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Die Prüfung muß sich erstrecken auf:
1. Chemische Analyse und Identitätsreaktionen (Schmelzpunkt und dergleichen),
2. Wasserlöslichkeit und Neigung zur Salzbildung (Verhalten gegenüber Lackmuspapier),
3. Verhalten bei der Warmlagerung,
« » -» Zündung,
5. (2 gegen mechanische Einwirkung (Stoß, Schlag, Reibung).
Vorbereitung der Nitrokörper: Vor der Untersuchung werden die Körper fein gepulvert
und gefiebt oder anderweit gleichmäßig fein zerteilt und dann 24 Stunden lang im Vakuumersikkator
über Chlorkalzium getrocknet. "
Zu 1. Schmelzpunktbestimmung“). Kleine Proben sind in enge Röhrchen einzufüllen und unter
Benutzung eines Normalthermometers zu schmelzen.
Zu 2. a) Wasserlöslichkeit. 1 g des Stoffes wird in einem mittels Glasstopfens verschlossenen
Gefäße mit 100 coem destilliertem Wasser von 15—20° C während ½ Stunde wiederholt ge-
schöttel, alsdann wird der nichtgelöste Stoff auf einem gewogenen Filter gesammelt, getrocknet
und gewogen.
b) Verhalten gegenüber Lackmuspapier. Die nach a) erhaltene Lösung wird mit
empfindlichem blauem Lackmuspapier geprüft. Hierbei ist das Papier zwecks Feststellung der
Rotfärbung mit Wasser abzuwaschen.
c) Neigung zur Bildung von gefährlichen Salzen.
1. Die nach a) erhaltene Lösung wird bei gewöhnlicher Temperatur mit einem ent-
fetteten, blanken Bleibleche 24 Stunden in Berührung gelassen. Nach Entfernung der
Lösung durch Abspriven mit Wasser (nötigenfalls auch nach sanftem Abreiben mit einem
feuchten Wattebäuschchen) wird festgestellt, ob eine Einwirkung, insbesondere Salzbildung
stattgefunden hat.
2. 05 g werden in einer Lösung von 1 g Natronhydrat in 10 cem Wasser 5 Minuten
lang geschüttelt. Das Filtrat wird mit Salzsäure übersättigt. Ein Niederschlag deutet auf
Salzbildungsvermögen.
3. Die nach 2 erhaltene Lösung wird mit Essigsäure ganz schwach angesäuert und
dann mit Bleiessig versetzt. Ein etwa entstehender Niederschlag wird getrocknet und nach 1
zu 6 auf Empfindlichkeit geprüft.
Zu 3. Lagerung der Nitrokörper bei 75-. Wie unter 3 der Prüfungsvorschriften für Ammoniak-
salpetersprengstoffe beschrieben. Falls eine wesentliche Anderung der Beschaffenheit oder des
Gewichts der Nitrokörper festgestellt wird, ist nach I zu 6 # prüfen, ob auch die Empfind-
Lcheit gegen mechanische Einwirkungen geändert ist. Die Vergleichssprengstoffe zeigen keine
erung.
Zu 4. Verhalten bei Zündung.
a) Zündversuch mit Schwarzpulverzündschnur.
Wie unter 5ba) der Prüfungsvorschriften für A iaksalpetersprengstoffe beschrieben.
Pikrinsäure entzündet sich hierbei nicht.
b) Einwerfen von Proben in eine rotglühende Eisenschale.
Wie unter 5b) der Prüfungsvorschriften für A iaksalpeters
und Tetranitromethylanilin explodieren nicht.
J%) Erhitzen kleiner in Reagenzgläsern untergebrachter Proben im Wood'schen Metallbad
bis zum Zersetzungs- (Verpuffungs-) punkt.
Wie unter 5c) der Prüfungsvorschriften für A iaksalpetersprengstoffe. Pikrinsäure
entzündet sich bei etwa 300, explodiert aber nicht. Tetranitromethylanilin entzündet sich
bei etwa 190° und bläst dabei ohne Explosion aus.
4) Abbrennen größerer in Eisenblechkästchen untergebrachter Proben im Holzfeuer.
Wie unter 54) der Prüfungsvorschriften für A iaksalpetersprengstoffe. Pikrinsäure
brennt lebhaft ab, explodiert aber nicht. Tetranitromethylanilin verbrennt unter Verpuffung.
*WMI!:I
petersprengstoffe. Pikrinsäure
*) Die Prüfung ist unter Vorsichtsmaßregeln vorzunehmen.
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