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Privatsammler grasen das Land ab und zahlen Liebhaberpreise
für die gewünschien Gegenstände; Personen, die von den Dörfern
in die großen deutschen Städte oder ins Ausland abgewandert sind,
haben ihre Familien-, Erb- und Erinnerungsstücke mitgenommen,
kommen später besuchsweise in die alte Heimat und entwenden bei
solchen Gelegenheiten dem Lande nicht selten noch mehr dieser
Wertstücke; großstädtische Sommerfrischler, die eine Zeitlang in
die Stille des Landlebens sich zurückgezogen haben, sind oft nicht
weniger darauf bedacht, Altertümer und sonstige charakteristische
Gegenstände des Dorflebens als Andenken und Erinnerungsstücke
in ihren Besitz zu bringen. Mit der Entvölkerung des platten
Landes hält die Verödung und Verarmung der Dörfer in Sachen
alter Wertstücke nicht nur gleichen Schritt, sondern übertrisfft sie
sogar noch. Einesteils versuchen die Städte alles an sich zu ziehen,
was auf diesem Gebiete dem Lande naturgemäß verbleiben sollte,
andernteils wissen auch die Bewohner der Dörser ihren Besitz an
Altertumswerten nicht zu würdigen. Es ist leider Tatsache, daß
die Mehrzahl der Landleute kulturhistorisch oder künstlerisch wert.
volle Gegenstände, Geräte, Dokumente und dergleichen beim ersten
besten Angebot auf Nimmerwiedersehen an Händler veräußern.
Gegenstände, die für geschäftskundige Altertumshändler keinen
Seltenheitswert haben, wohl aber für die Heimatkunde und
Heimatpflege in unserm Sinne sehr wichtig sind, läßt man in den
Winkeln und Rumpelkammern der Bauernhäuser unter Staub und
Schmutz verkommen, man sucht sie nur hervor, um sie zu vernichten,
zu verbrennen oder um seinen Spott damit zu treiben.
Die Ueberbleibsel alter Tracht werden z. B. gewöhnlich zur Kirchweih
oder zur Faschingszeit hervorgeholt, um den Ulk darein zu
kleiden. So geht ein Stück nach dem andern für die Heimatpflege
und Volkskunde verloren. In Anbetracht dieser beklagenswerten
Erscheinungen ist die Forderung, Dorssammlungen zu begründen,
wohl berechtigt. Die Dorfmuseen wollen die Landleute
durchaus nicht ihrer Erinnerungsstücke, Geräte und sonstiger
Gegenstände, wenn sie ihnen selbst wert und teuer sind, berauben:
sie wollen diese vielmehr mit aller Sorgfalt dem Orte erhalten,
wollen die Dorsbewohner auf die Bedeutung der Stücke aufmerksam
machen, wollen verhindern, daß sie verkommen, vernichtet
werden, verloren gehen, an Händler verkauft und in fremde
Gegenden verschleppt werden. Nicht nur die Sammelwut vieler
Städter und die Unkenntnis und Gleichgiltigkeit der meisten Landbewohner
mahnt dringend zur Errichtung von Dorfsammlungen,
sondern auch das rasche Vorwärtsschreiten der kulturellen und
wirtschasftlichen Entwicklung unseres Volkes. Die Fabriken verdrängen
die Handarbeit, die Eisenwerkzeuge die hölzernen und
steinernen Geräte. Auf allen Gebieten sehen wir eine Umgestal.
tung des Wirtschaftslebens, überall macht sich diese m
geltend, auch in dem kleinsten Dörschen. So verschwinden z. B.
das Hirten und Schäferleben, Flachsbau und Flachsverarbeitung
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