Full text : Die Lügen unserer Sozialdemokratie.

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eisgranen,  ehrwürdigen  Mann  mit  scharfgeschittenen,  geistvollen,
starken  Zügen.  Er  hielt  sich  jetzt  ein  Tuch  vor  die  Augen,  um  die
heißen  Rührungsthränen  zu  verbergen.  Es  war  George  Bancroft,
der  große  Geschichtsschreiber  der  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika,
  ihr  Gesandter  in  Berlin.  Ihm  mochte  in  diesem  Augenblicke
  die  Erinnerung  vor  die  klare  Seele  treten,  wie  vor  fast  hundert
Jahren  sein  Heimatland,  auch  in  einem  Kampfgelübde  auf  Sein
oder  Nichtsein,  den  festen  Grundstein  legte  zur  Einheit,  Freiheit  und
Unabhängigkeit  seines  Staatswesens!

Und  nachdem  wir  am  folgenden  Tage  die  Adresse  an  unsern
königlichen  Schirmherrn  einstimmig  angenommen  und  in  einer
zweiten  Sitzung  dessen  huldvolle  Antwort,  aus  Bismarcks  Munde
aber  die  wunderbare  und  für  die  völkerrechtlichen  Gewohnheiten  beispiellose
  „Entwicklung  dieses  Kriegsfalles“  vernommen  hatten,  da
gelangte  an  uns  am  Vormittag  des  21.  Juli  auch  schon  ein  herzbewegender
  Beweis  der  treuen  Anhänglichkeit  unserer  deutschen
Brüder  aus  der  Heimat  des  edlen  George  Baneroft.  1867  hatten
deutsche  Frauen  und  Jungfranen  in  New-Orleans  dem  Reichstag
die  schöne  schwarz-weiß-rothe  seidene  Fahne  gestiftet,  welche  neben
dem  Haupte  unseres  ehrwürdigen  Präsidenten  herabhing.  Jetzt  war
Simson  vor  innerer  Bewegung  seiner  Stimme  kaum  mächtig,  als
er  das  Kabeltelegramm  der  dentschen  Männer  von  St.  Louis  verlas:

„Der  verzweifelte  Spieler  auf  dem  französischen  Throne  hat  unter  verächtlichen
  Vorwänden  einen  Unterdrückungs=  und  Eroberungskrieg  gegen
Deutschland  begonnen.  Die  Zeiten  von  Mélac  und  dem  ersten  Napoleon
drohen  noch  einmal.  Euer  Kampf  ist  ein  Kampf  für  die  Unabhängigkeit
aller  Nationen  und  für  Ener  eigenes  nationales  Leben..  Mit  Stolz  und
Freude  hören  wir,  daß  das  deutsche  Volk  in  Nord  und  Süd  für  sein  Land
zu  den  Waffen  eilt,  wie  ein  Mann.  Im  festen  Vertrauen  auf  Eure  Vaterlandsliebe,
  Eure  Stärke  und  Ausdaner  sehen  wir  für  die  Sache  unseres
Geburtslandes  frendigen  Siegesnachrichten  entgegen.  Wir  haben  beschlossen,
daß  die  Deutschen  in  den  Vereinigten  Staaten  sofort  eine  Million  Dollars
zur  Unterstützung  invalider  Soldaten  und  der  Waisenkinder  von  gefallenen
Soldaten  aufbringen.“)

So  dachten  und  handelten  die  Denutschen  im  fernen  Amerikal

Die  Herren  Liebknecht  und  Bebel  aber,  welche  inzwischen  ihre
Sitze  als  deutsche  Abgeordnete  eingenommen  hatten,  dachten  und
handelten  anders!  Bei  der  dritten  Berathung  des  Gesetzes,  betreffend
  die  anßerordentlichen  Geldmittel  zum  Kriege,  welche  sich
unmittelbar  an  die  ergreisende  Mittheilung  des  Telegrammes  aus
St.  Louis  anschloß,  erhob  sich  Herr  Bebel  zu  folgender  Erklärung):


*)  Sten.  Ber.  S.  13.
*s)  Sten.  Ber.  S.  11.