Full text : Geschichte des Preußischen Staates

weise  mußte  Joachim  selbst  von
seinem  Bruder,  dem  Kardinal
Albrecht,  den  Ubertritt  zu  Luthers
Lehre,  die  Verweltlichung  des  kurmainzischen
  Erzbistums  fürchten,
und,  was  weit  tiefer  ihn  noch
verletzte,  auch  seine  Kinder,  namentlich
  aber  seine  Gemahlin,
Elisabeth,  neigten  sich  der  Lehre
Luthers  zu.  Die  entschiedenen
Maßregeln,  die  er  gegen  sie  ergriff,
  führten  endlich  dazu,  daß
die  Kurfürstin  aus  Berlin  flüchtete
und  in  Sachsen  ein  Asyl  suchte
und  fand,  in  dem  sie  dem  Zorne
des  Gemahls  entrückt  war.  Zudem
  war  der  Kaiser  damals  gar
nicht  in  der  Lage,  gegen  die
Protestanten  volle  Gewalt  zu
gebrauchen,  da  seine  Kämpfe  mit
Frankreich,  mit  dem  Papst  und
den  Türken  ihn  nötigten,  die
Ketzer  bei  gutem  Willen  zu  erhalten,
  und  mehrere  Reichstagsbeschlüsse,
  besonders  zu  Speier
1526  und  1529,  daher  ihnen
günstig  lauteten.

Auch  ein  Bündnis,  das
Joachim  mit  katholischen  Fürsten
in  Dessau  zur  Aufrechterhaltung
der  alten  Lehre  und  Ordnung
schlob,  hatte  zunächst  nur  die
Wirkung,  ein  gleiches  Bündnis
der  lutherischen  Fürsten  in  Torgau
hervorzurufen.  Aber  der  Gegensatz
  zwischen  den  beiden  Religions.
parteien  war  so  machtvoll  geworden,

  daß  der  allgemeine  Kampf
in  Deutschland  nicht  mehr  zu  vermeiden

  schien.  Ein  Einfall  des
Ritters  Nickel  Minckwitz  in  das
Bistum  Lebus,  dessen  Bischof  mit

Strenge  gegen  die  lutherisch  Ge

sinnten  eingeschritten  war,  ließ
Trübes  genug  ahnen.  Und  fort.
während  mehrten  sich  im  eigenen
Lande  die  Anzeichen  von  dem

Die  Reformation.

Luther  vor  dem  Kaiser  und  den  Kurfürsten  auf  dem  Reichstage  zu  Worms  1521.

 

Kuplerslichvon  Hans  Sebald  Beham  (1500—1550).