Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXX. Jahrgang, 1919. (30)

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12 Geschichte. 1 am Rheine feste Burgen an; dann fiel er in das deutsche Gebiet ein. Da er aber wußte, wie unwegsam Deutschland war, und wie schwer er dort Nahrungsmittel für seine Truppen finden würde, fuhr er auf Schiffen den Rhein hinab und suchte vom Meere her die an der Uordsee wohnenden Stämme zu unterwerfen. — Bei einem späteren Suge legte er an der Lippe eine Burg an und drang sogar bis an die Elbe vor. Dort trat ihm eine weißgekleidete deutsche Priesterin entgegen und weissagte ihm seinen nahen Tod. Er kehrte um und zog im Tale der Saale dem Rheine zu. ZKuf dem Marsche stürzte er mit dem Pferde, brach den Oberschenkel und starb kurze Seit danach (Cedicht: Drusus' Tod). — Nun sandte RKugustus seinen andern Stiefsohn Tiberius nach Deutschland. Kls einst deutsche Fürsten als Gesandte zu diesem arglistigen Manne kamen, ließ er sie gefangen nehmen. Die treulos Derratenen konnten diese Schmach, aber nicht ertragen und töteten sich selbst. Tiberius benutzte auch die Uneinigkeit der Deutschen und reizte die Stämme zum Kriege gegeneinander. Kuf diese Weise unterwarf er nach und nach das Land zwischen Rhein und Elbe. 5. Hermann, Deutschlands Befreier. Die Römer betrachteten nun Deutschland als eine Drovinz ihres Reiches. Als Tiberius nach Rom zurückgekehrt war, wurde der geldherr Darus zum Statthalter von Deutschland ernannt. Er mißbrauchte sein Kmt, um sich Reichtümer zu sammeln, und führte an Stelle des uralten deutschen Rechtes römisches Recht ein. Bei Gericht sprach man die römische Sprache, die der Deutsche nicht verstand. Kus geringer Ursache wurden freie Deutsche von den römischen Eerichtsdienern körperlich gezüchtigt, und römische Rechtsgelehrte brachten manchen wohlhabenden Mann um seinen ganzen Besitz. Ungerechte Steuern wurde dem Dolke auferlegt und mit härte eingetrieben. Die Männer wurden sogar gezwungen, in das römische heer einzutreten. — Diese Schmach wollten die Deutschen nicht länger ertragen. Die gemeinsame UNot machte sie einig, und die Hührer der Stämme verbanden sich heimlich, um die Knechtschaft abzuschütteln. Das haupt des Bundes war hermann, ein Fürst der Cherusker, die an Weser und Kller wohnten. Kls Jüngling hatte er in den Diensten der Römer gestanden und die römische Kriegskunft kennen gelernt. Im Alter von 25 Jahren aber war er wieder in die Hheimat zurückgekehrt. Darus betrachtete ihn als einen Freund der Römer. Ein andrer Cheruskerfürst, Jegest, war hermann feindlich gesinnt, weil dieser seine Tochter Thusnelda geraubt und geheiratet hatte. Er warnte Darus; dieser aber glaubte ihm nicht. An einem bestimmten Tage i. J. 9 n. Chr. empörte sich, wie es verabredet war, zuerst ein Dolksstamm, der weit entfernt an der Ems wohnte. dSofort brach Darus mit drei Legionen (ungefähr 18000 Mann) auf, um den Zufstand zu unterdrücken. Die deutschen Stammesfürsten bekamen von ihm den Befehl, den heerbann, d. h. alle waffenfähigen Männer, zusammenzurufen und mitzuziehen. Nach einigen Tagen gelangten die Römer in den Teutoburger Wald, auf dessen sumpfigen Waldwegen sie nur langsam vorwärts kamen. Sturm und Regen machten den Marsch immer beschwerlicher. Da fielen plötzlich die Deutschen von allen Seiten über die Römer her. In dem dichten Walde war es diesen unmöglich, in geschlossenen Reihen zu kämpfen, wie sie gewohnt waren; ihre Kriegskunst nützte ihnen also hier nichts. Ein Teil der Reiterei schlug sich zwar mühsam durch und erreichte die Römerfeste an der Cippe: die hauptmasse des heeres aber wurde völlig vernichtet. Darus tötete sich selbst, um nicht in Gefangenschaft zu geraten. — Schrecklich war die Rache, die die Sieger an ihren bisherigen Unterdrückern nahmen. Die gefangenen Führer des heeres wurden den