Volltext : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Aummer  728
Besuch  des  Reichskanzlers  in  München.


Der  Reichskanzler  wird  in  den  nächsten  Tagen
  nach  München  reisen,  um  die  Besuche  des
bayerischen  Ministerpräsidenten  Grafen  Hert.
ling  in  Berlin  zu  erwidern.  Der  Kanzler  dürfte
während  seines  Aufenthaltes  auch  von  König
Ludwig  empfangen  werden.  Die  Ankunft  in
München  erfolgt  am  Montag  vormiltag.  Wie
verlautet,  wird  sich  der  Kanzler  auch  nach  Stutt
gart  und  Karlsruhe  begeben.

Vom  Reichstag.

Der  Reichstag  wird  nach  Verabschiedung  der
Sleuergesetze  und  des  Elats,  wie  der  anderen
ihm  vorliegenden  Gesetzentwürfe  Ende  der  nächsien
  Woche  seinen  diesjährigen  Sessioneabschnitt
schließen.  Auch  die  neue  Kreditvorlage  wird  bis
dahin  verabschiedet  sein.  Die  sozialdemokratische
Froktion  wird  für  die  Kreditvorlage,  aber  gegen
den  Etat  stimmen,  letzteres  mit  der  Begründung,
daß  die  von  ihr  nicht  genehmigten  Kriegesleuern
in  den  Etat  hineingearbeitet  werden.  Die  nächite
Tagung  des  Reichslages  dürsle  am  7.  November
  beginnen.  Eine  der  ersten  Vorlagen,  die
ihm  dann  zugehen  wird,  dürfte  ein  Gesetzent
wurf  auf  Verlängerung  der  Legislaturperiode
sjein,  die  im  normalen  Verlaufe  der  Dinge  im
Jannar  1917  abgelaufen  sein  dürfte.

Neue  Kriegssteuern  in  Franklreich.

Der  französische  Finanzminister  wird  in  oiesen
Lagen  der  Kammer  neue  Kriegssieuergesetzent.
würse  vorlegen.  Darumer  wird  sich  eine  neue
Allohol.  Steuer  befinden.  Bei  Annahme  der
Vorlagen  soll  sich  die  jährliche  Mehreinnahme
aus  den  Steuern  auf  900  Millionen  Francs
beziffern.

deutschlands  Vlehbefland.

Nach  den  vorläusigen  Ergebnissen  der  Viehzwischenzählung
  vom  15.  April  betrug  die  Zahl
der  Schweine  an  diesem  Tage  (im  ganzen  Resche)
13,303,500  Stück  gegen  10,569,990  ein  Jahr
vorher,  19,239,  483  am  1.  Ot1.  und  17,293.892
am  1.  Dezember  1915.  Der  Bestand  ist  also
gLegen  den  1.  Dezember  um  23,1  v.  H.  zurück.
Jegangen  (wobei  freilich  nicht  vergessen  werden
darf,  daß  die  Wintermonate  die  Hauptschlacht.
zeit  sind,  die  Abnahme  an  sich  mithin  durchaus
normal  7.  Am  slärksten  ist  die  Verminderung
mirgenteß  bei  den  1„  Jahr  alten  und  über

1  Johr  alten  Tieren  (gegenuber  dem  1.  Dezember
  46.7  und  39.7  v.  H.1  Etwas  weniger,  aber
immerhin  erheblich  (um  21.3  v.  H.)  ist  die
Zabl  der  8  Wochen  bis  1  Zahr  alten  Schweine
berringert,  dagegen  haben  die  unter  8  Wochen
allen  Ferkel  also  das  Aufzuchtmaterial  fur
eine  etwas  spätere  Periode  um  31,.0  v.  H.
Neenommen  (1.  Dezember:  2  312,200.  15.
Aprii  3,700,  460  Stüuck!).  Das  bedeutet,  daß
in  den  nächsten.  Monaten  die  schlachtreifen
Schweine  sehr  knapp  sein  werden,  und  daß
nicht  durch  Wegschlachten  unreiser,  junger  Tiere
die  Hoffnung  auf  eine  bessere  Fleisch  und  Feitversorgung
  im  nächsten  Winter  vereitell  werden
soll.

 

Weniger  angegriffen,  wenn  auch  in  seiner
Zuasmmemetzung  zu  ungunsten  der  unmittelbaren
  gegenwärtigen  Versorgung  verschoben,  ist
unser  Rindviehbestand.  Jnsgesamt  wurden  an
Nindvieh  im  Deutschen  Beriche  am  15.  April
19,873,189  Stück  gezählt.  Das  ist  nur  um
etwas  über  eine  Million  weniger  ale  am  1.
Oktober  1915,  und  um  noch  nicht  zwei  Millionen
  weniger  als  am  1.  Dezember  1914,  zu
einer  Zeit  also,  wo  in  der  Futtermittelversor.
Kung  noch  beinahe  normale  Verhälknisse  herrschlen.
  Gegen  den  1.  Dezember  1915  betrug  der
Rückgang  am  15.  April  nur  2,1  v.  H.  Das
bezieht  sich  freilich  nur  auf  die  Gesamtzahl.  Im
einzelnen  haben  seit  1.  Dezember  die  drei  Monate
  bis  noch  nicht  zwei  Jahre  allen  Jungtiere
um  6.9,  die  Bullen,  Stiere  und  Ochsen  um  3.7,
die  Kühe  um  4  v.  H.  abgenommen;  die  zahl
der  unter  drei  Monate  alten  Kälber  dagegen
ist,  ähnlich  wie  die  Ferkel,  um  31,1  v.  H.  gestiegen.
  Die  Zahl  der  Milchlühe  ist  um  noch
nicht  800,000  kleiner  als  im  Dezember  1914.
Auch  hier  also  eine  starle  Vernhndeeng  der
ichlachtreifen  Klassen,  die  eine  erhebliche  Einschränkung
  der  Schlachtungen  im  Sommer  bedingt,
  wenn  wir  nicht  durch  Schlachten  von
Mil#  ihen  die  Milch-  und  Vuttererzeugung,
durch  Schlachten  von  unreisem  Jungvieh  die
Fleischversorgung  für  den  nächsten  Winter  gejährden
  wollen.

Wir  müssen  also  in  der  nächsten  Zeit  mit
stark  eingeschränkten  Mengen  tierischer  Nährprodukte
  vorlieb  nehmen,  haben  aber  die
Grundiege  des  Wiederaufbaues  unseres  vor
dem  Kriege  so  reichen  Viehstapels  so  gut  wie
uuversehrh  bewahrt.

 

Mänchener  Neussteilen.

München.  26.  Mai.  Die  türkische  Parlamentsabordnung
  wird  am  Sonntag,  den  28.
Mai,  vormittags  halb  10  Uhr,  mit  dem  Regensburger
  Zuge  am  Hauptbahnhof  eintrefsen,
  wo  sie  von  Vertretern  der  Behörden  begrüßt
  wird.  München  wird  ihnen  zu  Ehren  beflaggen.
  -

München,  26.  Mai.  Heute  Nachmittag  brach
in  der  Filiale  der  Hannoverschen  Gummiwarenfabrik
  in  München-  Solln  ein  Großfeuer  aus,
dem  in  wenigen  Stunden  das  ganze  Gebäude
zum  Opfer  fiel.  Die  Enistehungsursache  i#t  noch
nicht  bekannt.  Der  Schaden  ist  bedeutend.  Eine
Gefahr  für  den  in  der  Nähe  befindlichen  Forsten
rieder  Park  konnie  abgewendet  werden.

München.  26.  Mai.  Im  Tierparl  Hella:
brunn  wurde  in  den  letzten  Tagen  der  Tierbestand
  wieder  erheblich  rermehrt.  Geboren  wur
den  ein  Edelhirsch  und  4  Wölfe,  welch  letztere
jedoch  von  der  Mutter  solange  noch  ängjtlich
im  dunklen  Stalle  gehalten  werden,  als  sie
blind  sind.  Außerdem  kamen  1  afrilanischer
Elefant,  1  männliches  Nilpferd  und  1  Kaffern.
büfsel  an.  Der  Elefant  wurde  dem  Tierpark
schon  vor  Jahresfrift  gestistet,  war  aber  wegen
einer  Zahnerkrankung  bisher  nicht  reisefähig.
Die  Erkrankung  iit  jenzt  behoben,  und  das  3jährige,
  sehr  lebhafte  und  drollige  Tier  wird  dem
Publilum  viel  Freude  bereiten.

Baverische  Nachrichlen.

Augsburg,  26.  Mai.  Den  Bezug  von
Heringen  solle  die  Stadl  in  die  Hand  nehmen,
io  laulet  ein  im  Gemeindekollegium  angenom.
mener  Antrag.  Daraufhin  bemerlie  Rechterat
Greiner  in  der  Magistratssitung.  daß  die  Stadt
schon  einmal  Heringe  in  großen  Mengen  bezbg.
dabei  aber  gezwungen  war,  die  Heringe  an  an.
dere  Kommunalverbände  und  an  das  Heer  abzugeben,
  weil  sie  ihr  vom  Publikum  nicht  abgenommen
  wurden.

Regensburg.  26.  Mai.  Der  Grohgrundbesitz
  um  Regensburg  hat  in  schwerer  Kriegszeit
  nicht  versagt,  sondern  seine  Produkte,  besonders
  Kartossel  und  Aieh,  Hafer  usfw.  zur
Volloernährung  und  auch  der  Heeresverwaltung
zur  Verfügung  gestellt  zu  den  niedrigsten  Höchstpreisen,
  wie  sie  1915  feügesetzt  waren.  An  der
Spitge  der  Grohgrundbesitzer  der  Gegend  fleht
der  Fürst  von  Thurn  und  Taris.  Auf  sämtlichen
Gütern,  die  zum  großen  Teil  ain  eigener  Regie
betrieben  werden,  wurden  die  Lebensmitlel  alle
verlauft,  obwohl  cs  vom  Geldstandpunkt  aus
günstiger  gewesen  wäre,  die  wachsenden  Höchst.
preise  abzuwarten.  In  größeren  Städten  ist
die  Milchfrage  von  sozialer  Bedeutung.  Der
Fürst  ließ  durch  seine  Beamten  größere  Sum.
men  anweisen,  damit  das  Schloßgut  Haus  mit
den  beiden  Vorwerken  Höhenberg  zu  einer  Milch
zentrale  umgeschaffen  werden  konnte.  Der  oortige
  Oberverwalter  reiste  zweimal  in  die  Schweiz,
um  nach  langwierigen  Verhandlungen  mit  den
Behörden  60  Stück  prächtige  Milch  und  Zuchtkühe
  nebit  zwei  erstllassigen  Zuchtbullen  in
Schloßhaus  zur  Aufstellung  zu  bringen  „und
zwar  mit  bestem  Erfolg.  Die  Tiere  haben  sich
rasch  akklimatisiert,  da  besonders  Weide  und
Tummelplätze  eingerichtet  wurden.  Sie  geben
seltreiche  Milch  in  großer  Menge,  darunter  Lei
sungen  von  24  Lir.  pro  Tag  und  Tier.  Der
Stadtmagistrat  Regensburg  hat  sich  in  richtiger
Erkenntnio  der  Sachlage  diese  reichfließende
Quelle  versichert  durch  einen  langfristigen  Vertrag
  zum  Nutzen  der  Stadt.  Annähernd  180
Kühe  liefern  läglich  6  700  Liter  Milch,  welche
Menge  durch  Abkalben  der  Kühe  um  das  Doppelte
  gesteigert  wird.  Dadurch  wurde  auch  den
Kommunalbehörden  geholfen,  indem  heimische
Vieh  zum  Verkauf  frei  wurde.  Täglich  erscheinen
Kauflustige  für  Kühe  und  Kälber,  sowie  In
leressenten  für  das  schöne  Schweizervieh.  Um
diesen  Tieren  das  einheimische  Futter  zu  schaf
sen,  wurden  die  ausgedehnten  Felder  in  Schloß.
haus  durch  reichliche  Beschaffung  von  Kunstdun
ger  in  den  richligen  Kulturzustand  gebracht,
um  sowohl  das  nötige  Milchfutter  als  auch  die
der  Allgemeinheit  dienenden  (Getreidemengen  zu
erzielen.  Hierzu  waren  vor  allem  Arbeitskräfte
zu  beschaffen.  Diese  Frage  wurde  gelöst  durch
Navonominchnn  von  weiblichen  Gesängnisträflingen
  aus  Aichach,  welche  vom  Justizministerium
  zur  Verfücung  gestellt  wurden.
ist  dies  unseres  Wissens  der  erste  Fall  in  ganz
Deulschland,  daß  weibliche  Strafgesangene  auf
entsernten  landwirtschaftlichen  Gütern  beschäftigt
  werden.  Es  sind  40  Personen  mit  4  Auf
seherinnen  und  einem  Oberaufseher.  Ihre  Lei
flungen  und  ihre  Führung  sind  höchst  befriedigend.
  Für  ihre  Unterkunft  ist  wie  in  einer
Anstalt  gesorgt  durch  Unterbringung  in  der
Brauerei.  Auch  für  die  Seelsorge  ist  gute  Vorsorge
  getroffen.

Erenzlande.

Kufstein,  26.  Mai.  In  Zündberg  bei
Schwaz  ist  das  Anwesen  des  Boauern  Aicher
einem  Schadenfeuer,  das  vermutlich  von  böswillir
  Hand  gelegt  wurde,  zum  Opfer  gefallen.

Dabei  ist  die  alle  Bäuerin  und  ihre  35jährige
Tochter  in  den  Flammen  umgekommen;  sie  wur- 



 

 

den  als  verkohlte  Leichen  aufgefunden.  Der
Bauer  erlilt  bei  dem  Versuch,  die  Tochter  9
retten,  schwere  Brandwunden.  Der  Fall  ist  umso
tragischer  als  der  Brandleider  nicht  versichert  ist
und  ein  Sohn  im  vorigen  Zahre  einer  ansteckenden
  Krankheil  zum  Opser  siel,  während  sich  der
andere  in  russischer  Gefangenschaft  befindel.

Boyerisches  Oberland.

Halfing,  26.  Mas.  Die  Bramsche  Gastwirtwirtschaft
  hal,  wie  bereits  berichtet,  den  Besiner
  gewechsel!l.  Käufer  ist  der  bisherige  Pächter,
  Herr  Franz  Wagner.  Irrtümlicherweise
war  zuerst  Herr  Brauereibesitzer  Sengmuller
von  Hilfing  als  Käufer  genannt  gewesen.

Hrien,  26.  Mai.  Heirt  Michael  Fritz,  Oekonomiebaumeister
  von  Autemied  (Schwaben)  er  ·
warb  im  Kauiswege  die  Villa  der  Frau  Anna
Müller  in  Westerhausen  am  Chiemsee  samt  allen
GGrunditucken,  sowic  lebendem  und  totem  Invenlar.
  Die  Verlaufsunterhandlungen  leitete  das
Immobilienburo  Ednard  Bachberger,  München
Tal  12.

 

Bad  Aibling,  26.  Mai.  Der  Sekretär  am
Amtsgericht  Waldsaisen.  Amtsanwalt  Herm.
Zagel  wurde  zum  Amtsrichter  am  Amtsgericht
Kronach  beförderl.  zagel  war  früher  Rechtsanwalt
  in  Bad  Aibling.

Högling,  26.  Mai.  Der  led.  Bauerssohn
Seb.  Linner,  Angerberrsohmn  von  hier,  war  mit
Futterarbeit  im  Stadel  geschäftigt.  Als  er  zur
Brotzeit  nicht  nach  Hause  kam,  wurde  nach  ihm
Nachschau  gehalten  und  zum  Schrecken  seiner  Angehörigen
  lag  er  tot  in  der  Stadeltenne.  An
icheinend  iit  Linner  durch  einen  Fehltritt  vom
Strohsad  heruntergefailen,  wobei  die  Schädel
decke  durchschlagen  wurde.  Der  Verunglüdcte  war
32  Jahre  alt  und  hätte  bald  zum  Militär  ein
rücken  mussen.

Wasserburg,  26.
cheleute  Hangl  von

Mai.  Die  Oelonomens-Sleingrub
  bei  Ramsau  sehen

in  diesen  Tagen  ihren  siebenten  Sohn  zum
Heeresdienste  eintreten.  Von  diesen  sieben
Söhnen  ist  einer  schon  auf  dem  Felde  der

Ehre  gefallen.

Cokolnachrichlen.
Rosenheim,  27.  Mai.

Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen.
Ludwig  Hacker  aus  Rosenheim,  Landsturmmann
im  2od4.  Res.  Juf.-Reg.:  Georg  Oberstarr.
Bauerssohn  aus  JFurth,  Pf.  Flossing,  Soldat
im  12.  Rei.  Juf.-Neg.

Auszeichnungen  im
der  Landüurm  Fußarlillerie
meister  Emeran  Legeth  aus  Bad  Aibling  erhielr
das  Militärverdienükreuz  2.  Klasse  mit  der
Krone  und  mit  Schwertern.  Mit  dem  Eisernen
Kreuz  wurden  der  im  1.  Res.  Feldart.  Rgt.  ilehende
  Kanonier  Georg  Frick  aus  Bad  AMibling

 

Felde.  Der  im
itehende  Wafsen--und

  der  Infanterist  Leonbard  Gollreiler.  Mule
und  Säywerlsbesitzers  sohn  aus  Innerthann,

ausgezeichnet.  Dem  Krankenpfleger  Peter  Walch
aus  Heufeld  wurde  das  Sanitälsverdienukreuz
für  freiwillige  Krankenpflege  und  dem  Kom.
paniefeldwebel  Hans  Rosenstock  aus  Bruäkmühl,
zurzeit  im  Eronbgtgitto.  des  2.  Landwehr-Inf.
  Rgls,  in  Landshut,  das  König  Ludwig-Kreuz
  verlieben.

Tagesfleischlarten.  Es  ist  wiederholt
vorgelkommen,  daß  auf  die  von  Kommunalverbänden
  ausgestellten  Tagesfleischlarten  auswärts
  Fleisch  nicht  abgegeben  wurde,  mit  der
Begründung,  daß  deren  Guliigtein  auf  den
Bezirk  des  rbandes
beichränkt  sei.  D  ies  trifft  Ii  zu.  Tagesfleisch
karten  sind  Landeskarten  und  haben  daher  auch
im  ganzen  Lande  Gültigkeit.

Die  Sonntagsrube  soll  bekanntlich  in
Rosenheim  neu  geregelt  werden.  Auf  Antrag
einer  Reihe  von  Geschafteinhabern  hat  der  Ma.
gistrat  lürzlich  beschlossen,  den  Ladenschluß  an
Sonn  und  Feiertagen  auf  2  Uhr  nachmitlags
festzusezen.  Aehnliche  Betrebungen  sind  auch
anderwärts  im  Gange.  Wie  man  uns  aus
Miesbach  berichtet,  baben  dort  die  Geschafisinhaber
  nach  einer  Umfrage  beschloisen,  an  das
Kgl.  Bezirlsamt  das  Ersuchen  zu  stellen,  es  moge
die  Verkaufszeit  in  der  Weise  geregell  werden,
daß  an  Sonn  und  Feiertagen  der  Laden  um
2  Uhr  und  an  den  Werktagen  um  8  Uhr  abends
geschlossen  werden  muß.  Von  81  Lodeninhabern
erllärten  sich  27  für  1  Uhr.  17  für  2  Uhr,
für  3  und  3  für  4.  Uhr-  Schluß.  Bies  die  endgultige
  Regelung  erfolgt,  hat  ein  großer  Teil  der
Ceschäftsinhaber  besch  lossen,  vorerst  freiwillig  un
Sonn  u.  Feiertagen  um  2  Uhr  zu  schließen.  Auch
die  Bäderinnung  in  Kempten  im  Allgän  hat
einen  jrüheren  Geschäftsschluß  an  Sonntagen
eingeführt.  Sie  gibt  in  den  dortigen  Blättern
bekannt,  „daß  während  der  Sommermonate  an
Sonn-  und  Feiertagen  die  Läden  um  1  Uhr
geschlossen  werden“.

Entwichene  (Hefangene.  Die  drei  ruf
sischen  Kriegsgesangenen  Sachwonowm  Feodor
(32  Jahre  all.  1.74  Meter  groß,  braune  Augen,
dunselblonde  Haare,  schwarzer  Stoppelbart,
spricht  nur  russisch,  an  der  Oberlippe  Warze
und  an  der  rechten  Backe  Narbe,  Ziviljoppe
und  Hut),  Wilintschenlo  Wassili  (32  Jahre  alt,

 

 

Sonntäg,  28.  Mai  1916

1.74  Meter  groß,  graue  Augen,  schwarze  Haarc,
blonder  Bart,  soricht  nur  russisch,  grüner  Hut
und  graue  Gefangenenkleidung)  und  Fomin
Iwan  (34  Jahre  alt,  1.60  Meter  grob,  graue
Augen,  schwarze  Haare,  dunkelblonder  Schnurr.
bart,  spricht  nur  rufsisch,  Warzen  an  beiden
Händen,  blaue  Gesangenenkleidung,  Zivilhut,
sind  in  der  Nacht  vom  25.  auf  20.  Mai  vom
Arbeitskommando  Neukirchen,  h  Nosenheim,
entfloen.  Sie  wären  im  OCefangenenlager
Puchheim  einzuliefern.

Das  Telegrammin  denneuen  Po
abgaben.  Bei  den  Telegrammen  war  bir
ber  50  Pig.  der  Mindestsatz;  ob  man  fünf  oder
„ehn  Worte  telegraphierte,  war  gleich.  Zehrt
beträgt  der  Mindestsatz  600  Pfg.,  aber  nich!
mehr  für  10  Worte,  sondern  nur  noch  für  fund
Worte.  Ein  Telegramm,  das  früher  uner  Aunützung
  der  erlaubten  Wortzahl  50)  Pig.  t10
flete,  wird  also  jent  7  Pig.  komen.

Der  Welltkrieg.

Unsere  neuce  Linie  bei
Berlin,  27.  Mai.
ler  des  „  Foene
sien  Hauptquartier.  Im
ilt  es  uns  im  Abschnitte  von  Douaumont  ge
lungen,  die  Stellungen  am  Steinbruch  zu  er
weitern  und  südlich  des  Forle  Douaumont  selb
abermals  um  4½0  Meter  voriugeben.
find  uniere  Gegner  an  einigen  Stellen  ube#r
jene  Aueogangsflellungen  zuruckgedrangt  wor:
den,  die  sie  vor  dem  Einsetzen  der  Angriffe  à#
21.  Mai  inne  hatten.  lu#iere  neue  Linie  zielr
sich  jetzt  am  Sudhange  des  Pfefferrudena  nt
lang  zu  ciner  erweiterien  wentlichen  Aurbur
lung  am  Sleinbruch,  gebl  weiler  indonllich  dure#-den
  Ablainwalo,  verlaßt  diesen  durch  seine
ostlichlen  Zipfel,  um  dann  durch  das  Kampe'
gelände  der  Thimumontierme,  die  die  Franzoe-Dalten,
  zu  gehen,  ichneidet  in  der  Höhe  der
Ferme  die  ehemalige  große  Zufahrtestraße  nac
Douaumont.  nieht  dann  scharf  oitlich  weiter
durch  den  Caileltewald.  dessen  nordliches  Drei
eck  wir  behaurten,  wendel  sich  bald  nach  dern
Auotritt  aus  dem  Wald  sudlich  zum  westlicher
Ausgang  der  Vaurschluck!.

 

Douaumoul.
Der  Kriegeberichteritat
melbdet  aus  bem  (Oro

Lause  der  Kampie

—
Dale#-(J.)


Die  Kampfe  um  Verdun.

Budapest.  27.  Mai.  Der  Spczialkorreipon
dent  des  „Eiti  lUssag“  in  Bern  hatte  eine  Un
terredung  mit  einem  hohen  neutralen  Militar,
der  sich  über  die  Kämpfe  vor  VBerdun  u.  1.
aussprach:  Die  Deutschen  haben  Verdun  he
reits  im  Halbkreis  umzingelt  und  überschuilen
jeden  Schritt  feindlichen  Bodens  mit  (bescho'
sen.  Bei  Verdun  #tehen  nabezu  eine  Miliie:
jeindlicher  Soldaien.  weil  die  franzo'i½s
Heeresieitung  den  ürilien  Befehl  auesgegeben
hat.  Verdun  um  jeden  Preis  zu  ballen.  Dic
grose  Verwustung  und  die  furchtbaren  Meischenopier,
  die  die  deutichen  Geschutze  verur
sachen,  sind  geradezu  erschutternd.  Die  iran
zosischen  Geschune  haben  nicht  die  Tragkrait.
daß  sie  am  Ende  des  ausgebuchten  Halbireises
die  unbeilvollen  deutichen  Geschüße  erreiche
hönnen.  Das  in  die  Ursache,  warum  die  Deut
schen  die  Belagerung  Verduns  nicht  auflassen.
Deulichland  verliert  dort  kaum  an  Leutien.  urm:
dererseils  konnen  die  Franzosen  nich!  bi-Unendliche
  Reserven  herantiehen.  (.).,

   

—  #—

Gallieni  im  Sterben.

(Genf.,  27.  Mai.  In  dem  Befinden  der
erst  vor  kurzem  zum  zmeiten  Male  operierlei:
ehemaligen  franzosischen  Kriegsministers  Gal
lieni  in  eine  weitere  Verichlimmerung  einge
treten.  General  Gallieni  liegt  angeblich  ien
Slerben.  Seine  Familic  wurde  an  das  Sierbe
lager  gerufen.  (.#.)

Der  „Temps'“uber  die  Kricgslage.

Paris.  27.  Mai.  Der  „Tempe“
seine  heutige  Militarkrilil  gan
Erfolgen  bei  Verdun  und  in  Tirol  und  sinder:
auf  die  Frage.  wie  sie  moglich  gewesen  seien,
nur  die  Antwort:  Die  Truppenverschiebungen
find  er,  welche  die  Stärte  unserer  Geqner  au--machen.
  Umer  Mißerfolg  bei  Verdun  ist  schr
bedauerlich:  man  braust  ihm  indessen  niät
mehr  Folgen  beizumesien,  als  er  nach  sich  zielll.
Bei  allen  Angriffen  erleidet  der  Gegner  chwere

widme:
den  jeindliche'n

Verlusic.  die  er  nicht  unbegrenzt  gul  macken
lann.  Uniere  Haltung  kommt  une  auch  sfehr
teuer.  Man  darf  fragen.  ob  nicht  eine  andere

Kampfart  uns  meniger  teuer  zu  stehen  kommen
würde.  Weiter  befaßt  sich  der  Kritiker  mit  dem
unaufhaltsamen  Vordringen  der  Oesterreicher
und  schließt  mit  einem  Vergleiche:  Unsere
Feinde  bilden  in  Wirklichkeil  nur  ein  Heer:
unser  Minifterprasident  sagie  dasseibe  auch  von
den  Alli#erten,  aber  haben  die  Alli#erten  an
irgendeinem  Punkt  der  Front  ein  paar  Hundertlausend
  Mamm,  die  dort  gewiß  nützlich  ind,