III. Die Stadt Fleusburg. 241
daß er einen niederdeutsch schreibenden Rat und eine des Niederdeutschen
völlig kundige Kanzlei und Bürgerschaft voraussetzt und auf eine neben
der Amtssprache bestehende Volksmundart wenig Rücksicht nimmt
Dieselbe Erscheinung tritt uns auch in den übrigen städtischen Urkunden
entgegen. Wer wird sich nicht wundern, in dem ältesten niederdeutschen
Stadtbuch v. J. 1436 Ausdrücke wie batstoue, dwerhus, druppenval,
scipbrugge, br der Lucht, bodeleye, orthus, holeweg, tegelhof,
molenstrom u. a. zu finden? Nur wenige Ausdrücke wie akewegh
neben varwegh, dregherlaghe (dregher, niederd. Drechsler), quxst
(Uberbau eines Hauses) erinnern an ein fremdes, nicht niederdeutsches
Volkstum. Bezeichnend sind auch die mittelalterlichen Namen der
Tore und Straßen. Da gibt es ein Vresendor, ein Norderdor (14306),
eine nige porte, eine sunte Johannes port, ein rude doer, das, nach
der städtischen Rudehölzung benannt, schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts
in rode porte verdreht ward, aber doch noch 1541 in
rudestrat und in der Polizeiordnung von 1600 in rudepforte seinen
richtigen Namen bewahrt; ferner eine Angelboporte oder Angelburporte
(1436), eine Angelbostrat (1494) und Angelburstrat (1450,
1490), deren bereits 1546 auftretende Verdrehung Angelborch- der
jetzigen Benennung Angelburgerstraße zugrunde liegt. Nimmt man
hierzu Ausdrücke wie by der westermolen, by dem borchwege (1430),
by dem holenwege (1490), haleweg in Ramsherde (1517), Knakenhauwerganck,
Nordermarkede, des heiligen geist gankporthe, fuule
strat, vlacktorn (1438), van dem vlacken torne (1558), so glaubt
man, sich in einer rein niederdeutschen Stadt zu befinden. Neben
den Gangpsorten und Hohlwegen, die für Flensburg bezeichnend sind,
gab es nur wenige bebaute Seitenstraßen, von denen die Vischer
strate (1438) seit alters auch nur einen niederdeutschen Namen trägt.
Es ist im Gegensatz zu der Stadt Schleswig eine ganz merkwürdige
Tatsache, daß in Flensburg urkundlich keine einzige Benennung auf
ro, -tork, gatae bezeugt wird. Sehr zweifelhaft ist daher auch,
ob die heutige „Lilien“ straße aus lille strato verdreht ist. Etwas
mehr hat sich die ältere Überlieferung in Benennungen erhalten, die
sich auf das Stadtseld (1558) beziehen. Abgesehen von dem schon
oben berührten Flenstoft wiederholen sich stets die gewöhnlichen jütischen
Ausdrücke toft, lucke, mase (Moor) und made wie Oggesmasc,
Sach, Das Herzogtum Schlezwig. III. 16