Freigeister, hatten zur großen Revolution geführt, die nicht nur
den Bestand der katholischen Kirche, sondern des gesamten
Christentums in Frage zu stellen schien, und überall, auch
in Deutschland (Emser Kongreß 1786)?°) und Österreich (Josef Il.)
war das Bestreben zutage getreten, anstelle des Papal- das
Episcopalsystem zu setzen, das bedeutet, über den Papst als
höchste Autorität ein Konzil zu stellen. Rom war 1798 Republik
geworden. *)
Nun war zwar gerade, bevor Humboldis Tätigkeit begann
im Jahre 1801 zwischen den damaligen Papste Pius Vili. und
Napoleon der Friede in der gewöhnlichen Form eines Konkordats
*1) geschlossen worden, aber, das wußte man besonders in
Rom genau und befürchtete es mit Grund, der geschlossene
Friede war faul, denn Napoleon ist nie der Kirche hold gewesen. #2)
„Frankreich blieb der gefürchtete und zugleich gehaßte Feind
und so wurde Humboldt als Vertreter einer Frankreich und dem
Umsturz feindlichen Macht doppelt warm empfangen;“ #) hierzu
denke man sich die Persönlichkeit Humboldts als die eines Gelehrten
von Weltruf und neben ihm seinen Bruder Alexander
der 1805 in Rom weilte, #) und es wird nicht schwer fallen, zu
glauben, daß das Haus des preußischen Gesandten der Mittelpunkt
einer glänzenden Geselischaft wurde; es ist dann auch
nicht verwunderlich, daß Humboldt im Jahre 1806, nachdem er
die Vertretung von Hessen-Darmstadt und des neugeschafienen
Fürstentums Fulda mit übernommen hatte, 4) auf sein dahingehendes
Gesuch zum bevollmächtigten Minister ernannt wurde,
ein Akt, der besonders darum allgemeines Interesse verdient,
89) Vgl. Nielsen, S. 19 u. Mirbt, Geschichte 8. 15 ff,
#0) Während dieser republikanischen Zeit hatte der preuß. Gesandte, damals
Uhden, gleich den anderen fremden Gesandten Rom verlassen müssen und konnte
erst 1799 zurückkehren. Vgl. Granier VIII. Seite 16.
41) vgl. hierzu Nielsen, Seite 92 ff.
42) Nielsen, S. 85, 128 ff u. 165 ff.
4, v, Sydow, S. 33.
4) v. Sydow, S, 54.
%#) Mejer, Bd. I, S. 430, Anm, 2,
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