Organisation u. Entwicklung des badischen Gemeindesteuersystems. 121
einen Schuldenabzug. Ist nämlich ein großer Teil der Liegenschaften und
Gewerbsunternehmungen in einer Gemeinde stark verschuldet, so könnte
unter Umständen bei Zulassung eines Schuldenabzugs der Umlagefuß bis
zu einer erdrückenden Höhe ansteigen und die übrigen wenig oder gar
nicht verschuldeten Steuerpflichtigen unbillig belasten.
Da die Grundlagen für die Gemeindebesteuerung sonach die einzelnen
in der Gemarkung befindlichen Vermögensbestandteile der Steuerpflichtigen,
nämlich die Grundstücke, Gebäude, das gewerbliche und Kapitalvermögen
bilden, so konnten auch die bisher maßgebend gewesenen Grundsätze beibehalten
werden, den Beitragsmaßstab für die einzelnen Vermögensarten je nach
Bedürfnis verschieden zu bestimmen. Es werden also auch künftig
das liegenschaftliche und gewerbliche Vermögen grundsätzlich
im vollen, für die Staatssteuer eingeschätzten Betrag und mit dem
gleichen Umlagefuß zur Gemeindesteuer herangezogen, während das bewegliche
Kapital nur mit einem Bruchteil gemeindesteuerpflichtig ist.
Da sich nun infolge der in den letzten Jahren vorgenommenen Neueinschätzung
eine allgemeine Zunahme der Grundstücks= und Gebäudewerte
und erheblich höhere Steuerkapitalien ergeben haben, so konnte der Umlagefuß
nach dem Inkrafttreten des Vermögenssteuergesetzes in allen größeren
Städten wesentlich herabgesetzt werden, wie auch der staatliche Steuerfuß
von 15 auf 11 Pf. pro 100 Mk. Steuerkapital ermäßigt wurde. Durch
diese Herabsetzung des Umlagefußes wurde das gewerbliche Vermögen
entlastet, während das Liegenschaftsvermögen in den Städten eine stärkere
Belastung erfuhr, und zwar mußte die höhere Einschätzung der Liegenschaften
umso entschiedener für eine wesentliche Ermäßigung des Umlagefußes in
Betracht kommen, als ein Schuldenabzug nicht stattfindet. Die Ermäßigung
des Umlagefußes ist wohl den kleineren und mittleren Gewerbebetrieben
zu gönnen; nicht gerechtfertigt aber wäre es, diese Erleichterung
auch den leistungsfähigeren Großbetrieben zukommen zu lassen; es werden
deshalb zum Ausgleich mit der sonst eintretenden Umlageverminderung
die gewerblichen Kapitalien mit der für die Staatssteuer vorgesehenen Progression
(bei 50 000 Mk. mit 10% und bei 400 000 Mk. mit 65 %)
auch zur Gemeindebesteuerung herangezogen.
Nach den bisherigen Bestimmungen der Städte= und Gemeindeordnung
wurde die Umlage, wie oben bereits erwähnt wurde, in der
Weise auf die einzelnen Ertragsobjekte verteilt, daß die Grundstücke,
Gebäude und gewerblichen Betriebskapitalien im vollen Betrage, die
Kapitalrentensteuerkapitalien mit drei Zehnteln und die Einkommensteueranschläge
im dreifachen Betrage zur Gemeindebesteuerung herangezogen