Full text : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

1031  Gastbett  —  gastlich.

ein  gast  in  dieser  stadt  Platen  Abbass.  1,  254;  sonst
ewöhnlich  Ankömmling  in  einem  Hause  zum  Aujenthalte
  glste  bekommen,  das  haus  voll  guste  haben:;
unser  gast  ist  wieder  abgereist;  oder  Eingeladener  zur
Bewirtung:  bei  jemand  zu  gaste  sein,  cinen  zu  gaste
laden,  bitten;  ledet  dich  einmal  oder  drei  zu  gast
Sir.  13,  8;  wir  haben  uns  auf  ..  eine  kalte  schale
brantewein  zu  gaste  gebeten  Chr  Weise  böse  Cath.  3,  3;
werthe  gäste  an  kleinem  tische  freundlich  zu  em-Pfangen
  und  zu  bewirthen  Grillparzer  2,  4;  höflich
einladend:  wollen  Sie  unser  gast  sein?;  verwünschend:
solten  ..  des  teufels  muter  zu  gaste  haben  Garg.  84;
auch  nur  zu  einem  Besuch  Gekommener:  du  hast  gewisz
ein  gast  Garg.  46;  den  ungehobelten  gast  werf  ich
zur  thür  hinaus  Schiller  Kab.  2,  6;  ein  selten  Kommender
  wird  ein  seltener  gast,  ein  frendig  Begrüßter
willkommner  gast  genannt;  der  nurrische  gast  Goethe
Wahlverw.  1,  2;  schönhcit  ist  uberall  ein  gar  willkommener
  gast  1,  6;  von  persönlich  genommener  Krankheit,
Alter,  Ubel  n.  ä.,  schlimme  güste;  so  wird  die  angst
dein  gast  Hagedorn  Schreib.  an  e.  Freund  100;  der
frostige  gast  ..  das  alter  Geibel  2,  5;  —  gast  im
Wirtöhause:  die  wirtsstube  sitzt  voll  gäste;  gäste  halten,
bedienen;  bei  Gewerken  =  Kunde,  vgl.  mahlgast,  muhlgast,
  backgast,  fahrgast;  auch  brunnen-,  badegast;  bei
Schauspielern  gast,  der  auf  einer  fremden  Bühne  auftritt,
  vgl.  gastieren;  von  Kanzelrednern,  vgl.  gastpredigt;
—  in  der  abgeblaßtesten  Bed.  nur  —  Gesell,  Mensch,
Kerl:  der  wirth  war  ein  kluger  gast  Simpl.  2,  292;
wie?  ruft  der  schlaue  gast  Wieland  Idr.  4,  56;  ein
floh  ist  mir  ein  saubrer  gast  Goethe  Faust  I.  —
Zusammensetzungen:  Gastbett,  v.  Bett  für  Gäste.  —
gastfrei,  freigebig  gegen  Gäste:  seid  gastfrei  unternander
.  Petr.  4,  9;  den  gastfreien  verkehr  Freytag  Erinn.
15.  —  Gastfreiheit,  f.  gastfreies  Wesen.  —  Gastfreund,  m.
Freund  als  Beherbergender.  —  gastfreundlich,  in  der
Weise  eines  Gastfreundes:;  gastfreundliche  aufnahme:;
einen  gastfreundlich  beherbergen.  —  Gastfreundschaft,  f.
Freundschaft,  die  Herberge,  Unterkunft,  Bewirtung  gewährt.
  —  Gastgeber,  m.  der  ein  Gasimahl  gibt;  Gastwirt,
  der  jemand  für  Geld  bewirtet.  —  Gastgebot,  n.
Schmaus  geladener  Gäste:  wollen  Sie  nicht  funfzig
thaler  an  ein  gastgeboth  wagen?  Gellert  Loos  2,  9;
hat  .  schmaus  und  gastgebot  gehalten  Grillparzer
8,  144.  —  Gasthalter,  m.  Gastwirt.  —  Gasthans,  n.
Haus  in  welchem  gegen  Bezahlung  Gäste  bewirtet  und
herbergt  werden.  —  Gasthof,  m.  großes  Gasthaus.  —
Gastmahl,  r.  großes  Mahl  für  Eingeladene.  —  Gastpredigt,
  f.  Predigt  eines  fremden  Kanzelredners.  —
Gastrecht,  n.  in  ä-lterer  Spr.,  Recht  und  Gericht  für
Fremde;  jetzt  Recht  des  Gastes  gegen  den  Wirt  und
umgekehrt.  —  Gastrolle,  k.  Rolle,  die  ein  Schauspieler
auf  fremder  Bühne  spielt.  —  Gastspiel,  n.  Spiel,  Auftreten
  eines  Schauspielers  aul  sremder  Bühne.  —  Gaststube,
  k.  Stube,  in  der  Gäste  untergebracht  werden;  in
Gasthäusern  Stube,  in  der  Gäste  sitzen.  —  Gastwirt,  m.
der  für  Geld  Gäste  bewirtet.  —  Gastwirtschaft,  f.  Gewerbe
  des  Gastwirts:  die  g.  betreiben;  Haus  des  Betriebs:
  in  eine  g.  gehen;  die  vielen  in  der  stadt  hestehenden
  gastwirtschaften.  —  Gastzimmer,  n.  Gaststube.
Gasterel,  f.  Bewirtung  von  Gästen,  Gastmahl,
Schmaus:  gasterci  die  umbher  gehet,  jährlich  gasterei
Henisch;  eine  gasterei  anstellen,  ausrichten  Adelung.
—  gastieren,  trans.  bewirten,  frei  halten:  diesen  Teutschen
  zu  gastirn  Simpl.  2,  258;  er  will  uns  gastieren
Goethe  Egm.  1;  intrans.  als  Schauspieler  Gastrollen
geben.  —  Gastin,  Gästin,  k.  Schauspielerin,  Sängerin,  die
eine  Gastrolle  gibt.  —  gastlich,  in  älterer  Spr.  nach  der
Weise  eines  Gastes,  Fremden:  wiltu  ein  gast  scin,  so
mustu  dich  auch  friedlich  und  gastlich  halten  Luther
Ausleg,  der  Ep.  u.  Evang.  1544;  wie  es  gegen  Gäste  sich
ziemt,  gastfreundlich:  gastliche  freundschaft  Maaler;  die

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einzige  jetzige  Bed.:  als  frau  Margret  sie  nur  an  feiertagen
  gastlich  speiste  und  trunkte  Keller  Werke  1,  79;
gern  auf  das  aufnehmende  Haus  und  Heim  bezogen:  ein
gastlicher  herd  #  iller  10,  381;  in  das  gastliche  thor
zieht  sie  als  burgerin  ein  Epaz.  87;  gastliche  stätte
Treitschke  1,  81.  —  Gastlichkeit,  f.  gastliches  Wesen,
Gastfreundschaft:  um  gastlichkeit  zu  bitten  wag  ich
Platen  Abbafss.  1,  258.—  Gastung,  f.  Bewirtung  und
das  dazu  Gebotene,  mhd.  gastunge:  wo  ist  ein  gastung
ohn  narren?  Garg.  31;  unzeitige  und  ubermuszige
gastungen  Henisch;  nehmen  Sie  mit  dem  ahtrag  von
anderer  leute  gastung  vorlieb!  Schiller  Fiesko  1.12;
—  Gastwirtschaft:  eine  gastung  haben,  halten  Abelung.

Gäten,  s.  jäten.  —  gätlich,  was  sich  fügt,  schickt,  bequem,
  mhd.  getelich:  gätlich,  combeniens,  respondens,
es  schicket  sich  uber  die  maszen  gätlich  Stieler;  ein
gätlicher  junger  mensch,  von  mittlerer  Größe  Adelung;
  auf  das  Innere  gewendet:  artige,  muntere,  gätliche
  persönchen  Goethe  ital.  Reise  I;  in  der  Form  gattlich;
  als  vollkommen  gattlicher  lehensgefährte  Wanderj.
2,  5;  für  die  jetzige  Schriftspr.  erloschen.

Gatte,  m.  der  ehelich  Verbundene;  Einschränkung
des  weiteren  Begriffes  Zusammengehöriger,  Genosse,
Gleicher,  der  im  mhd.  gate  meist  noch  waltet,  und  in
engster  Verwandtschaft  zu  altsächs.  gigado,  altengl.  gegada
  Genosse,  zu  goth.  gadiliggs,  altengl.  gädeling,  altsächs.
  gaduling,  ineigerefe  ahd.  gatuling  Verwandter,
  Vetter,  sowie  im  Ablaute  zu  gut  (s.  d.)  steht:
die  angeführte  Einschränkung  ersi  spät:  gatte,  socius,
ehegaite  Schottel,  und  erst  seit  18.  Ih.  in  edler  Spr.
häufig  geworden:  ans  herz  des  gatten  sich  zu  schmiegen
Schiller  3,  165;  den  könig,  weinen  gatten,  liesz  ich
morden  M.  Stuart  5,7;  auch  die  Brant  nennt  den
Bräutigam  mein  gatte,  mein  geliebter  Br.  v.  Mess.
1798;  im  Plur.  von  beiden  Genossen  der  Ehe:  wir  neuen
gatten  Goethe  Wahlverw.  1,  2;  in  älterer  Spr.  auch
für  Gattin:  gatte,  eonjuæ,  soczus,  socia  Steinbach;
von  Tieren:  die  ungestalte  eule  findt  ihren  gatten
schön  Wieland  Idr.  3,  17.  —  gatten,  zusammenbringen,
  schicklich  ordnen,  mhd.  gaten,  in  älterer  Spr.
Gewerts=  und  Kaufmannswort,  z.  B.  von  Waren
Stieler;  bergmännisch:  ein  gang  allein,  wo  sich  nicht
ander  mit  ihm  .  gadten  Mathesius  Sarepta  319;
in  neuerer  gewählter  Spr.  eng  verbinden,  vereinigen,
schon  bei  Schottel  gatten  consoctare  neben  #ormare;
tranf.:  dazumahl  wars  eines  knappen  amt  die  heilkunst
  mit  der  kunst  der  ritterschaft  zu  gatten  Wieland
  Ob.  10,  40;  ergriflet  ibr  die  nachbarlichen  schatten
..  und  lerntet  in  harmonschem  band  gesellig  sie  zusammen
  gatten  Schiller  Künstler  120;  refl.:  sollt  auch
einmal  des  tages  licht  .  wit  diesem  licht  sich  gatten
Brockes  1,  16;  jede  erdenwonne  musz  sich  mit  leiden
gatten  Schiller  4,  13;  ein  lachend  gelände  wo  der
herbst  und  der  fruhling  sich  gatten  Berglied;  auf  geschlechtliche
  Vereinigung  bezogen  in  begatten  (s.  d.).

Gatter,  n.  m.  aus  Stäben  hergestellte  Einschließung,
ahd.  gataro,  mhd.  gater,  unsicherer  Herkunst,  aber  zu
gitter  (s.  d.)  in  nächster  Beziehung:  eancellus,  elatrum
gatir,  gater,  gatter,  gattern  Dief.;  gatter,  gitter,  geschränkte
  fenster  Henisch;  gatter.  flecht,  hurd,  wagenkorb,
  es  seye  von  holz  oder  eisen  ebd.;  gatter,  schrankfenster
  Schottel;  gatter  vor  einem  garten,  in  einem
zaune;  in  Schneidemühlen  Rüstung  zwischen  deren  Ständern
  die  Säge  eingespannt  ist;  in  den  Zinnhütten  gitterförmig
  gegossenes  Stück  Zinn;  an  alten  Thoren  vie
herabfallende  Vorrichtung,  die  den  Eingang  sperrt,  fallgatter.
  Auch  für  den  durch  Gatter  umschlossenen  Raum:
stieszen  jn  gebunden  in  ein  gatter  ##l  19,  9.  —  Zusammensetzungen:
  Gatterthor,  u.  ans  Stäber  hergestelltes
Thor:  der  breitere  zugang  mit  einem  gatterthor  verschen
  Freytag  Erinn.  34.  —  Gatterthür,  f.  aus  Stäben
hergestellte  Thür.  —  Gatterwerk,  n.  Stabwerk,  Arbeit

Gastlichkeit  —  Gatterwerk.