Full text : Geschichte des Preußischen Staates

Osterreich  und  Brandenburg.  —  Kampf  gegen  Schweden.  157.

Doch  dieser  Mahnruf  hatte  wenig  Erfolg.  Vielmehr  schloß  sich  eine  große
Anzahl  deutscher  Fürsten  eng  an  Frankreich  an,  einigte  sich  (14.  August  1658)
in  dem  sogenannten  rheinischen  Bunde  und  schloß  von  dem  Schutz,  den  man
sich  gegenseitig  zusagte,  die  brandenburgischen  Länder  nicht  nur  ausdrücklich  aus,
sondern  man  verpflichtete  sich  sogar,  den  Schweden  Hilfe  zu  leisten,  wenn  etwa
neben  Polen  auch  Brandenburg  sie  in  den  dem  deutschen  Reiche  entrissenen  Herzogtümern
  Bremen  und  Verden  angreifen  sollte.  Mit  Eifer  hatten  viele  dieser  Fürsten
schon  vorher  die  von  Frankreich  und  Schweden  empfohlene  Wahl  eines  deutschen
Kaisers  aus  einem  anderen  als  dem  habsburgischen  Hause  betrieben,  die  Deutschland
zum  Tummelplatz  der  Rivalität  zwischen  Frankreich-Schweden  und  Osterreich-Spanien
machte.  Drei  Kurfürsten  waren  für  die  österreichische  Wahl,  drei  dagegen.
Osterreich  mußte  also  Brandenburg  gewinnen,  und  Karl  Gustavs  Vordringen
bis  an  seine  Grenzen  hatte  überdem  das  Erzhaus  darüber  belehren  können,  welche
Bedentung  die  Mark  für  seine  gienen  Länder  habe,  daß  ihm  Schweden  so  feindlich
  wie  Frankreich  sei.  Und  da  auch  der  Kurfürst  den  Anschluß  an  Osterreich
suchte  und  die  bitteren  Erfahrungen,  die  er  namentlich  bei  der  letzten  Kaiserwahl
gemacht,  hintansetzte,  um  den  Einfluß  der  fremden  Kronen  im  Reich  nicht  noch
mächtiger  werden  zu  lassen,  so  schloß  er  mit  Osterreich  jezt  ein  Verteidigungs-Bündnis
  und  setzte,  trotzdem  es  mit  der  nach  diesem  Bunde  zu  leistenden
Hilfe  zögerte  und  wegen  der  brandenburgischen  Ansprüche  in  Schlesien  nur
widerwillig  halbe  Zusicherungen  gab,  die  Wahl  Leopolds  zum  Kaiser  durch
(18.  Juli  1658).

In  dieser  Vereinigung  der  katholisch-österreichischen  und  der  evangelisch-brandenburgischen
  Macht  hatte  der  Kurfürst  ein  Mittel  gefunden,  das  nicht  nur  den
schwedischen  Angriffen  gegenüber  Nutzen  stiften  sollte,  sondern  das  zugleich  ebenso
wie  früher  das  Eintreten  des  Kurfürsten  zu  Gunsten  des  Kölner  Erzbischofs  die
unglückselige  kirchliche  Parteigruppierung  der  deutschen  Fürsten  beendigen  und  der
französischen  und  schwedischen  Fremdherrschaft  gegenüber  das  nationale,  das  deutsche
Interesse  betonen  und  zum  Siege  führen  konnte.

Im  August  1658  begann  Karl  Gustav  aufs  neue  den  Krieg,  und  zwar  165°8
wiederum  mit  einem  Angriff  auf  Dänemark.  Im  Bunde  mit  dem  Kaiser  und  in
der  Hoffnung,  daß  nun  auch  Holland  das  Seinige  thun  werde,  hielt  der  Kurfürst,
der  im  eigenen  Lande  auf  einen  Angriff  Schwedens  gerechnet  hatte,  jetzt  den
Augenblick  zum  Handeln  für  gekommen.  Er  erkannte,  daß  die  Entscheidung  weder
in  Polen  noch  in  Preußen  oder  Pommern,  sondern  in  Holstein  zu  suchen  sei.
Denn  hier  fühlte  sich  Karl  Gustav  völlig  sicher,  während  von  hier  aus  zugleich
der  niedersächsische  Kreis  geschüht  werden  konnte.  An  der  Spitze  brandenburgischer
und  polnischer  Truppen  sowie  einer  Reichsarmee  brach  Friedrich  Wilhelm  dorthin
auf,  entriß  den  Schweden  Holstein,  Schleswig,  Jütland,  während  eine  holländische
Flotte  die  schwedische  im  Sunde  besiegte.  Damals  schon  entwarf  ein  Holländer  den
Plan,  den  Kurfürsten  zum  „Admiral-General“  aller  deutschen  Seeschiffe  zu  ernennen.
Das  lag  nun  zwar  noch  weit  ab  von  der  Wirklichkeit,  aber  im  Dezember  noch
nahm  der  Kurfürst  in  der  That  durch  eine  glänzende  Waffenthat  die  Insel  Alsen.

Endlich  hatte  der  Ruf  von  der  Unüberwindlichkeit  der  schwedischen  Waffen
in  Deutschland  einen  Stoß  erlitten,  Karl  Gustav  war  auf  die  Defensive  angewiesen,
  mußte  im  Februar  nach  monatelangen  Bemühungen  die  Belagerung
Kopenhagens  aufgeben  und  im  Mai  die  Ubergabe  von  Friedrichsodde  au  den  Kur-