Metadata : Die parlamentarische Thätigkeit des Deutschen Reichstages und der Landtage von 1874-1876.

steuer,  je  bess  er  das  Bier,  ihm  ein  logischer  salto  mortale  zu
sein  scheint,  er  hält  aber  für  wünschenswerth  zur  Anbahnung
einer  „Steuerreform“  —  die,  wie  die  Erfahrung  gelehrt,  stets
eine  Steuervermehrung  bedeutet  —  eine  Umformung  und  Erhöhung
  der  Tabaksteuer  für  zweckmäßig.  Es  ist  lächerlich  und
der  reinste  Humbug,  vber.,  wie  Bismarck  sich  ausdrückte,  „politische
  Heuchelei,“  wenn  die  Liberalen  von  Steuerreform  reden
und  damit  sich  den  Anschein  geben,  als  wollten  sie  eine  Ermäßigung
  der  Steuern  und  dabei  doch  die  Ausgabeforderungen  der
Regierung,  mit  ganz  unbedeutenden  Abstrichen,  die  schließlich  hauptsächlich
  nur  des  Scheines  wegen  vorgenommen  werden,  gutheißen.

Wer  das  System  will  und  unterstützt,  muß  auch  konsequent
die  Lasten  wollen,  die  es  auferlegt,  das  ist  so  logisch,  daß  der
Einfältigste  es  begreifen  muß;  und  die  Regierung  hat  von  ihrem
Standpunkte  vollkommen  Recht,  wenn  sie  die  „Opposition“  des
Liberalismus  nur  als  Nörgelei  und  Scheinheiligkeit  behandelt.

Der  Liberalismus  sieht  denn  auch  ein,  daß  er  schließlich  der
Regierung  den  Willen  thun  muß,  und  so  hat  einer  seiner  Hauptführer,
  der  Abg.  Dr.  Lasker,  Mitte  Oktober  dieses  Jahres  in
einer  Wählerversammlung  in  Pößneck  auf  eine  Interpellation
bereits  erklärt:  „daß  er  die  Beseitigung  der  Matrikularumlagen
durch  Einführung  einer  neuen  Stempelsteuer  und  wo,  möglich
auch  einer  neuen  Börsensteuer  fortgesetzt  im  Auge  habe.“  Ween
das  am  „grünen“  Holze  geschieht,  was  soll  da  aus  dem  vielen
dürren  werden

Neue  Steuern,  das  ist  die  QOuintessenz  der  liberalen  Weisheit,
  womit  die  Liberalen  das  Volk  zu  beglücken  glauben.

ie  Social-Demokratie  kann  weder  die  bestehenden  Steuern
noch  eine  neue  Steuer,  und  sei  sie  selbst  eine  Börsensteuer,  gut-Fesken:
  weil  diese  Steuern  einem  System  zu  Gute  kommen  und
für  Zwecke  verwendet  werden,  die  sie  für  verderblich  und  unheilvoll
  ansieht.  „Diesem  System  keinen  Groschen,“  ist  ihre  Parole,
und  sie  läßt  sich  in  ihrer  Opposition  nicht  wie  der  Liberalismus
breitschlagen,  dafür  ist  sie  zu  gut  „reichsfeindlich“  gesinnt.

Und  statt  des  Pfuschwerks  einer  „Steuerreform“  im  Sinne
der  Liberalen  erstrebt  sie  die  gänzliche  Abschaffung  des  gegenwärtigen
  Steuersystems  und  seine  Ersetzung  durch  die  Einführung
einer  progressiven  Einkommen=  und  Vermögenssteuer  zur  Deckung
aller  Staats=  und  Communebedürfnisse,  aewet  diese  nicht  aus
den  eigenen  Vermögenseinnahmen  gedeckt  werden.  Neben  dieser
Umgestaltung  der  Einkommenverhältnisse  des  Staats  will  sie  auch
eine  totale  Umgestaltung  seines  Ausgabebudgets  vornehmen.
Beseitigung  aller  unproduktiven  Ausgaben,  wie  für  das  stehende
Heer  und  für  eine  vielfach  überflüssige  und  schädliche  und  in
ihren  höheren  Spitzen  zu  gut  bezahlte  Beamtenhierarchie.  Ferner