Großbritannien. (August 21. 24.) 333
die Schriftsteller Zangwill, Brailsford und Carpenter, zahlreiche Professoren,
Geistliche und viele Mitglieder des Adels.
21. Aug. (London.) Konferenz der Arbeiterpartei.
Hutchinson, Mitglied des Vollzugsausschusses, stellt den Antrag,
den Beschluß vom 10. betr. Beteiligung an der St. Konferenz ((.
S. 326 f.) zu bestätigen. Der Antrag wird u. a. damit begründet, daß man
den britischen Arbeitern Gelegenheit bieten müsse, verkehrte Ansichten bei
Teilnehmern aus andern Ländern zu berichtigen. Am Schluß wird Bedauern
darüber geäußert, daß die Regierung die Pässe für Stockholm verweigert.
Fairchild, Vertreter der Britischen Soz. Partei, bringt einen
Zusatzantrag ein, wonach die Mitglieder der Arbeiterpartei aus der Regierung
scheiden sollen. Die Koalition zwischen der Kapitalisten= und der
Arbeiterpartei sei von Anfang an für die Arbeiterschaft verhängnisvoll gewesen.
Es sei sonderbar, daß, wenn der Krieg für die Demokratie im
Ausland geführt werde, die engl. Arbeiterpartei mit einer Regierung zusommengehe,
welche hauptsächlich damit beschäftigt sei, die Demokratie in
der Heimat einzuschränken. Alle Arbeitervertreter würden wie ausgesaugte
Orangen beiseite geworfen werden, wenn sie ablehnen würden, die Arbeit
zu besorgen, welche die Regierung von ihnen wünsche. Außerhalb der Regierung
habe die Arbeiterpartei die Macht, innerhalb der Regierung keine.
Man würde nicht den Volksfrieden erreichen, solange man miut der heutigen
Regierung verbündet sei. Er betrachte die Ziele der Alliierten als in jeder
Weiie ebenso imperialistisch, wie die Ziele der Zentralmächte. Nach längerer
Verhandlung wird dieser Vorschlag zurückgezogen. Ein Antrag des Schriftseberverbandes
auf Veranstaltung einer persönlichen Abstimmung unter den
Mitgliedern der angeschlossenen Vereine betr. der Teilnahme an der St.
Konferenz wird mit einer halben Million Mehrheit verworfen.
Schließlich wird der Antrag Hutchinson mit 1234000 gegen 1231000
Stimmen angenommen. Die Aenderung in dem Stimmenverhältnis gegenüber
der Abstimmung am 10. ist durch die Haltung der Bergarbeiter veruriacht,
die sich inzwischen mit 376000 gegen 354000 Stimmen gegen die
Konferenz ausgesprochen haben. Nach engl. Brauche wurden alle 700000
Stimmen der Bergarbeiter auf die Liste der Konferenzgegner gesetzt. Veranlaßt
wurde die ablehnende Haltung der Bergarbeiter durch ihre Mißstimmung
über die beabsichtigte Verteilung der Mandate unter den einzelnen
Organisationen, da sie glaubten, daß die pazifistische Richtung im Verhältnis
zu ihrer Mitgliederzahl auf der Konferenz zu stark vertreten sein werde.
Schließlich wird ein Antrag Henderson angenommen, die Besprechung des
Memorandums (s. S. 326) und die Wahl der Delegierten für Stockholm bis
nach der bevorstehenden Konferenz der Ententesozialisten (s. u.) zu vertagen.
Nach einem späteren Berichte des schwed. „Socialdemokraten“ fand
am 21. eine Abstimmung über die Beteiligung an der St. Konferenz
überhaupt nicht mehr statt. Vielmehr bezog sich die Abstimmung, die eine
Uchrheit von nur 3000 Stimmen ergab, auf die ursprünglich vorgeschlagene
eilung der Mandate, die die Minderheitsparteien verhältnismäßig stark
berücksichtigte, während eine zweite Abstimmung über die Mandatsverteilung,
die für die Arbeiterpartei 15, für die übrigen Gruppen zusammen nur
5 Mandate vorsah, 2024000 Stimmen dafür und nur 175000 dagegen ergab.
24. Aug. „Finanzkonferenz“ in der Schweiz.
„Evening News“ melden aus hochoffizieller Quelle, daß die Nachricht
von einer internationalen Zusammenkunft von Finanzmännern in der
Schweiz unrichtig und gänzlich irreführend sei. R. Macdonald habe auf