Full text : Die Reichsbank 1901-1925. (2)

Die  Reichsbank  vom  Kriegsende  bis  zur  Siabilisierung  der  Mark  (1918—1923)  115

Zahlungsmittel  in  immer  größerem  Umfange  aufzuspeichern,  ohne  durch  ein
wirtschaftliches  Bedürfnis  dazu  genötigt  zu  sein.  Handel=  und  Gewerbetreibende,
kleinere  und  größere  Kapitalisten  hoben  namentlich  seit  etwa  Anfang  Oktober
Guthaben  bei  Banken,  Bankfirmen,  Sparkassen  und  Genossenschaften  ab,  um
das  bare  Geld  aufzubewahren.  Was  von  seiten  der  Reichsbank  geschehen  konnte,
um  dem  Zahlungsmittelbedarf  zu  genügen,  geschah.  Die  Verausgabung  der
vorsorglich  angesammelten  großen  Reservebestände  an  papiernen  Geldzeichen
und  der  vorhandenen  Vorräte  an  Reichssilbermünzen  wurde  angeordnet.  Es
war  ein  besonders  unglückliches  Zusammentreffen,  daß  der  Geldbedarf  sich  einerseits
  unmittelbar  an  den  schon  ungewöhnlich  großen  Ultimobedarf  des  September
  anschloß,  und  daß  andererseits  die  Reichsdruckerei  in  den  voraufgegangenen
  Wochen  infolge  Einziehung  einer  größeren  Anzahl  ihrer  Arbeiter
zum  Heeresdienst  und  infolge  Erkrankung  mehrerer  weiterer  Hunderte  außer
Stand  gesetzt  war,  die  von  der  Reichsbank  erteilten  Druckaufträge  auch  nur
annähernd  auszuführen.  Obwohl  hierin  alsbald  Abhilfe  geschaffen  wurde,  erschien
  es  der  Bankleitung  doch  angebracht,  eine  größere  Zahl  von  Privatdruckereien
  mit  der  Herstellung  einer  neuen  Reichsbanknote  zu  50  Mark  im  Buchdruckverfahren
  zu  beauftragen,  deren  Druck  und  Kontrolle  von  der  Reichsbank
selbst  organisiert  wurde,  und  von  der  sich  in  kürzester  Zeit  große  Beträge  anfertigen
  ließen.  Da  diese  Noten  unter  den  gegebenen  Umständen  gegen
Fälschungen  nicht  so  gut  gesichert  werden  konnten  wie  die  übrigen  Reichsbanknoten,
  wurde  ihr  Aufruf  und  ihre  Einziehung  unter  Umtausch  gegen  andere  gesetzliche
  Zahlungsmittel  zum  1.  März  1919  ausdrücklich  vorbehalten.  Daneben
sind  schon  in  den  ersten  Oktobertagen  überall  da,  wo  die  Gefahr  einer  wachsenden
Zahlungsmittelnot  besorgt  werden  konnte,  die  Kommunen  auf  Veranlassung  der
Reichsbank  angeregt  worden,  die  Ausgabe  von  Notgeld  in  Scheinen  bis  zur  Höhe
von  50  Mark  mit  möglichster  Beschleunigung  vorzubereiten.  Die  große  Mehrzahl
  der  angegangenen  Städte  ist  dieser  Aufforderung  nachgekommen.  Die
Reichsbank  übernahm  die  Hälfte  der  Herstellungskosten  sowie  der  durch
Fälschungen  entstehenden  Schädigungen  und  stellte  ihre  Kasseneinrichtungen  für
Ausgabe,  Einlösung  und  Umtausch  des  Notgeldes  zur  Verfügung.

Die  damals  von  den  Kommunen  zur  Ausgabe  beschlossene  Summe
bezifferte  sich  insgesamt  auf  rund  2  Milliarden  Mark,  von  denen  allerdings  ein
erheblicher  Teil  nicht  ausgegeben  zu  werden  brauchte.  Als  Höchstumlaufssumme
ermittelte  die  Reichsbank  die  Ziffer  von  1486,6  Millionen  Mark  (am  15.  Januar
  1919).  Am  31.  Mai  1919  waren  hiervon  nur  noch  rund  189,6  Millionen

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