60. Jahrgang
Ar. 87
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RKosenheimer Anzeiger
Samstag, 14. Februar 1914
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Rosenheimer Tagblakt
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Die F Frurisge Kummer umfaßt 6 Seiten.
Neues vom Tage.
13. Februar.
Ueber die Sonntagsruhe gab es am Freitag
im Landtag eine längere Debatte, die auch
heute noch ihre Fortsetzung finden wird. AnhHäge
des Zentrums und der Sozialdemolratie
liegen dazu vor.
Die Zentrumefraltion des Landtages hat an
Stelle des aus dem parlamentarischen Leben
ausgeschiedenen bisherigen Abg. Lerno, der
bekanmlich Generalstaatsanwalt wurde, den
Abg. Held-Regensburg zum Vorsitzenden gewählt.
Jur die heutige Sigung des Finanzausschusses
der Kammer der Abgeordneten erwartete man
vom Finanzminister zur Begründung der
neuen Steuervorlagen ein ausführliches Ex—
poic über die Finanzlage des Staates und
die Aufbringung der Mitte
Der Stadtrat von Frankenthal hat einstimmig
bie Einführung der Arbeitslosenversicherung
leschlossen.
Sicherheil im Bergbau und
Sonntagsruhe.
(Kammer der Abgeordneten.)
g
München, 12. Febr.
In der fortgesetzten Beratung des Antrages
der Abg. Auer (Soz.) betreffend die Sicherheit
im Verhbau wünschten die Angg Bühle Btau (lib.)
und Gebhart (B. d. Landw.), daß die Freiheit
der Arbeiterausschüsse in keiner Weise beschränkt
werden dürfe und die Unfallverhütungsvorschriflen
im Vergbau jederzeit Beachtung finden.
Abg. Dr. Günther (lib.) regte on, in allen Giuben
Erdbebenapparate aufzustelken.
Seilens des Abg. Slteets (Zir) wurde ein
von ihm gestern eingebrachter Antrag befürwortet.
der dem Art. 99 des Berggesetzes inen
Absatz 11 hinzmfügen will, wonuch der Verlrauenomann
der Bergarbeiter nur aus der
Mitte der von den Arbeitern selbst gewahlten
Vertreter gewählt werden soll. Abg. Göring
1 Ztr.) erklärte sich für diesen Antrag. Ministertalrat
Dr. Rohmer gab namens der Regierung
die Erklärung ab, daß sie bereit sei, in eine
Prüfung der Angelegenheit einzutreten.
Schließlich wurde der Antrag der S9zial.
demokraten in solgender Faisung angenommen:
Die Regierung sei zu ersuchen, umgehend Maßnahmen
zu treffen, wodurch der Gesährdung der
Sicherheit im bayerischen Bergbau, verursacht
durch das Vorgehen der Werlsverwallungen,
entgegengewirlt w#ird. Ganz besonders vordringlich
sei, vorzubengen, daß entgegen den
berggesetlichen Bestimmungen die Vertrauensmänner
(Grubenfahrer) von den Verwaltungen
bestimmt werden.“ Auch der Antrag Stects
fand Annahme.
Dann machte sich das Haus noch an die Betatung
der Anträge Timm (Soz.) und Schefbeck
(Ztr.) belr. die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe.
Der Ausschuß schlägt vor, den
Antrag in solgender Fassung anzunehmen: „Die
Regierung sei zu ersuchen, im Bundeerat dahin
zu wirlen, daß bei der bevorstehenden reichsgesetzlichen
Neuregelung der Sonntagsruhe im
Handelsgemerbe den Bundesregierungen möglichst
weitgehende Besugnisse zur Berücksichtigung
der örtlichen Verhältnisse eingeräumt werden.“
Von der sozialdemokratischen Fraklion war ein
Antrag gesiellt worden, der vor allem eine
gleichmäßige Durchführung der Sonntagoru#:
in allen Orten verlangt und die Verkaufsit
an Sonntagen zum mindesien bis um 12 un
beschränkt haben will.
In der Debatte darüber vertrat Abg. Säckler
(S.) die Forderungen im Antrag seiner Partei.
Das Publikum, auch das ländliche, müsse so
erzogen werden, daß es seine Einkäufe an den
Wochentagen betätigt. In ganz Oeskterreich sei
an den Sonntagen Ladonschlu# um 11 Uhr
und doch sei Oesterreich noch nicht luput gegangen.
Die Annahme, daß der Hausierhandel
zunehmen werde, wenn die allgemeine Sonntagesruhe
durchgeführt werde, sei falsch.
Abg. Schefbeck (Zir.) wies darauf hin, daß
dem Krichetag zahlreiche Petitionen voriiegen,
die wünschen, daß es bezüglich der Sonnlagsruhe
bei dem jetzigen Modus bleibt. Eine völlige
Sonntagsruhe im Handelegewerbe durchzuführen,
sei zurzeit nicht moglich. Besondere
Rücksicht inũsse genommen werden auf die Verhältnisse
bei den ofsenen Verkaufsstellen und
darauf, daß die Bevöllerung aus dem Lande
den Sonntag zum Einkaufen ihrer Bedürfnisse
braucht. Das Sonntagsgeschäft bilde zür diese
Gemwerbetreibenden oft den Hauptteil ihrer Einnahmen.
Wollte man die völlige Sonatagsruhe
einführen, so würde man den Hausierern
Tür und Tor offnen.
Abg. Höberlein (lib.) erllärt, bedauerlich sei,
dah aus der Hallung des Zentrum: zu schlieien
sei, daß es sich auch im Reichs iage gegen
den Geiehgentwmurf betr. Erweiterung der Sonnlageruhe
erklären wolle. Er selbit sei ein überzeugter
Anhanger der Sonntageralle. Er hanole
sich bei der Bevöllerung um eine alte liebgew #r#
dene Gemwohnheit, ihren Bedarf an den Sonntagen
decken zu können; damit müsse man rechnen
und man dürse darüber nicht einfach zur
Tagesordnung übergehen. Pflicht der Gesetzgebung
sei es, hier einen Weg der Vermütlung
zu suchen, auf dem man den Wünschen der Arbeitgeber
und Arbeitnehmer entaegenkommt.
Deshalb sei auch das Gesetz der Reichsregierung
zu begrüßen, das einen soschen Mitte.weg
bilde. Richtig sei, daß bei Einführung der
aligemeinen Sonntageruhe der Hausierhandel
uppig ins Kraut schieße. Der Gesegentwurf,
wie ihn die Reichsregierung vorgelegt habe,
bedeute einen Fortschritt und das fsollten auch
die Handlungsgehilfen bedenken, wenn der Entmurf
auch nicht ein völliges Jdeal für sie bilde.
Redner erklärte schließlich, daß seine Partei
gegen den Antrag Schefbeck stimme, weil er
eine Durchlöcherung der reichsgesetzlichen Regelung
der Sonntagsruhe wolle, dagegen werde
er mit einigen seiner volitischen Freunde für
den Antrag der Sozialdemokraten stimmen.
Abg. Pflaumer (lons.) ist der Ansicht, daß
die Vertreter der ländlichen Wahllkreiie cͤle Ur
sache haben, auf die Staatsregierung einzuwirken,
daß keine weitere Einschrönkung der Verkaufszeit
für die kleinen und mittleren Geschäftsinhaber
auf dem Lande an den Sonntagen erfolge,
denn damit würden jetzt diese Geschäftstreise
nur geschädigt. Durch die Anträge der
Sozialdemolraten werde erncut die Mittelstanosfeindlichieit
der Linken bewiesen. die nur oanach
trachte, den Mittelstand zu ruinieren.
Abg. Schrepfer (lib.) erllört, duch er lei ein
Anhänger der Sonntagsruhe, aber es sei nicht
zu verkennen, daß in Deutschland die Verhältnisse
anders seien als 3. B. in England. Man
müsse den Bedürfnissen des Kleinhandels und
des Kleingewerbes Rechnung tragen und oiesen
Bedürfnissen komme der Peicketzen:z#ur sehr
weit entgegen. Es sei zu wünschen, daß der
Entwurf der Neichsregierung. wie er dem
Neichstage vorliege, alls eitige Zustimmung finde.
Abg. Puffer (m.) in der Ansicht, oaß die
röllige Durchführung der Sonntagsruhe auf
dem Lande die Vernichtung der kleinen Handelo-
und Gewerbetreibenden bedeuten würde.
Daraus wurde die Weiterberatung auf Freitag
vertagt.
Aus dem Landwirtschaftselak.
(Finanzausschuß.)
münchen,. 12. Febr.
Bei der Beratung des Postulats für land
wiirtschaftliche Zwecke überhaupt wird die Tätigkeit
der Ackerbauvereine ungeteilt anerkannt.
Ein Antrag des Zentrumsabgeordneten Bauernseind,
die vorgesehene Bauschsumme um
25 000 Mk., sohin ausf 326 000 Mk. zu erhöhen.
fand einstimmige Annahme. Die Summe vor
25 000 Ml. sei insbesonders den Ackerbauver.
einen zuzuweisen. Erhöhte Aufmerksamkenz soll
der Belampfung der Hederichplage und der
Förderung des Vogelschutzes Hewidmet werden.
Bei dem Postulat für den Eandwirtichafterat
erregie die Milteilung, daß dieser an der Nürnberger
Viehverkaufsgeschäftssielle eine Einbuße
von 146 000 Mk. erlitten habe, allgemeines Befremden.
Landwirtschaftsrat und Geschäftsführer
haben nach den Aufklärungen des Staatsministers
gegenseitig Klage gestellt. Anwesende
Mitglieder des Landwirtschaftsrates verwahrten
sich gegen den Vorwurf der Vertuschung
in dieser merkwürdigen Sache. Der langjährige
Zuschuß von 200 000 Mk. an die Landes
Hagelversicherungsanstalt ist für das Rechnungsjahr
1914 15 nicht mehr eingestellt worden.
Abg. GFrhr. von Frenberg befürwortete ein
Staatsmonopol fur diese Art der Versicherung,
rerschiedene andere Redner eine Herabsetzung
der Prämien. Die Posiulate für Pferdeversicherung
und Pirdezucht wurden genehmigt,
womit der Etat für die Landwirtschaft erledigt
ist.
Wilde Jagd.
260 Noman von Alfred Wilson- Barrekt.
„Wir müssen hier weitergehen,“ flüsterte
Turand. „Aber solgen Sic mir nur re#itzt behutsam,
denn das Ujer ist hier sehr sieil. Eine Slrecke
weiter wird es slacher, und wir können dort! zum
Berfpiege. binuntersteigen und das Voot
erreichen
huf- Durands Geheiß erfaßte Charters den
Schooß seines Rockes und Anson solgle Charters
im der gleichen Weise nach Art der Indianer.
% Sicherheit der drei hing nun ganz von
Uurand ab, dessen Sinne aber so sein und scharf
warcn, daß ein Unsall schwerlich zu befürchten war.
à Bald zeigte der Boden cin merlliches Gesälle,
as bald so alschüssig wurde, daß sie ihren Weg
nur mit seinvärts gerichteten Schrikten verfolgen
lonnien, um so ihren Füßen beim Austreten sichere
Eluhpunlie zu verschafsen. Endlich erreichten sie
eine lleine Gro“ tie, die in das tiefgelegene Ufer
hineingegraben war, und aus der Turand einen
slachen Kahn hervocholie, in den einzusteigen er
seinen Gejährten befahl, nachdem er selbst den
Anfang hemacht hatte
e Stromung war sehr reißend aand es
ersorderte keine geringe Anstrengung. den Kahn
wider den Strom vorwärts zu bringen. nrn sie
die Unmisse des äußeren Flügels des düsteren
Vestert passiert hatten, mußte Durand die Lage
er 1 urmes, der die Opale beherbergte, abschähen.
Lue Sielic wo ein vorspringender Felsen die
Stromung in der Mitte des Flusses teilte, war
von Durand anserwötlt worden unp in dem
winzigen —
wurde, machte er das Voot se
zälter wie sollen wir urũd?- flüsterte
Charse
4 gibt nur einen Weg.“ war Durands
ebenso leite Autwort. .„Wir mussen waten.
leifer Seile i#l der Zluß nicht lief.“
Seinen Werlen solgle auch teich die Tat, er
sprang uber die Seile des Booter u: Pn schweigsam
ahmten die anderen sein Beispiel na
Als sie wieder ans Uljer gelleuern waren,
blieben sie eine Weile stehen, um das Wasser von
den Kleidern trorsen zu lassen.
Nu.“ flusterte Turand, „folgen Sie mir.
aber treten Sie nicht ein, bevor ich das Signal
daßu gegeben habe. Es wird ein sehr leiser W
sein. Vielleicht lomme ich gleich wieder zurück.=Dar
Tor, auf das er iuschrilt, lag hart am
Rande des Ulers und glücklicherweise in jenem
Teile des Gebäudes, das den Schauplatz der zu
erwartenden Ereiguisse bilden sollte
los lrochen die dreie längs der düsteren
Steinmaner hin eind als sie schließlich das Tor
erreicht hallen blieb Durand nur einen Augenblick
siehen, um zu lauschen, daun steckte er den
Schlüssel in das Schloß
Die Tür ging ahte Geräusch auf und er
trat ein.
Im nächsten Augenblick hörten die beiden
einen gurgelnden Laut, em ein dumpser Schall
folgte, so wie wenn cin menschlicher Korper auf
den Voden siele, dann erlönte ein leises Pseisen.
Dur hatte das Signal gegeben und
Charters und Anson traten ein.
26. Kapitel.
Drinnen herrschte pechschwarze Finsternis, aber
wenige Schritge von der Tür stieß Ansou auf
Auf
VBurm * HWese egedibeet ·
—..
e#k- Korper, dde in enger Umschungung 1 E
Jußboden lag
„Sind Li s, Turand?“
Ja, erwiderte dieser imB it unterdrückter
Stimme. „Sie müssen diesen Burschen da binden
und kuebeln. Er hat mir den Aimn M ganz
durchschnitten. Nasck, oder ich erwurne noch.
Ich darf ihn ulcht schreien la'sen. *s
machen Sie das Tor zu, aber verschließen Sie
es nicht.“
Anson ging mit den Stricken,
Fesseln und
mit denen Durand zur (Punge verseben war,
sehr ungeschickt um. Seine Methode war jedoch
wulsam, und bald war der ungluckliche Monch
ebenso hilflos wie seine Kameraden, die draußen
auf den Rücken gelegt worden waren, um sich
die Beine auszuruhen. Dieser Fall war aber
elwas bedenklicher gewesen, da Durand, zwar
halblahm, ihn sast erdrosselt hatte, um zu verhindern,
daß sein Schreien das Kloster alarmiere.
Nachdem Anson seine Aufgabe beendet hatte,
fragte er Durand nach der Schwere seiner Verwundung.
Turand erwiderte, daß es ihm gelungen
sei, die Vlulung bie zu einem gewissen
Grade zu unterdrücken, und das er es j
halten würde —eine Antwort, die Auo zu der
n nahme führte, daß Durand's Wunde sehr
iust sei. In der Dunkelheit konnte jedoch nichts
kternsnnn werden, um ihre Lage iu verbessern,
und man mußte alle Zuversicht darauf setzen, daß
Durand's ktcgahmbeeer Mut ihm auch dicemal
helien wür
Nech einmal nahmen sie zu dem indianischen
Gänsemarsche ihre Zuflucht, und wieder führte
Durand den kleinen Zug an. In solcher Weise
versolgten sic einen langen, mit Steinen gebflasterten
Gong, der in tiefste Dunlelheit getaucht
war. Tieser führte sie in einen achteckigen Hos.
ein Lach hane. Cr war von ceiner Rampße
2 und u rechter Hand bemerkten sic eine
zurerpr. die in das Innere des Gebäudes
juhrte.
„Tiese Stitien,“ slitflerte Charters, „führen
in das 5 ꝛer.“
1½%
und n n leunte
lnung lerausehoren.
Revolrer verlassen?"=„Ich
habe keinen.“ sagte Charters.
DTa, nehmen Sie diesen,, und Durand
drühte ihm einen Goltrevolver in die Hand.
„Ich habe noch zwei. und denlen Sie daran, daß
wir. wenn es notwendig wird, ausgiebigen Ge-Vrauch
davon machen müssen. Kein einziger
Sqhuer . darf #iwecklos verpuift werden."“
lach diesem Gespräch schlichen sie sich rund
um den JNiaum hiner der Rampe herum. Sie
waren nur mehr wenige Schritie von der breiten
Treppe en:fernt, als unvermutet der Klang einer
leilen und lauten Glocke durch die Stille der
Nachi tonte. Beinahe augenblicklich stimmten an
verichiedenen Orten andere Glocken in das
laute ein.
Das st Durand.
„Verwärtsl=Ohne
weiter noch aon Vorsicht zu denken.
stürzien die drei auf die Treppe los. Hnewschr.
lamen aus verschiedenen Korridoren ctwa ein
halbes Dupyend Mouche mit flammenden Fackeln
in den Hof gerannt. Einer von ihnen erblickte
die Eindringlinge, eben als sic die Treppe er
rcichten, und mit haßerfülltem, gellendem Geschrei
stürmte er auf sie los.
es mir, entgegnete Durand,
aus seiner Slimme die Genug.
„Konnen Sie sich auf Ihre
der Alarm! sagte
(Fortsetzung folgt.)