Dlese völkerrechtlich elnwandfreie Anspruch erregte nicht zuletzt wegen der
sensotionellen und geradezu herausfordernden Art selner öffentlichen Geltendmachung
einen Sturm in Frankreich. Demgegenüber verlangte Deutschland die
Einberufung elner Konferenz, welche die Verhältnisse Marokkos International
regeln sollte. Diese fand in der spanischen Hafenstadt Algeclras lm Frübjahr 1906
statt. England stand an Frankreichs Selte, Rußland, dae eben erst von Deutschland
elnen großen Freundschaftsbewels und -lenst durch dle Neutralität im
Russisch-Japanischen Krlege erhalten hatte, lleß es an Bündnlstreue gegenüber
selnem westllchen Verbündeten ebenfalls nicht fehlen. Ja, es war unverkennbar,
daß sich in Algeciras dle erste Annäherung zwlschen Rußland und England
vollzog. Rußland war durch Japans Sieg von selnen Ausdehnungeplänen lm
fernen Osten abgedrängt worden. Es hatte zudem mit der Revolutlon lm
eigenen Lande hart zu ringen. Wollte es nach bewährtem Muster zur Ableitung
seiner lnneren Schwlerlgkeiten den Weg weltpolltlscher Auebreltungeerfolge
beschrelten, so blieb ihm setzt nur die Wlederaufnahme selner Pläne im nahen
Osten, also seln Anspruch auf Konstantlnopel und dle Meerengen- Ibte Verwirklichung
aber mußte es über kurz oder lang in k
mlt Osterreich und auch mlt Deutschland stürzen. Damit wor seine Annäherung
an England ohne weiteres gegeben
Und selbst der Drelbundverbündete stellte sich in Algeciras ganz
offen auf die Seite der Gegner. Nur Osterreich stand noch als „Sekundant“
an Deutschlande Seite. So waren die Ergebnisse der Konferenz -*.r- Deutschland
niederdrückend. Der Grundsatz der offenen Tür wurde zwar auf dem Papler
anerkannt, aber die Slcherheiten für selne Durchführung seltens der Okkupatlonemächte
waren völlig ungenügend. So stand die Welt unter dem Eindruck, daß
Deutschland isoliert sei und gegenüber selnem geräuschvollen Auftreten bel der
Tangerreise eine schwere diplomatische Niederlage erlitten habe.
Dieses Ergebnis bedeutete für Frankreich die Wiedergeburt des Revanchegedankens.
Diese Entwicklung ist vollends erklärlich, seit wir wissen, daß 1906
zwischen England und Frankrelch die streng gebeime Verabredung zustande
gekommensst, nach welcher zwlschen den beiderseitigen Militär- und Marinestäben
fortlaufende Unterhaltungen für den Fall elner Krlegegefahr gepflogen werden
sollten. Dieser Geheimbund ist im November 1912 durch ein auedrückliches
schelftliches Ubereinkommen dekräftigt worden.
In jene Zelt, in der das Gespenst des europäischen Krleges lmmer deutlicher
am Horizont emportaucht, fiel, eine grimmige Zronle, dle zwelte internationale
Friedenekonferenz im Haag. Auf dieser wle auf der nachfolgenden Londoner
Seekriegerechtskonferenz (Winter 1908/09) bildete den Hauptgegenstand der
Beratung die Frage der Abschaffung des Seebeuterechto, also der Sicherung
der Freiheit des Prlvatelgentume zur See In Kriegszeiten. Aber es war nur
ein Zwlschensplel: die schwere Frage wurde nicht gelöst. Zuglelch aber gelang
es der dlplomatlschen Kunst unserer Felnde, unsere Vereinsamung noch zusteigern.
Deutschland war ehrlich und nalv genug, ale elnzlge Macht Europas die Abrüstungsvorschläge
abzulehnen. Von Stund an hatte das Märchen von Deutschlands
„militaristischer“ Gesinnung, von selner Angriffelust und selnen Welteroberungeplänen
eine Unterlage an seinen eigenen Erklärungen. Eine weltkundigere
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