§ 11. Schankwirthschaften. 67
Kadetten!), Schüler von Landwirthschafts= und Ackerbauschulen?)
u. s. w.
Verboten ist meistentheils nur der Ausschank von Spirituosen, zum
Theil aber auch der Verkauf von Speisen und überhaupt die Duldung
des Aufenthalts Unerwachsener in öffentlichen Wirthschaftslokalen. Eine
Ausnahme wird regelmäßig für den Fall gemacht, daß die jugendlichen
Personen von Erwachsenen, insbesondere von ihren Eltern begleitet sind.
Einige Verordnungen nehmen auch den Fall aus, daß sich die Unerwachsenen
auf Reisen befinden. Häufig nennen die Polizeiverordnungen
neben den Gast= und Schankwirthschaften auch Konditoreien. Auch das
ist nicht zu beanstanden, da Konditoreien in den meisten Fällen
Schankwirthschaften sind, sie schänken mindestens Kaffee, Thee oder Chokolade
auss).
Die „Selbstverwaltung““) bringt eine Amtspolizeiverordnung, die
vom Oberpräsidenten außer Kraft gesetzt wurde. § 1 derselben untersagte
den Gast= und Schankwirthen sowie den Materialwaarenhändlern,
an Kinder unter 14 Jahren Spirituosen zu verabfolgen. Der Oberpräsident
rechtfertigt die Aufhebung dieser Bestimmung mit der Erwägung,
„daß erfahrungsmäßig die arbeitende Bevölkerung, wenn sie sich anders
überhaupt in den Besitz von Spirituosen setzen wolle, was ihr doch nicht
verwehrt werden könne, manchmal genöthigt sei, sich zum Herbeiholen
derselben ihrer Kinder zu bedienen"“. Aus dem Gesagten ergiebt sich
indessen, daß der § 1 keineswegs gesetzwidrig war, und anderwärts5)
sind auch derartige Verordnungen unbeanstandet geblieben. Der § 2
der Amtspolizeiverordnung war dagegen allerdings nicht aufrecht zu
erhalten:
Den Gast= und Schankwirthen, sowie den Materialwaarenhändlern
ist ferner untersagt, an Leute, welche keinen eigenen Hausstand
begründet haben, insbesondere an Knechte, Mägde und sonstiges
unverheirathetes Gesinde Waaren, namentlich Spirituosen, gegen Getreide
oder andere Lebensmittel, gegen Federn, altes Eisen und sonstige
1) Schleswig'sche Regierungsverordn. vom 7. V. 83 a. a. O.
2) Ortspolizeiverordn. f. Lüdinghausen vom 21. V. 90 (Verwaltungsbl. Bd. 11,
S. 485).
3) Marcinowski, Kommentar zu § 33, Anm. 11.
1) Bd. 4, S. 323.
5) Vgl. Verordn. des Regierungspräs. zu Oppeln vom 29. VII. 85 § 4: Die
Verabfolgung von geistigen Getränken an Kinder .. . sei es zum eigenen Konsum oder
auf Bestellung für andere, ist untersagt. Ebenso Verordn. des Regierungspräs. zu
Breslau vom 12. IV. 89 (Kotze a. a. O. S. 489).
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