thumbs : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

795  stellen.

27,  30;  in  erweiterter  Fügung:  netze,  fallen  nach
einem  tiere  stellen,  auch  hier  mit  unterdrücktem  Obj.:
nach  vögeln.  wilde  stellen,  vgl.  nachstellen;  frei:  die
(Feinde)  stalten  alle  üf  sinen  tõt  Edelst.  100,  53;  stellet
einer  dem  andern  nach  dem  leben  Spr.  Sal.  1,  18,  —
einem  ein  bein  stellen,  vgl.  dazu  bein  2:  des  teufel  ehrgeiz
  stellt  mir  da  ein  bein  Heyse  10,  133.  3)  stellen,
mit  Verblassung  des  lebendigen  Sinnes,  in  den  Begriff
des  bloßen  Anordnens,  Einrichtens,  Bewirkens  übergebend,
  a)  mit  dem  Obj.  eines  Gegenstandes,  in  mannizsachen
  Wendungen:  2iel.  grenze,  termin:;  wer  bat  alle
ende  der  welt  gestellet?  Spr.  Sal.  30,  4;  daselbs  stellet
er  jnen  ein  gesetze  und  ein  recht  2.  Mos.  15,  25;  probe,
die  der  inneren  lcbenskraft  dieses  welttheils  gestellt
ward  Häusser  d.  Gesch.  3,  117;  wenn  ich  mir  also
die  wahl  stellen  muszte  .  Bismarck  Red.  6,  182;
aufgaben,  die  er  sich  gestellt  hat  194;  die  anspruche,
welche  die  erzählung  stellt  Freytag  Erinn.  298;
einen  antrsg,  eine  stellvertretung,  burgschaft  stellen;
eine  scchsmol  stärkere  zahl  zu  stellen  Keller  Seldw.
1,  196;  ein  zengnis,  das  ihm  der  prior  gestellt
Goethe  Rein.  F.  1;  bitten,  fragen  stellen;  seine  worte
zu  stellen  wissen;  wic  (soll  ich)  die  worte  kluglich
stellen  Schiller  M.  Stuark  3,  4;  in  älterer  Spr.
weiter  greisend  (nr.  klage,  wunder,  jämer  stellen
u.  s.  w.),  lange  geblieben  von  schristlichen  Leistungen:
briele  stellen,  vgl.  briefsteller;  der  sclb  prediger
stellet  riel  sprüche  Pred.  Sal.  12,  9;  zu  stellen  die
rede  von  den  geschichten  Luc.  1,  1;  ein  bawr  begert
an  einen  advocaten,  das  er  jhm  eine  sehrift  stellen
solte  Zinkgref  1,  342,  vgl.  dazu  unter  sehriftsteller;
jetzt  etwa  noch  dauernd  in  cinem  rechnung  stellen;  —
in  erweiterter  Fügung:  etwas  in  eines  belieben,  ermessen,
  etwas  einem  anheim  stellen;  er  stellte  es  in
frage,  in  zweilel:;  in  rechnung  stellen;  in  ratschlag
stellen  Luther  2,  5“;  weil  ihm  noch  andere  seltenheiten
  in  aussicht  gestellt  seien  Freytag  Handschr.
1,  372;  wer  möchte  in  abrede  stellen,  dasz  ganz  Europa
unter  dem  druck  eines  bewaffneten  friedens  seufzt!
Moltke  7,  125;  einem  etwas  vor  augen,  zur  verfugung
stellen;  ich  möchte  zur  erwägung  stellen,  ob  ..  Bismarck
  Red.  1,  187;  seinen  sinn  auf  reichtum  stellen;
auf  gott  sein  thun  zu  stellen  Königsb.  Dicht.  122;
ich  hab  mein  sach  auf  nichts  gestellt  Goethe  Vanitas;
die  räumung  des  landes,  auf  die  alle  reorganisation
gestellt  war  Häusser  d.  Gesch.  3,  130;  eine  sache  vor,
über,  unter  eine  andre,  hoch,  niedrig  stellen  (in  Nang,
Beurteilung);  etwas  fest,  bereit,  einem  etwas  frei  stellen;
da  sie  (die  dramatische  Tetn  uns  ihre  welt  gleiehsam
  gegenwürtig  stellt  Schiller  Ränb.,  1.  Vorrede;
u.  s.  w.  b)  ähnlich  mit  persönlichem  Obj.,  =  gewähren
in  sesier  geordneter  Weise,  herschaffen:  stelle  einen  wechter,
  der  da  schaw  Jes.  21,  6;  stellvertreter,  zeugen,
hurgen  (Hagedorn  Freundschaft  109),  käufer  (Möser
Phant.  3,  307),  mannschaft,  soldeten  stellen;  auch
machte  man  aus,  dasz  die  mannsehaft  selbst  gestellt,
nicht  geld  dafur  crlegt  wurde  Ranke  Werke  1,  320;
nur  die  Russen  hatten  keinen  der  oberfeldherren
gestellt  Häusser  d.  Gesch.  4,  211;  ieh  stell  euch  euren
sohn  (bringe  ihn  euch  wieder)  Grillparzer  7,  19;  mit
näheren  Bestimmungen:  einen  verbrecher  dem  gericht,
freiwillige  zum  kampl  (Häusser  d.  Gesch.  1,  252)
stellen;  er  stellet  die  pricster  in  jrer  ordenung  zu  jrem
ampt  2.  Chron.  3,  14;  einen  zor  rede  stellen,  vgl.  dazu
unter  rede  1;  sinnlichei  noch  cinen  vor  gericht,  als
Angellagten,  Zeugen;  frei;  könnt  ich  ihn  nur  vor
gerichie  stelleu,  diesen  ton!  Lessing  Gal.  3,  2;  was
hillt  mir  uberzeugung,  die  ich  nicht  auch  vor  gericht
zu  stellen  wogen  darf?  Schlller  5,  135;  einen  an  die
spitze  (Moltke  1,  121),  auf  die  probe  (vgl.  probo  1)
stellen  u.  s.  w.;  personen,  lebensfroh  und  nur  aufs
wirkliche  gestellt  Goethe  DTuW.  1;  ganz  auf  sich

siellen.  791

sclbst  gestellt  5;  einen  zufrieden  slellen;  Fides  fulilte
Sich  keincswegs  zufrieden  gestellt  Keller  Weike  6,  71;
der  mann  ist  gut,  schlecht  gestellt  (in  seinem  Auskommen),
  oberdeutsch  einen  im  amto  still  stellen,  beulscher
  Ausdruck  für  suspendieren,  u.  a.;  in  Bezug  auf
Rang:  so  hoch  gestellt  ist  keiner  auf  der  erde  Schiller
Wallenst.  Tod  J.  8.  M  reslexives  stellen,  ebenfalls  in
mannigsachster  Anwendung.  a)  von  Personen,  neben
eigentlicher  und  siunlicher  auch  in  bildlicher  und  verblaßterer
  Bed.:  sich  zum  kampfe,  wettstreit,  zum
ofizierexamen  (Moltke  5,  116),  vor  gericht,  dem  gericht
  (Goethe  Tasso  4,  4),  zu  rechte  (Rein.  F.  9),  vor
den  richterstuh!  der  ehre  (Iffland  Spieler  2,  13),
ins  gefüngnis  (Nanke  Päßste  1,  300)  stellen;  vor  den
wissenden  sich  stellen  (zur  Beurkeilung)  Goethe  Div.
4,  20;  (möge  er)  mit  der  braut  ver  euch,  am  altare,
sich  stellen  zur  Trauung)  Herm.  u.  Dor.  1;  sieh  zur
aushebung,  zum  militür  stellen  mussen;  sich  auf  eigenc
fusze  (vgl.  fosz  1),  sich  auf  die  binterbeine  stellen
(sich  widersetzen);  ohne  nähere  Bestimmung,  sich  stellen
in  mehrsachem  Sinne;  vor  dem  NRichter:  werd  ich.
nach  hof  citirt.  ich  stelle  mich  Schiller  Räub.  3,2;
zum  Kampfe:  die  Franken  stehn,  sie  stelleu  sich  aufs
neu  Jungfr.  5,  12;  das  schwein,  ein  gewaltiger  keiler
hotte  sich  gestellt  Moltke  6,  49;  zur  Aushebung:
stellen  musz  ich  mieh  Nosegger  Waldheim.  2,  185;
mit  bestimmendem  prädicativem  Adj.:  eich  hoch,  niedriz
stellen;  stellt  sie  sich  dem  schöpfer  gleieh  Schiller
Punschlied;  so  stellen  sie  sich  allemal  feindselig  gegen
mich  Isfland  Reise  nach  d.  Stadt  1,  1;  sich  0
viel  möglich  dagegen  sicher  zu  stellen  Nanke  Werke
1,  271;  weiter  (als  zum  Ernähren)  bringt  es  kein
mensch,  stell  er  sich,  wie  er  auch  will  Gocthe  venez.
Epigr.  10;  sich  friedlich  mit  dem  alten  herru  des  landes
(Freytag  Bild.  1,  127),  zu  seiner  umgebung  vertraulich
  (d10),  mit  fursten  richtig  (135),  sich  mit  einem
schlecht,  gut  stellen;  dafür  auch:  er  weisz  sich  mit
ihm  nieht  zu  stellen;  —  sich  stellen,  mit  Adjectiven
des  Empfindens  und  der  Gesinnung,  —  sich  zeigen,
erscheinen:  vrouwe,  sich,  wie  schone  ich  wich  stelle,
swenne  ich  gedenko  an  dich  Minnef.  2,  975;  sie  (die
Liebe)  stellet  sich  nicht  ungeberdig  1.  Cor.  13,  5;  weil
er  sich  so  freundlich  stellt  Garg.  92;  grinst’  er  mich
an  und  stellte  sich  grämlich  Goethe  Rein.  F.  4;  sie
stellten  sich  wie  die  armen  sunder  Schiller  Fiesko
2,  4;  er  stellt  sich  ungeschiekt;  mit  dem  Beisinn  der
Falschheit,  des  Heuchelns:  der  feind  .  .stellet  sich
kreundlich  Sir.  12,  15  „sich  nürrisch  (Ziunkgref  1,  389),
krank  (Rabener  3,  172),  kolt  und  höhnisch  (Lessing
Minna  5,  5),  unwillig  |5  reytag  Bild.  1,  322),  dumm
(Bismarck  Red.  10,  17)  stellen;  als  er  gefragt  wurd,
warumb  er  sich  wie  einen  narren  stellete  Zinkgref
1,  399;  neuer  auch  mit  Nom.:  er  stellt  sich  wic  ein
narr;  sie  stellte  sich,  als  wenn  sie  betrubt  sei;  dafür:
die  ..  sich  stellen,  ob  sie  sich  dadurch  betrugen
lieszen  Wieland  Idr.  4,  50;  die  sehöno  stellte  sich
sio  sche  nichts  Musar.  1,  546;  auch  absolut  für  verstellen
  (s.  d.):  ich  soll  mich  stellen  Lessing  Natb.
3,  I.  b)  von  Gegenständen,  ebenfalls  mehrfältig:  die
sache  stellt  sich  lolgendermaszen  (zeigt  sich  so);  die
angelegenheit  stellt  sich  gunstig,  schlecht,  schlimm:
fursten,  in  denen  hochsinnige  kraft  und  kniserlicher
stolz  sich  am  verhüngnisvollsten  zu  italienischer  klugbeit
  stellen  Freytag  Bild.  1,  137;  bei  Preis,  Wert,
Kosien:  die  sache,  der  aufwand  stellt  sich  auf  cino
hohe  summe;  mit  belebterer  Bed.:  o  dos:  die  edelste
der  thaten  sich  hier  sichtbar  vor  mich  stellte  Gocthe
Tasso  2,  2;  ohne  Ortsbestimmung:  mein  schnell  verrauschend
  bild  stellt  sich  dirs  nicht  einmal?  Jägers
Abendlied.  5)  Das  Part.  der  Vergangenheit,  in  alter
Spr.  teils  als  gestellct,  teils  umlautlos  als  gertalt,
in  die  Bed.  des  Angeorducten,  Beschaffenen  über