Metadata : Deutsche Geschichte. Zweiter Band. (2)

Berufung  Hardenbergs  zum  preußiichen  Staatsfanzler.  287

gehend  das  Minifterium  des  Auswärtigen  verwaltet  hatte,  dann
aber  furz  vor  dem  Ausbruch  des  Krieges,  da  er  bei  Napoleon
mißliebig  war,  dem  Grafen  Haugmwit  hatte  weichen  müfjen,  wieder
in  Fluß  und  ging  in  den  Wegen  der  Steinjchen  Seen  weiter
mit  Umgeftaltung  der  oberjten  Staatsbehörden,  Abichaffung  der
Srundfteuerbefreiungen,  de  Zunftzwangs  und  anderer  hemmenden
Momente:  auc)  die  Neubildung  des  Heeres  jchritt  geräufchlos  fort.
Daß  dieje  tiefeinschneidenden  Reformen,  die  eine  jehr  gründliche  Beränderung
  de3  ganzen  StaatSwejens  bedeuteten,  von  Seite  der  jeitber
  begünftigten  Junker  und  PBrivilegierten  lebhaften  und  zuweilen
giftigen  Widerfpruch  fanden,  Laßt  fich  denken  und  Hardenberg  juchte
vergebens  in  einer  Notabelnverfammlung  die  neue  Gejeßgebung
ihnen  plaufibel  zu  machen:  allein  auf  diefem  Boden  war  doc)  jeit
lange  zu  viel  auf  den  Geift  gejät,  um  noch)  Stillftand  und  Rüd-Ihritt
  zu  geftatten.  Am  15.  Oftober  1810  fonnte  die  neue  Univeriität
  von  Berlin  eröffnet  werden,  welche  an  die  Stelle  der
dem  Staate  verlorenen  Univerjität  Halle  trat  und  deren  Gründung
  unter’  den  damaligen  Umftänden  als  eine  Großtat  angejehen
werden  muß.  Das  Hauptverdienft  um  dieje  zulunftreiche  Schöpfung
hatte  fih  Wilhelm  von  Humboldt  erworben,  der  Freund
Schiller,  der  feit  1809  al  Kultusminifter  berufen,  im  Verein
mit  Fichte,  Schleiermacher,  Niebuhr  in  der  Förderung  der  Wiffen-Ihaften
  mit  Recht  eines  der  wirfjamften  Mittel  zur  Hebung  des
Staates  erfannte.  Hardenberg,  gejchmeidiger  als  Stein,  mußte  den
direften  Konfliftt  mit  Napoleon  Flug  zu  vermeiden.  Er  jpielte
jogar  mit  Gefchie  den  Frangofenfreund,  ohne  daß  er  den  Haß
Napoleons  gegen  diefen  Staat  ganz  entwaffnet  hätte:  e&&  war  der
Haß  eines  böjen  Gewillens,  wenn  man  bei  Napoleon  eine  Eigen-Ichaft
  wie  Gemwilfen  annehmen  fünnt.  König  und  Land  erfuhren
in  diefem  Jahre  den  Schmerz,  daß  die  Königin  Luije  bei  einer
Reife  nad)  Strelig  am  19.  Juni  1810  in  der  Blüte  ihrer  Jahre
einer  Krankheit  erlag.  Sie  hatte  mit  ihrem  Wolfe  gelebt  und  gelitten
  und  verdient  die  Verehrung,  die  die  Deutfchen  einer  edlen  und
reinen  Tyrauenjeele  zollen,  tie  Died  jchon  die  Art  ihrer  germanischen