Volltext : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Zweiter Band. (2)

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unter  welchem  sich  eine  weißliche,  zum  Theil  in  das  Hautgewebe  eingelagerte  Masse
vorfand.  Unter  dem  Schorfe  heilte  der  ganze  Prozeß  in  16  Tagen  ab.  Eine  am
10.  Tage  vorgenommene  Nachimpfung  mit  Vaccine  war  aber  von  Erfolg.

Um  zu  erproben,  ob  diese  pockenartigen  Bildungen  weiter  verimpfbar  seien,  wurden
verwendet:

1.  am  5.  Tage  abgekratzter  Schorf,  welcher  in  Glycerin  und  Wasser  konservirt  war,

2.  das  aus  der  abgekratzten  Stelle  abgeflossene,  mit  Glycerin  versetzte  Blutwasser

3.  drei  verschiedene  Mikroorganismen,  welche  aus  den  oben  erwähnten  Stoffen

auf  Agar  gezüchtet  waren,

4.  am  10.  Tage  frisch  abgekratzter  Schorf.

Mit  diesen  Substanzen  wurde  am  10.  Februar  ein  neues  Kalb  geimpft.  An  den
Schnitten,  in  welche  Reinkulturen  der  unter  3  verzeichneten  Bakterienart  gebracht  waren,
trat,  außer  Wundreaktion,  keine  Veränderung  ein.  An  den  mit  1  und  4  geimpften
Stellen  zeigte  sich  starke  Entzündung  mit  dunkler  umgebender  Nöthung,  in  welcher
weiße  hirsekorngroße  Bläschen  aufschossen,  und  vom  2.  Tage  ab  schon  Schorfbildung
eintrat.

Langsamer  entwickelte  sich  der  Prozeß  an  den  mit  Blutwasser  (2)  geimpften
Schnitten;  hier  kam  es  zu  einer  pockenähnlichen  Ausschlagsform,  welche  nachher  verschorfte.
  Eine  am  4.  März  mit  Schutzpockenlymphe  vollzogene  Nachimpfung  war  bei
dem  Kalbe  erfolgreich.

Es  kann  sich  demnach  bei  den  beiden  letzten  Thieren,  welche  durch  die  Impfung
gegen  Vaccine  nicht  unempfänglich  geworden  waren,  nicht  um  einen  eigentlichen
Variola-Ausschlag  gehandelt  haben.  Nach  der  Vermuthung  des  Anstaltsleiters  entstammten
die  beobachteten  Bildungen  sicher  einer  Infektion  mit  den  in  der  Stallluft,  im  Boden,
in  der  Streu  oder  an  Utensilien  2c.  vorhanden  gewesenen  Keimen.  Es  war  nicht  gelungen,
  den  Keim  mit  Hülfe  der  gewöhnlichen  Nährböden  zu  isoliren.

Ein  8  Wochen  altes  Kalb  ist  mit  Schnitten  versehen  worden,  ohne  daß  Lymphe
eingebracht  wurde.  Hierauf  geigten  6  Schnitte  scheinbar  spontan  aufgetretene  Entzündungsprodukte
  wie  die  vorbeschriebenen.  Für  eine  18  Tage  nachher  gemachte
Vaccination  erwies  sich  das  Kalb  empfänglich.

Der  Berichterstatter  giebt  sodann  noch  der  Annahme  Ausdruck,  daß  die  ständig
beobachtete  Degeneration  der  Lymphe  bei  Fortpflanzung  auf  ganz  jungen  Kälbern
zum  Theil  aus  der  größeren  Neigung  derselben  zu  solchen  zufälligen  Infektionen  der
Impffläche  erklärt  werden  kann.

Stettin.  1.  Die  zweimal  versuchte  Verimpfung  von  varioln  vern  auf  Kälber
Zur  Anzüchtung  eines  neuen  Lymphestammes  bezw.  zur  Entscheidung  der  Frage  der
Identität  von  varioln  vera  und  Vaccine  blieb  ohne  Resultat.  Bei  dem  einen  Thier
hatte  die  Impfung  mit  dem  einem  4jährigen  Knaben  am  10.  Tage  nach  dem  Pockenausbruch
  entnommenen,  dem  Berichterstatter  aus  der  Provinz  zugeschickten  Pockenstoff
keinen  Erfolg.  Die  hinterher  vorgenommene  Impfung  desselben  Kalbes  mit  Thierlymphe
  hatte  nur  ganz  mangelhaften  Erfolg.  Auch  bei  dem  zweiten  Kalbe  war  die
Impfung  mit  variola  vera,  welche,  um  eine  Mitübertragung  von  Vaccine  zu  verhüten,
  außerhalb  der  Impfanstalt  geschah,  erfolglos,  doch  mußte  7  Tage  nach  der
Impfung  das  plötzlich  matt  und  schwach  gewordene  Thier  nothgeschlachtet  werden.

2.  Ferner  wurde  der  mit  dem  Messer  ausgeschabte  Milzsaft  eines  geimpften  Kalbes
theils  unvermischt,  theils  mit  Glycerin  und  Wasser  verrieben  auf  ein  Kalb  mittelft
Schnittes  mit  Erfolg  verimpft.  Am  4.  Tage  erschienen  die  ersten  kleinen  Knötchen,
am  5.  waren  deutliche  Pocken  (einige  80)  zu  sehen.  Dieselben  hatten  4  bis  6  mm
Durchmesser,  waren  meist  rund  und  an  den  Stellen  am  gahlreichsten,  wo  der  mit