126 HNes Veuische Keich und seine einzelnen Glieder. (November 17.)
Rede sein könne. Ein derartiges geheimes Abkommen stehe in Widerspruch
mit den Dreibundsverträgen. Abg. Frhr. v. Manteuffel (kons.) widerspricht
dieser Behauptung und führt aus, eine ernstliche Beunruhigung sei
weder in noch außerhalb Deutschlands vorhanden gewesen. Abg. Richter
(fr. Vp.) greift. den Fürsten Bismarck scharf an, der sich eines Vertrauensbruches
gegen Osterreich schuldig gemacht habe durch den Abschluß jenes
Vertrages und gegen Rußland durch dessen Veröffentlichung. Die deutsche
Politik sei dadurch diskreditiert. Fürst Bismarck habe sich des Verrats
eines Staatsgeheimnisses schuldig gemacht, aber mit Rücksicht auf sein hohes
Alter und sein Verdienst müsse Gnade vor Recht ergehen. Abg. Liebknecht
(Soz.): Fürst Bismarck habe Österreich durch jenes Abkommen
verraten. Die Regierungen müßten außer stand gesetzt werden, geheime
Verträge abzuschließen, und die doppelte Moral der Diplomaten müsse aufhören.
Die Abgg. v. Kardorff (RP.), Paasche (ul.) und v. Liebermann
(Antif.) wenden sich gegen den Abg. Richter; die Enthüllungen
dienten wie alle Thaten Bismarcks dem Wohle des Vaterlandes.
17. November. (Reichstag.) Interpellation über die Duellfrage
und den Fall Brüsewitz.
Anknüpfend an die Erklärungen der Regierung vom 21. April
(S. 57) befragt die freisinnige Volkspartei den Reichskanzler, ob er zum
Abschluß seiner vom 20. April schwebenden Erwägungen nunmehr gekommen
ist, und was etwa angeordnet ist, um dem einstimmig gefaßten Beschluß
des Reichstages Rechnung zu tragen. Ferner fragen die Interpellanten,
was den Behörden bekannt geworden ist über die Vorgänge, welche in der
Nacht zum 12. Oktober d. Is. in Karlsruhe zur Tötung des Technikers
Siepmann durch den Premierlieutenant v. Brüsewitz geführt haben (S. 111).
Abg. Munckel (frf. Vp.) begründet die Interpellation mit der
Verbreitung, die das Duell in allen Kreisen der Bevölkerung genommen
habe. Das Duell wurzele im Militarismus; der falsche Begriff einer besonderen
Offiziersehre habe auch den Fall Brüsewitz veranlaßt.
Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst: Meine
Herren, auf die erste Anfrage der Herren Interpellanten, über das Duellwesen,
habe ich folgende Antwort zu geben: Die von meinem Stellvertreter
in der Sitzung des Reichstages vom 20. April d. Is. in meinem
Auftrag abgegebene Erklärung bestätige ich. Ich halte es nach wie vor
für eine selbstverständliche und unabweisliche Forderung des öffentlichen
Rechtsbewußtseins, daß auch auf dem Gebiete des Duellwesens den Vorschriften
der Gesetze in allen Kreisen der Bevölkerung ohne Unterschied des
Standes und Berufes Achtung und Befolgung gesichert werde. Die ernstlichen
Erwägungen, welche nach jener Erklärung bezüglich der Maßregeln
angestellt sind, die ergriffen werden müssen, um solche Achtung wirksamer
als bisher zu erreichen, sind ohne Verzug weiter fortgeführt. Insbesondere
hat die preußische Kriegsverwaltung, was das Tuellwesen in den Kreisen
der Armee betrifft, Vorschriften vorbereitet, welche darauf abzielen, den
Zweikampf, wenn nicht völlig zu beseitigen, so doch auf ein Mindestmaß
zurückzuführen. (Hört! hört! links.) In Anlehnung an die bis zum
Jahre 1874 in Geltung gewesene Allerhöchste Verordnung vom 20. Juli
1843 über das Verfahren bei Untersuchungen der zwischen Offizieren vorfallenden
Streitigkeiten und Beleidigungen wird beabsichtigt, diese Streitigkeiten
und Beleidigungen der ehrengerichtlichen Behandlung und Entscheidung
zu unterwerfen mit der Wirkung, daß die Entscheidung, welche niemals
auf eine Nötigung zum Zweikampf oder auf eine Zulassung desselben
lauten darf, für die streitenden Teile unbedingt verbindlich ist. Auf Befehl