:#) Einleitung.
Leichenhaufen hoch aufgeschichtet bio zum Rand der Mauer, das
Hirn quoll den Toten aue den zerschmetterten Schädeln.“ Kein
Geringerer alo Moltke hat (Militär-Wochenblatt 1865, Beiheft
27) nachgewiesen, daß damaleo nur 30—35 Franzosen den
Kolbenschlägen der Landwehr erlegen sind — denn eben nur
so viel wurden an der berühmten Mauer verscharrt — und hat
im Anschluß daran dargethan, auf welch bescheidenes Maß überhaunt
die immer wiederholten Erzählungen über die Wirkungen
von Bajonett und Kolben beschränkt werden müssen.
Aber auch an einzelne Personen heftet sich die militärische
Legende, indem sie zur Erzielung eines größeren Eindrucks entweder
die gefeierte Heldenthat über die Wahrheit hinaus steigert
oder räumlich und zeitlich getrennte Vorgänge zu einem Bilde
vereinigt. Das geschieht z. B. in der Legende von Frobens
Ovfertod bei Fehrbellin. Thatsächlich wurde dieser zur Linken
des einen Schimmel reitenden Kurfürsten tödlich getroffen, dem
Leibjäger Uhle aber, der infolgedessen seinen Herrn zu einem
Tausch der Pferde bestimmte, der Schimmel unter dem Leibe
getötet, während er selbst unversehrt blieb. Ebenfalls an die
Fehrbelliner Schlacht knüpft die durch Heinrich v. Kleist poetisch
verwertete Legende von dem Prinzen von Homburg an:
ein übereilter Angriff soll ihm trotz des glücklichen Ausgangs
des Kurfürsten Ungnade zugezogen haben. Daß der Held die
Armee bald danach unbelohnt verließ, ist richtig, aber abgesehen
von Umständen, die ihn bereits früher den Rücktritt aus dem
Dienst hatten erwägen lassen, war der Grund vielmehr das
ganzliche Mißlingen seiner Attacke auf die gegen Ende der
Schlacht vorbrechenden frischen schwedischen Truppen, die mit
einer gänzlichen Deronte der brandenburgischen Reiterei endete.
Es mag unentschieden bleiben, ob diese Entstellung des Sachverhalts
in der Ueberlieferung vielleicht auf eine bewußte Beeinflussung
derselben von einer interessierten Seite zurückzuführen
ist. An Beispielen dafür fehlt es anderweitig nicht, und
bio in unsere Tage verdankt mehr als eine militärische Legende
ihre Entstehung dem Umstande, daß von interessierter Seite,
um einen der beteiligten Führer, sei es in helleres Licht zu
setzen oder aus übertriebener, je nachdem militärischer oder