1805
März 2
328 Urkunde No. 800.
Aus dieser Bestimmung der Register folgt, dass sie der Decimatie
nicht unterworfen werden können, weil sonst die darauf angewiesenen Au
gaben nicht bestritten werden könnten. Auch ist die Bezehntung der jährlichen
Bestände nicht anräthlich, vielmehr scheint es besser, solche integrsliter
zu conserviren, um damit Ausfälle und etwaige extraordinaire Ausgaben
künftiger Jahre zu decken. Die Kammer hat daher auf Befreiung dieser
Register von der Decimation angetragen, und ich trete diesem bei, da bei
der bisherigen Administration Fiscus ftir die Folge nicht gefährdet werden
kann, indem auch diese Register von der p. Kammer revidirt werden und
dadurch jeder willkührlichen Verwendung vorgebeugt ist. Bei der künftigen
gänzlichen Auflösung des Capituls fallen diese Fonds sämmtlich dem Staate
anheim.
Viertens frägt es sich: ob das Dom-Capitul und dessen einzelne Mitglieder
von ihrer Getreide-Einnahme 1/,, in Natura abzugeben schuldig, oder
ihnen nachzulassen, solches in Gelde zu reluiren.
Der Abtrag in natura ist der vortheilhafteste und kann nach dem
Reichs-Deputations-Schluss, wo alle und jede Einnahme der Decimation
unterworfen ist, unbedenklich gefordert werden; nur werden sie für das
Jahr 1803 mit der Natural-Ablieferung zu verschonen und daftir der bescheinigte
Hildesheimsche Martini-Markt-Preis anzunehmen sein, wie auch
schon vorläufig verfügt ist, da die Erhebung des 1/,, erst durch die...
Cabinets-Ordre vom 16. Julii pr. befohlen worden, und daher die nunmehrig
Ablieferung des Natural-Quantums pro 1803 sehr ärtickend gewesen sein
würde.
Der fünfte Punkt betrifft die Fragen:
a) ob die Präbende des im October 1802 verstorbenen Matthias
von Ketteler, dessen Erben sie pro 1803 als Nachjahr nutzen, zu be
zehnten, und
b) ob die Capitularen v. Kesselstadt jun. und v. Haxthausen, welche
sich in prima residentia resp. fructuosa et infructuosa befinden, pro 1803
zur Entrichtung des !/,, angehalten werden können.
ad a) spricht für die Befreiung von der Deecimation die ehemalige
Capituls-Verfassung, nach welcher der p. von Ketteler den Erben seine
Vorgängers ausser dem Deservit-Jahr noch ein Nachjahr hat belassen mflssel,
mithin sein Nachjahr blos Ersatz desjenigen ist, was er vorher entbehrt
hat. Allein nach dem No. 8 angeführten können die Erben eines Cspiftlaren
nach Bestimmung des Reichs-Deputations-Schlusses auf ein Nachjabr
keinen rechtlichen Anspruch machen, und ich habe nur darauf angetrsgel,
dass solches den Erben des p. v. Ketteler, Hoensbrock und Wendt es gratis
belassen werden möge. Um so mehr aber miissen die Einkünfte davon
decimirt werden.
ad b) hingegen ist es unbedenklich, den p. v. Kesselstadt und v. Haxt-
Hildesheim. Domkapitel. 329
hausen von der Bezehntung ihrer Reventien pro 1803 zu eximiren, da solche
noch nicht 800 Fi. oder 457 Rthir. Berl. Cour. ausmachen.
Der Betrag des pro 1803 abzugebenden !/,, wird sich nur dann erst
näher festsetzen lassen, wenn vorstehende darauf influirende Punkte werden
entschieden sein. Im Allgemeinen wird er gegen 10000 Rthir. zu stehen
kommen.
Nach dieser umständlichen Entwickelung der bisherigen Capituls-Verfassung
und inwiefern solche künftig bestehen bleiben kann, reassumire ich
zur bessern Uebersicht meine dabei gemachten Anträge dahin:
1. Das Dom-Capitul bis auf zwölf Mitglieder aussterben zu lassen,
dann aber die Administration des Vermögens desselben zu übernehmen, den
übrig gebliebenen ihre 9/,, aus dem Administrations-Fonds zu bezahlen,
and diese 12 Präbenden bei deren Erledigung nicht einzuziehen, sondern
jede von neuem in baarem Gelde zu dotiren und deren Verleihung dem
Staste vorzubehalten.
2. Die vier bereits aufgeschwornen Domherm ..., wenn die bisherigen
statutenmässigen Impedimente gehoben, einrticken, auch die bisherige
Capituls-Verfassung unter folgenden Modificationen bis zu jenem Zeitpunkt
fortdauern zu lassen, dass
a) die Rechte und Vorzüge der Landesstandschaft, der Zollerhebung
in den Aemtern Marienburg und Steinbrück, der Accise-Freiheit und der
Koppel-Jagd im ganzen Fürstenthum aufhören und das Dom-Capitul sich
mit der Jagd auf seinen privativen Gründen und Feldmarken begnügen muss.
b) Die bisherige Abstufung der Präbenden in die Nummern 42, 28,
24 und 15 beizubehalten und darin den Capitularen die Ascension mit dem
Fiseus zu gestatten.
c) Die Stelle des Dom-Propsts nach Ableben des Fhrn. v. Wendt nicht
wieder zu besetzen, übrigens aber denselben in Verwaltung der Lehns-Curie
und Ausübung der Jurisdistion zu belassen, jedoch mit der Bestimmung,
dass die Criminal-Jurisdiction auf das Inquisitoriat tibergeht.
d) Nach Abgang des Dom-Dechanten v. Weichs zwar einen neuen
Dechanten mit Vorbehalt E. K. M. Bestätigung wieder zu erwählen, jedoch folgende
Vorrechte desselben schon jezt aufzuheben: als das alternative Collations-Recht
der 17 Vicarien, die anmaasslichen Decanat-Rechte tiber das Stift
St. Johannis und das Collations-Recht von 6 Canonicaten bei demselben.
e) Die Stelle des Dom-Scholasters nach Ableben des p. v. Wrede nicht
wieder zu besetzen, und demselben schon jezt das Recht der Collation einer
Monocolar 1-Präbende beim Johannis-Stift zu nehmen.
f} Es der Allerhöchsten Entscheidung zu überlassen, ob die von dem
l) s. o. 8. 315.
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