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Urtheil erwies, da dies das Herz ihres Gemahls wo möglich mit noch festeren
Banden an fie schließen mußte. Für diese Freunde hatte fie tausend Aufmerksamkeiten,
zu welchen sich sonst eine so hochgestellte Dame selten herbeiläßt, und
Niemand von denen, welche der König lieb hatte, ging aus seinen Gemächern,
ohne ein freundliches Wort oder einen holdseligen Blick als Geleit mitzunehmen,
Ein rührendes Zeichen ihrer liebevollen Aufmerksamkeit empfing der General
von Köckeritz, den wir ja als den Mann kennen gelernt haben, welchem Friedrich
Wilhelm III. vor allen vertraute und sogar den besonderen Auftrag gegeblen
hatte, ohne Rückfsicht auf sein königliches Ansehen und ohne Rückhalt ihm dem
Weg zur Wahrheit offen zu halten. Der General war täglicher Tischgenoff#
verschwand aber fast unmittelbar nach aufgehobener Tafel, zum großen Leidwesen
der hohen Frau, welche schon der Anhänglichkeit ihres Gemahls willen an
den Freund die längere Dauer seines Besuches gewünscht hätte. Lange konnte
die Königin die Ursache dieses Verschwindens nicht ergründen, und auch der
König war auf einer falschen Spur, indem er der forschenden Gemahlin erklärte,
der schon ältliche Herr werde ohne Zweifel an ein Mittagsschläschen
gewohnt sein, und man müsse dem braven Manne deshalb nicht beschwerlich
fallen. Endlich aber erfuhr sie, daß dem General von seinem Kriegsleben her
eine Pfeise zum Bedürfniß geworden sei. Schnell war ihr Entschluß gefaßt.
Als am nächsten Tage der erwartete Moment kam, trat die Königin rasch, gestopfte
Pfeisfe, Wachsstock und Fidibus in der Hand, vor den erstaunten Freund
mit den Worten hin: „Nun, lieber Köckeritz, sollen Sie mir nicht wieder entwischen,
Sie müssen hier bei uns ihre gewohnte Pfeife rauchen;" worauf der
König, der in der dem alten Freunde erwiesenen Aufmerksamkeit die sorgende
Liebe der Gattin für sich erkannte, ihr daher mit Rührung zurief: „Das haft
Du gut gemacht, liebe Luise.“ Der tief gerührte Diener nahm freudig die
Pfeife an, und von jener Zeit zeigte er nie mehr Lust, sich so schnell von dem
gnädigen Herrscherpaare zu entfernen.
Die Königin war bis zum Beginne der Leidenszeit vom Jahre 1806
vollkommen glücklich, wohl in höherem Grade noch, als ihr Gemahl, denn
dieser wurde doch schon vor dieser Zeit durch die drohenden Ereignisse in der
europäischen Politik zu „ehr an die Möglichkeit ernsterer Verwickelungen gemahnt,
als daß er ohne Besorgniß darüber hätte bleiben können, zumal da sein einfacher
und redlicher Sinn für jene Lügengewebe schlauer Diplomatik keinesweges
paßte. Von allem dem traf die Königin nur wenig, denn ihr heiterer und in
dem besten Verstande des Wortes leichter Sinn scheuchte, wie es uns auch sittlich
erlaubt ist, Sorgen über Gefahren, welche zwar drohen, die aber abzuwehren
nicht in unserer Macht liegt, wie böse Träume von sich und gab sich dem
Glücke der Gegenwart hin. Bedenkliche Gemüther, wie Friedrich Wilhelm III.
vermögen das nicht immer über sich.
Trowd dieses leichten Sinnes fehlte der Königin Luise aber keinesweges
fittliche Tiefe, noch wahrhaft religiöse Grundlage. Sie empfand trotz ihrer