134 HNos NVeutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (Oktober Anf.)
durch innere Kolonisation, sondern auch die Erhaltung der bestehenden
bäuerlichen Wirtschaften ist eine im Interesse des Gesamtwohls unabweisbare
Aufgabe staatserhaltender Politik. Die hierauf, sowie auf eine wirksame
Vertretung der Landwirtschaft gerichteten Bestrebungen der Landwirte
* dieselbe Berücksichtigung und Pflege, wie Gewerbe, Industrie und
andel.
Die Verschlechterung der Lage der preußischen Finanzen macht eine
feste Ordnung des Staatshaushalts und die strengste Sparsamkeit zur Pflicht.
Es wäre aber das Gegenteil von weiser Sparsamkeit, wollte man durch zu
knappe Bemessung des Staatsaufwandes die gedeihliche Fortentwickelung
auf sittlichem, geistigem und materiellem Gebiete hemmen und das heimische
Erwerbsleben schwächen. Insbesondere liegt die volle Ausnutzung und die
dem Bedürfnisse entsprechende Erweiterung unseres Verkehrswesens im wohlverstandenen
Interesse des Volkes und Staates.
Nach den großen Reformen, welche im Reiche und in Preußen wäh,-rend
des letzten Jahrzehnts beschlossen sind, thut eine Ruhepause in der
Gesetzgebung dringend not. Es wird daher durch die Beschränkung der
Vorlagen auf das unbedingt Notwendige das Einleben in die neuen organischen
Gesetze zu fördern sein.
Fester Zusammenschluß aller wirklich staatserhaltenden Elemente um
unser kräftiges verfassungsmäßiges Königtum — Sammlung der gemäßigten
patriotischen Männer von rechts und links, welche das Vaterland über die
Partei stellen, zur Abwehr gegen sozialistische, radikale und rückschrittliche
Bestrebungen jeder Art, aber kräftiges Eintreten für die Beseitigung wirklicher
Mißstände — stetige, gedeihliche Fortentwickelung unseres Staatslebens
in den guten preußischen Traditionen bürgerlicher Freiheit und fester
staatlicher Ordnung — Stärkung des Reiches nach innen und außen —
liebevolle und gleichmäßige Pflege aller Zweige des heimischen Erwerbslebens
sind stets die leitenden Gesichtspunkte der freikonservativen Partei
gewesen. Sie werden auch ihre Leitsterne für die Zukunft bleiben.
Unsere Parole ist „das Vaterland über die Partei, das Gemeinwohl
über die Sonderinteressen!“
Der vom Vorsitzenden der Fraktion des Abgeordnetenhauses, Dr.
Frhrn. v. Heeremann, unterzeichnete, vom 4. Juli datierte Wahlaufruf des
Zentrums lautet:
„Die 17. Legislaturperiode des preußischen Landtages naht ihrem
Ende. Bei dem Rückblick auf diesen fünfjährigen Zeitraum erfüllen uns
die Verluste, die wir erlitten, mit tiefem Schmerze. Eine allzu große Zahl
entriß der unerbittliche Tod unseren Reihen, darunter die Mitbegründer
und hervorragendsten Führer des Zentrums, Windthorst und Peter Reichensperger.
Ihre unvergeßlichen Verdienste um die Vertretung und Wahrung
der Prinzipien des Zentrums sind in unser aller Gedächtnis. Wir ehren
das Andenken der großen Toten, indem wir geloben, das, was sie im heißen
Kampfe erstritten, treu zu bewahren, und den Weg, den sie uns vorgezeichnet,
unerschrocken weiter zu wandeln. — Haben wir doch noch vieles
zu erringen! Die zur Zeit wichtigste Frage des öffentlichen Lebens, das
Volksschulwesen, entbehrt noch immer der in der Verfassung verheißenen
gesetzlichen Regelung. Wir sind nach wie vor wesentlich auf das Wohlwollen
der Staatsregierung angewiesen. Der dankenswerte Versuch, den
konfessionellen Charakter der Volksschule gesehlich festzulegen, scheiterte an
dem Widerspruch der kirchenfeindlichen, liberalen Richtungen. — Wir sind
überzeugt, daß der immer mehr sich ausbreitenden revolutionären Strömung,
den Gefahren für Thron und Altar, für Staat und Kirche nur ein christlich
erzogenes, gottesfürchtiges Volk erfolgreichen Widerstand zu leisten ver-