnten,
  vertrieben  und  den  Calabresen  Johannes,  der  sich  Jobann  XVI.
nannte,  als  Gegenpapst  aufgestellt  hatte.  Die  Crescentier  vertraten  eine
national-römische  Richtung,  die  von  der  deutschen  Herrschaft  nichts  wissen
wollte.  Um  so  energischer  meinte  der  junge  Kaiser  gegen  die  Rebellen
vorgehen  zu  müssen.  Im  Februar  998  stand  er  vor  Rom;  die  Bürgerschaft
  öffnete  ihm  die  Thore  und  lieferte  Johann  XVI.  aus,  während
Crescentius  sich  in  die  Engelsburg  warf.  Eine  von  Gregor  V.  berufene
  Synode  sprach  zunaͤchst  dem  Gegenpapste  das  Urteil.  Der
harte  Mann  ließ  ihn  trotz  der  Fürbitte  des  Kaisers  blenden  und  in
schmachvollem  Aufzuge  auf  einem  Esel  durch  die  Stadt  führen.  Crescentius
  aber  hatte  in  Ekkihard  von  Meißen  ebenfalls  einen  furchtbaren
Gegner  gefunden.  Tag  und  Nacht  stürmte  dieser  das  Kastell;  ungeheure
Maschinen  wurden  erbaut,  mit  deren  Hilfe  Ende  April  die  Burg
crobert  wurde.  Crescentius  fiel  in  die  Hände  eines  erbarmungslosen
Siegers.  Denn  Ekkihard  ließ  ihn  vor  den  Augen  des  entsetzten
römischen  Volkes  auf  den  Zinnen  der  Engelsburg  enthaupten,  den
Leichnam  durch  die  Stadt  schleifen  und  ihn  dann  mit  zwölf  gleichermaßen
  behandelten  Genossen  vor  der  Stadt  am  Galgen  verkehrt  aufhängen.
  Mit  schauderndem  Entsetzen  beugte  sich  jetzt  das  römische
Volk  dem  jugendlichen  Kaiser,  der  damals  erst  18  Jahre,  und  seinem
jugendlichen  Papste,  der  nur  acht  Jahre  mehr  zählte.

Die  Abwesenheit  des  mächtigen  Mannes  hatten  die  Milzener  zu
einem  Aufstande  benutzt;  noch  vor  dem  Kaiser  mußte  deshalb  Ekkihard
nach  Deutschland  zurückkehren.  Er  dämpfte  den  Aufstand  und  unterwüazf
  die  Rebellen  nunmehr  völlig.  Als  Sieger  konnte  er  den  Kaiser,  der
Eude  999  ebenfalls  wieder  nach  Deutschland  gekommen  war,  im  Februar
des  Jahres  1000  in  Meißen  empfangen.  Aus  dem  Umstande,  daß
ihm  Otto  III.  mehrere  neue  Lehen  erteilte,  die  meisten  seiner  alten
Lehen  in  Erbgut  umwandelte,  ihm  das  Münzrecht  verlieh,  ersehen
wir,  wie  hoch  er  bei  dem  Kaiser  in  Ansehen  stand.  Strehla  an  der

Sturmheoesel,  Geschichte  der  sächsischen  Lande.