Full text : Wegweiser für Ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege.

—  1433  —

Hauptlehrern  auf  dem  Lande  besondere  Schulchroniken  eingehän.
digt,  die  mit  Amweisungen  über  die  Führung  dieser  Lokalgeschichts-5
  versehen  waren,  nach  denen  folgendes  zu  berücksichtigen  ist:

Abfluß  der  Niederschläge,  Ufer-  und  Kanalbauten,  Bach-  und
Flußräumungen.  Schiffsverkehr,  Entsumpfungen,  Drainagen,
Brunnen,  Wasserleitungen,  eigentümliche  Witterungsverhältnisse,
herrschende  Winde,  im  Volke  geltende  Wetterregeln,  Acker-,
Garten-,  Wiesenbau,  Weiden,  Unland,  Fruchtarten,  Weinberge
und  Obstanlagen,  Baumschulen,  Forsten  und  Holzungen,  Flächeninhalt

  des  Gemeindebannes  in  Hektar,  Einteilung  und  Besitzvevteilung
  der  Feldflur,  Kauf=  und  Pachtpreis  des  Ackerlandes,
Fruchtfolge,  Bestellungsweise.  Flurarten,  Viehstand,  Viehzucht,
Zahl  der  Rinder  und  Pferde  nach  der  letzten  Zählung,  Verwertung
  und  Preise  der  landwirtschaftlichen  Erzeugnisse,  Ergebnisse
der  Volkszählung,  Kirchen,  Altar,  Baustil,  Bauart  der  Wohn.
häuser,  Raumverteilung,  Burgen,  häusliche  Gewerbebetriebe,
größere  Gewerbebetriebe,  Löhne,  Preise  von  Lebensmitteln,
Handel,  Güteraustausch,  Verkauf  der  Bodenerzeugnisse,  Sparund
  Darlehnskassen,  Geschichte  und  jetzige  Einrichtung  der  Schul.,
Kranken=  und  Armenpflege,  Seuchen,  die  noch  in  der  Erinnerung
leben,  verbreitete  Zeitschriften,  Sprachliches  und  Mundartliches,
Sammlung  von  Erzählungen,  Schwänke,  Rätsel,  Kinderreime,
Sprüchwörter,  Wechselreden,  Flurnamen,  Vornamen  der  Personen.
Volkslieder,  Sagen,  Märchen  usw.,  geschichtliche  Erinnerungen,
Urkunden  im  Gemeindearchiv,  Volksgebräuche,  Trachten,  Volksseste,
  Kinderspiele,  Vorkommnisse  im  Schulleben.  (Einen  treff.
lichen  Aussatz  über  Einrichtung  und  Führung  von  Schul-  und
Gemeindechroniken  durch  die  Lehrer  veröffentlichte  Seminarlehrer

.  Pfeifer  in  Kehrs  „Pädagogischen  Blättern“  1886  Nr.  4.)

Die  Führung  von  Familienchroniken  in  bäuerlichen  Kreisen
ist  mehrfach  im  „Land“  empfohlen.  Die  wichtigsten  Notizen  sind
den  Kirchenbüchern  zu  entnehmen.

Pfarrer  Oberländer  in  Lindenau  bei  Friedrichshall  teilt  im
Land  mit:  „Um  Liebe  zur“  engeren  Heimat  und  mittelbar  dadurch  die
zum  weiteren  Vaterland  n  und  zu  stärken,  halte  ich  in  jedem
Winter  an  einigen  t“  in  SBs  Sihunfen  des  Kriegervereins

eit  scheuen  7  —  Vorträuae
  über  die  Geschichte  des  Ortes,  des  Bezirkes  usw.  Diese
Vorträge  haben,  wie  es  scheint,  großen  Anklang  gefunden,  und  ich  möckte
allen  Amtsbrüdern  dringend  empfehlen,  es  auch  damit  zu  versuchen  in
öffentlichen  Sitzungen  eines  Vereins  oder  an  Familie  nabenden,  wo  solche
sich  cinrichten  lassen.  Unser  Volk  hat  lebfestes  Interesse.  bfür  die  Geschichte
  der  Heimat,  mehr  als  ich  erwartet  hätte,  und  e  durch  solche
Vorträge,  bosfe  ich.  in  der  Anhänglichkeit  an  den  Gru  und  Boden,  auf
dem  schon  die  Votfahren  gesessen  haben,  wesentlich  W  Ich  habe
andrerseits  den  Gewinn  davon,  daß  ich  Land  und  Leute  genau  kennen
lerne,  Erklärung  finde  für  manche  Eigentüml  ichkeiten  und  in  meinen
Vorarbeiten  fürs  eine  olkschron,  die  ich  zu  schreiben  und  unter  Umtänden
  im  Drucke  erscheinen  zu  lassen  vorhabe,  gefördert  werde.  Gegen-7
  des  einen  der  bis  jetzt  gehaltenen  Vorträge  ist  die  Familien-Sohnrey.

  Behweiker.  2