206 Das System der Gemeindebesteuerung in Elsaß-Lothringen.
zahl um 11,1 /%/%. Eine ganz bedeutende Steigerung des Oktrois ist infolge
der regen Bautätigkeit beim Oktroi auf Baumaterial zu verzeichnen,
nämlich 29,1 %, die der Bauherr natürlich durch die Mieten wieder einzubringen
sucht.
Innerhalb der Gruppe II Eßwaren sind wir auch in der Lage, eine
lehrreiche Gegenüberstellung zu machen, indem wir das Jahr 1905 und
das Jahr 1904 mit den Erträgnissen des Jahres 1900 vergleichen. 1905
trat die Fleischteuerung und die Fleischnot auf. Aus der Prozentberechnung
der verschiedenen Zunahme der Oktroi-Einnahmen in diesen beiden Jahren
gegenüber 1900 ist ersichtlich, wie das Volk im Jahre 1905 sich vom
Fleischkonsum ab und dem Konsum von Wild, Geflügel und Fischen zuwandte.
Die Steigerung gestaltete sich in den einzelnen Unterabteilungen
der Eßwaren folgendermaßen:
1904 1905
A. Lebendes Vieh 4)04% 1,9 % mehr als 1900
B. Fleischviertel, zerstücktes Fleisch usw.,
Rauchfleisch, Wurstwaren 1,0% 24,38 %% „ „
C. Wildpret und Geflfülel 18,3 % 30,8 % „ „ „
D. Verschiedene Eßwaren, Seefische, Konserven,
getrocknetes Obst usw. . 49,7 % 67,0 % „ „ „
E. Ausrufmartttt 47,7% 18,6 % „ „ „
Infolge des Fehlens von schlachtreifem Vieh wurde viel geschlachtetes
Vieh in Vierteln eingeführt.
Auch aus diesen Zahlen geht deutlich hervor, daß in der Höhe der
Oktroi-Einnahme der Stand der wirtschaftlichen Konjunktur einer Bevölkerung
in einem bestimmten Jahre zum Ausdruck gebracht und daß dadurch
gezeigt wird, wie empfindlich genau das Oktroi Wohl und Wehe
der Gesamtheit registriert. Zu diesem inneren Grund der Unbeliebtheit
des Oktrois, welcher solange besteht, als Gegenstände des allgemeinen
Lebensunterhalts besteuert werden, wodurch jeder Konsument herangezogen
wird, gesellt sich ein weiterer Nachteil, der mehr äußerer Natur ist und
der Entwickelung des Verkehrslebens sehr hinderlich in den Weg tritt, die
Art der Erhebung. Alle Tore der Stadt und auch schon draußen die in
das Weichbild der Stadt einmündenden großen Straßen des Vorortgebietes
sind von Oktroibeamten ständig bewacht, die alle nach der Stadt
kommenden Personen und Fuhrwerke einer Kontrolle daraufhin unterziehen,
ob sie oktroipflichtige Gegenstände mit sich führen. Es ist selbstverständlich,
daß zu gewissen Zeiten eine laxe Handhabung der Bestimmungen eintreten
muß, daß nun nicht jedermann visitiert wird, der z. B. am Sonntag die