Die Hochzeit. 13
damals in der Schloßkapelle eingesegnet worden ist, in der
reinen, frommen, edeln Häuslichkeit des nachmaligen Kaiserpaars.
Nach alter Sitte des Hohenzollernhauses begann auch der
nächste Tag, der erste Tag des jungen Hausstandes, mit
einem Gottesdienst in der Schloßkapelle. Diesem habe ich
nicht beigewohnt, wohl aber am folgenden Abend der Gala—
vorstellung im Opernhause. Eine glänzende Versammlung
füllte das Haus. Aller Augen waren mehr auf die kaiserliche
Laube als auf die Vorstellung gerichtet. Die neuvermählte
Prinzeß saß dort neben dem alten Kaiser, der sich
immer wieder an sie wandte. Ich konnte von meinem Platze
aus sehen, wie ein Sonnenschein der Freude über dem durchfurchten
Antlitz des vierundachtzigjährigen Herrschers lag,
wenn er mit ihr sprach. Man merkte, wie froh er war, daßt
sein Enkel ein solches Kleinod sein eigen nennen durfte.
Lang, lang ists her. Wenn ich an alles denke, was später
gefolgt ist, so wollen mir diese aus den Tiefen der Erinnerung
aufsteigenden Bilder wie eine Fata morgang aus längst verschollenen
glücklichen Zeiten vorkommen. Aber mein Leben
lang habe ich mich darüber gefreut, daß es mir vergönnt
war, diesen goldenen Tag im Leben meines Kaisers aus
nächster Nähe mit erleben zu dürfen.
Der Kaiser in Jerusalem.
Siebzehn Jahre waren seit der Hochzeit des Kaisers vergangen,
als ich durch die Reise zur Einweihung der Erlöserkirche
in Jerusalem in nähere Berührung mit ihm kam.