40 Veutsches Reich. (Januar 18.)
lich dadurch, daß zu dem ersten die Familienfideikommisse betreffenden Teile
und dem bisher zweiten, jetzt dritten, die Familienstiftungen betreffenden
Teil ein neuer zweiter Teil über Stammgüter eingefügt ist. Die Vorschriften
des zweiten Teiles sollen dem kleineren und mittleren Besitz zu der ihm bisher
fehlenden Besitzbefestigung in der Familie verhelfen. Der frühere Entwurf
hatte den Erlaß derartiger Vorschriften der späteren Gesetzgebung vorbehalten.
Im übrigen liegt dem neuen Entwurf in seinen Bestimmungen
über die Familien-Fideikommisse und Familienstiftungen im allgemeinen
diejenige Fassung zugrunde, die der Entwurf von 1913 durch die Beschlüsse
des Herrenhauses und der Kommission des Abgeordnetenhauses erhalten hat.
18. Jan. Kaiser Wilhelm verleiht dem Reichskanzler das
Verdienstkreuz für Kriegshilfsdienst.
Mein lieber Bethmann! Ich erhalte soeben die ersten Exemplare des
Verdienstkreuzes für Kriegshilfsdienst und verleihe Ihnen am heutigen
Preuß. Gedenktag diese für das Heimatheer bestimmte Dekoration, um Meiner
Anerkennung für Ihre rastlose Tätigkeit auch auf diesen Gebieten dankbar
Ausdruck zu geben. Ich werde das Kreuz selbst anlegen und habe es auch
dem Feldmarschall Hindenburg heute verliehen. Die Dekoration wird Ihnen
morgen zugehen. Wilhelm I. R.
Der Reichskanzler antwortet: Ew. M. bitte ich für die am Preuß.
Gedenktag vollzogene Verleihung des Verdienstkreuzes für Kriegshilfsdienst
und die gnädigen Worte der Anerkennung, die Ew. M. ihr hinzuzufügen
geruht haben, meinen ehrfurchtsvollsten Dank aussprechen zu dürfen. Mit
dem Heimatheer, das, dem Ruf Ew. M. folgend, zu jedem Opfer bereit,
seine Kraft einmütig für den Dienst des geliebten Vaterlands einsetzt,
empfinde ich voll Dankbarkeit die huldvolle Würdigung unserer Arbeit durch
unseren kaiserlichen Herrn, die in dem Verdienstkreuz ihren sichtbaren Ausdruck
findet. Alleruntertänigst Bethmann Hollweg.
18. Jan. (Gleiwitz.). Kaiser Wilhelm besucht das Lazarett
einer holländischen Ambulanz.
18.—19. Jan. (Berlin.) Besprechungen des österr. Ministerpräsidenten
Grafen Clam-Martinic und des ung. Ministerpräsidenten
Grafen Tisza mit der Reichsregierung.
In ihrer Begleitung befinden sich der österr. Minister für Ernährungsfragen
Generalmajor Höfer, der ung. Ackerbauminister Baron Ghillany
und der Präs. des ung. Landesernäherungsamtes Baron Kürthy. Gegenstand
der Besprechungen bilden vor allem kriegswirtschaftliche Fragen, über die
völlige Uebereinstimmung erzielt wird. Da bisher alle Verhandlungen Oesterreich--Ungarns
mit Deutschland durch den gemeinsamen Minister des Auswärtigen
gingen, kommt diesem Besuche eine gewisse staatsrechtliche Bedeutung
zu.
18. Jan. (Bundesrat.) Es gelangen zur Annahme:
Der Entw. einer Bek. über den Verkehr mit Mineralölen, der Entw.
einer Bek. über Stickstoff (der Reichskanzler erhält die Befugnis, einen
Reichskommissar für Stickstoffwirtschaft zu ernennen), eine Aenderung der
Bek. über Bereitung von Backware vom 16. Mai 1916, eine Ergänzung der
Bek. vom 31. Juli 1916 betr. die Liquidation brit. Unternehmen, die Vorl.
betr. Festsetzung der von privaten Bersicherungsunternehmungen für 1916
zu erhebenden Gebühren, der Entw. einer Bek. über die Beurkundung von
Geburts- und Sterbefällen Deutscher im Auslande, e. Bek. über die Ein-