Minute, und jeder hereinbrechende Abend erneuert und vermehrt
die Unruhe und Qualen. Die Fragen, Gedanken
und Sorgen werden immer hastender!
Wie unheimliche Nachtvogel, deren man nicht Herr
werden kann, stürmen täglich von neuem wieder dieselben
Fragen auf einen ein, und in demselben Kreislauf, der
schon an Wahnsinn grenzt, wiederholen sich dieselben —
unbeantwortet, hoffnungslos. „Wie lange noch? Noch acht
Tage! Noch einen Monat! Noch ein Jahr so7 Noch länger?
Bleiben wir hier in diesem Stall? Wie wird es, wenn der
Winter kommt!" Kann es wohl noch schlimmer werden!?
Wie geht es Weib und Kind? Leben sie noch? Haben sie
noch zu leben? Wie lange noch! Wie lange noch? Und
das Vaterland? Und die Not der Brüder, denen man
nicht helfen kann!“ Und dann preßt man seine Hand
aufs Herz, um den wahnsinnigen Kreislauf zu beruhigen!
Aber es kommt keine Antwort, und so geht es Stunde um
Stunde, erneut dieselben Fragen! Wieder keine Antworr!
So geht es Woche um Woche! Ich habe nie geahnt, daß
die Dunkelheit so schauerlich sein kann, daß die Dunkelheit
in einem Menschen Dinge wachruft, die an Wahnsinn
grenzen, und nur der, der einmal in seinem Leben selbst
gefühlt und empfunden hat, wie es in den Herzen unserer
Deutschen dort drüben aussieht, nur der ahnt die Seelenqualen,
die dort drüben in der schweren Zeit gelitten
werden.
Vergeßt die Brüder nicht, die da druben — wie lange
noch — einen Heroismus aufbringen müssen, um nicht zu
verzweifeln, um nicht irre zu werden, einen Heroismus, der
nicht leichter ist, als der der Mutter, die den letzten Sohn
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