86 Die Reformation.
Der Ablabhendel
Nach elner Zeichnung von L Solbein b. j. 1497—154 8) in Hols geschnitten n 1 Lühelburger (# 1826).
dem Exemplar im Museum zu Basel. Fragmen
ausgeschriebenen Ablaß betrieben, bot bekanntlich Luther die Veranlassung, am
31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg anzuschlagen.
Joachim aber gewährte dem Dominikaner in seinen Landen Schutz, und die
Professoren seiner Universität Frankfurt traten ebenfalls für Tetzel und gegen
Luther auf, während die Unterthanen schon jetzt vielfach für Luther Partei er-1621
griffen. Auf dem berühmten Reichstage zu Worms 1521 war Joachim einer der
entschiedensten Gegner Luthers, und die Kurie that alles, um einen Fürsten festzuhalten,
der zu seinem Auftreten doch nicht durch gelegenkiche Gunstbeweise der
ie, sondern durch die Macht der ihm nun einmal inne wohnenden, religiösen
und politischen Urerzengung bestimmt war. Auch persönliche Unterredungen
zwischen Luther und Joachim verstärkten eher den Gegensatz, als daß sie ihn
milderten. Joachim ließ Bann und Acht, die über Luther ausgesprochen, in der
Mark verkündigen, verbot die Verbreitung der lutherischen Bibelübersetzung, weil
sie zu „merklicher Uneinigkeit christlich Glaubens und zu mancherley Aufruhr
führen müsse", wie Joachim, seine Stellung scharf bezeichnend, sich ausdrückte.
Freilich brach damals in vielen Teilen Deutschlands ein lange drohender
Sturm los. Neben den Schwärmgeistern, den Wiedertäufern, auch den um die
Herrschaft kämpfenden Bürgern im Norden Deutschlands erhoben sich nämlich die
Bauern, Luthers Lehre von der Freiheit des Christenmenschen völlig mißdeutend,
in gewaltigster Empörung gegen ihre Herren; aber an den Felsen des Joachimischen
Staates schlugen diese Wogen vergeblich an. In der Mark wußte der Bauer,
daß der Landesherr für ihn sorgte und so stand er von blutiger Empörung ab.
Dagegen mußte Joachim es erleben, daß sein Vetter, Markgraf Georg, in
Franken die Reformation einführte, daß dessen Bruder Albrecht, der Hochmeister des
1625 deutschen Ordens, seinen geistlichen Ritterstand (1525) aufgab, seine geistliche Herrschaft
in ein weltliches, von der Krone Polen zu Lehen gehendes Herzogtum verwandelte.
Das konnte er freilich nicht ahnen, daß Albrecht damit das Ordensland für Deutschland
gerettet, für Brandenburg einen der bedeutsamsten Schritte gethan. Zeit-