Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1914. (41)

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urkunde  vorzulegen.  Die  schriftliche  Erteilung  von
Gnaden  seitens  der  Kurialbehörden  erfolgt  entweder
unmittelbar  oder  nur  mittelbar,  indem  der  betr.  Bischof
  oder  ein  anderer  kirchlicher  Würdenträger  ermächtigt
  wird,  den  Tatbestand  zu  prüfen  und  dann
nach  freiem  Ermessen  im  Namen  der  betr.  Behörde
  die  erbetene  Gnade  ganz  oder  teilweise  zu
verleihen.  In  der  Regel  ergehen  jedoch  die  Gnaden
  unmittelbar  (interposito  nemine)  und  werden
  dann  die  betr.  Reskripte  entweder  in  forma
gratiosa  oder  in  forma  commissoria  ausgestellt.
  Die  Reskripte  in  forma  gratiosa  bedürfen
  keiner  Exekution.  Eine  Anerkennung  (recognitio)
  seitens  des  Ordinarius  ist  erforderlich,
wenn  es  sich  um  gratiae  publicae,  wie  allgemeine
  Ablässe,  öffentliche  Verehrung  von  Reliquien,
  handelt  oder  wenn  bei  privaten  Privilegien
  gewisse  Voraussetzungen  erfüllt  sein  müssen,
wie  z.  B.  die  Ehrbarkeit  der  Umgebung  eines
Privatoratoriums.  Die  Restkripte  in  forma  commissoria
  fordern  dagegen  den  Vollzug  seitens
des  Bischofs.  Dieser  darf  aber  die  Exekution  nur
dann  verweigern,  wenn  das  Gnadengesuch  durch
obreptitio  (Angabe  falscher  Tatsachen)  oder  subreptitio
  (Unterdrückung  wesentlicher,  wahrer  Tatsachen)
  fehlerhaft  ist,  oder  wenn  der  Bittsteller  in
dem  Maße  unwürdig  erscheint,  daß  seine  Auszeichnung
  bei  andern  Anstoß  erregen  würde.  In
diesen  Fällen  muß  der  Bischof  sofort  nach  Rom
Bericht  erstatten.  Im  übrigen  ist  an  sich  jeder
Gläubige  zum  Empfang  von  Gnaden  sechtlich
qualifiziert.  Selbst  die  Exkommunizierten  sind
jetzt  im  allgemeinen  nicht  mehr  davon  ausgenommen.
  Nur  die  vom  Heiligen  Stuhle  namentlich
Exkommunizierten  oder  namentlich  a  divinis
Suspendierten  sind  unfähig,  ein  Gnadenreskript
zu  empfangen.  Unberührt  bleibt  naturgemäß  die
Erfüllung  der  notwendigen  Bedingungen  zur  Gewinnung
  von  Ablässen  (Norm.  pec.  c.  III,  art.  1).

Literatur.  1.  Imallgemeinen  u.zur  Geschichte
  der  Kurialbehörden  überhaupt:
Mesjer,  Die  heutige  röm.  K.,  ihre  Behörden  u.  ihr
Geschäftsgang,  in  Zeitschrift  für  Recht  u.  Politik
der  Kirche  1  (1847)  54  f;  Bangen,  Die  röm.  K.
(1854);  Des  Congrégations  romaines  et  de  leur
pratique,  in  Anal.  iur.  pontif.  II  (1857)  2230  ff;
Bouix,  Tractatus  de  Curia  Romana  (Par.  1859);
Grimaldi,  Les  Congrégations  romaines  (Siena
1890;  auf  dem  Index);  Lega,  De  origine  et  natura
sacr.  Rom.  Congreg.,  in  Analecta  eccles.  IV
(1896)  45  ff;  derf.,  Praelectiones  de  indicis
ecclesiasticis  Tom.  II:  De  ordinatione  Curiae
Romanase  (Rom  1898);  Russo,  La  Curia  Romana
(ebd.  1904);  Hilling,  Die  römische  K.  (1906).  —
Breßlau,  Handbuch  der  Urkundenlehre  1  (1889);
Sägmüller,  Die  Tätigkeit  u.  Stellung  der  Kardinäle
  bis  Papst  Bonifaz  VIII.  (1896);  Grisar,
Gesch.  Roms  u.  der  Päpste  1  (1901);  Keller,  Die
sieben  röm.  Pfalzrichter,  in  Stutz,  Kirchenrechtliche
Abhandlungen  1904,  12.  Hft.  —  Die  kirchenrechtlichen
  Handbücher  von  Phillips  VI  297  ff,  Hinschius
  1  373  ff,  Scherer  1  471  ff.

2.  Für  dieeinzelnen  Behörden  kommen
außer  der  in  den  zitierten  Handbüchern  aufgeführten

Kurie.

 

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älteren  Lit.  in  Betracht:  Parayre,  La  sainte  Congrégation
  du  Concile  (Par.  1897);  Boudinhon  in
Le  Canoniste  contemporain  XXII  (1899)  526  f;
Sägmüller,  Die  Gesch.  der  C.  Conc.  Trid.  vor  dem
Motuproprio  Alias  nos  1564,  im  Archiv  für  kath.
Kirchenrecht  LXXX  (1900)  1ff.  —  Mejer,  Die  Propaganda
  (1852  f);  Baumgarten,  Die  hl.  Kongregation
  zur  Verbreitung  des  Glaubens  u.  ihr  Gebiet,  in
Katholik  1899  1  250  ff;  Pieper,  Gründung  u.  erste
Errichtung  der  Propaganda-Kongregation,  in  Akten
des  5.  internation.  Kongresses  kath.  Gelehrten  zu
München  1900,  319  ff.  —  Reusch,  Der  Index  der
verbotenen  Bücher  (1883  ff);  Hollweck,  Das  kirchl.
Bücherverbot  (21897);  Pennacchi,  In  constitutionem
  apost.  „Officiorum  ac  munerum“  commentatio
  (Rom  1898);  Peries,  L'Index  (1898);  Arndt,
Die  Vorschriften  über  das  Verbot  u.  die  Zensur  der
Bücher  (1900);  Schneider,  Die  neuen  Büchergesetze
(1900);  Boudinhon,  La  nouvelle  lgislation  de
D’Index  (1900);  Hilgenreiner,  Die  kirchliche  Vorzensur
  u.  das  Partikularrecht  (1901);  Gennari,
Della  nuova  disciplina  sulla  proibizione  e  sulla
censura  dei  libri  (1903);  Sleutjes,  De  prohibitione
  et  censura  libr.  juxta  Leonis  XIII  Const.
„Oftüciorum“  (1903);  Hilgers,  Der  Index  der  verbotenen
  Bücher  (1904);  ders.,  Das  Bücherverbot
in  Papstbriefen  (1907);  Vermeersch,  De  prohib.
et  cens.  libr.  (Tournai  11906);  Putnam,  The
Censorship  of  the  Church  of  Rome  (Neuyork  u.
Lond.  1907);  Hurley,  Comment.  on  the  Present  Index
  Legislat.  (Dublin  1908).—  Göller,  Die  päpstl.
Pönitentiarie  von  ihrem  Ursprung  bis.  Pius  V.
(1907ff).  —  Sägmüller,  Die  Entwicklung  der  Rota
bis  zur  Bulle  Johannes'XXII.  „Ratio  juris“  1326,
in  Tüb.  Theol.  Quartalschr.  LXXVII  (1895)  97  ff
Henner,  Zur  Gesch,  der  Rota  Rom.,  im  Archiv  für
kath.  Kirchenrecht  LXXIII  (1895)  177ff;  Tangl,
Eine  Rotaverhandlung  vom  Jahre  1323,  in  Mitteilungen
  des  Instituts  für  österr.  Geschichtsforschung,
  VI.  Erg.-Bd  320  ff;  Hilling,  Die  Errichtung
  des  Notarekollegiums  an  der  römischen  Rota
durch  Sixtus  IV.  im  Jahre  1477  (Festgabe  für
Finke  [1904)  169  ff);  ders.,  Die  röm.  Rota  u.  das
Bistum  Hildesheim  (1908).  —  Erler,  Der  Liber
Cancellariae  Apostolicae  vom  Jahre  1380  (1880);
v.  Ottenthal,  Die  päpstlichen  Kanzleiregeln  von
Johann  XXlII.  bis  Nikolaus  V.  (1888);  Tangl,
Die  päpstlichen  Kanzleiregeln  von  1200  bis  1500
(1894);  ders.,  Das  Taxwesen  der  päpstl.  Kanzlei
vom  13.  bis  zur  Mitte  des  16.  Jahrh.,  in  Mitteilungen
  des  Instituts  für  österr.  Geschichtsforschung
  XIII  (1892)  1  ff;  Kehr,  Scrinium  u.  Palatium.
  Zur  Gesch.  des  päpstlichen  Kanzleiwesens  im
11.  Jahrh.,  ebd.,  VI.  Erg.-Bd  70  ff;  Teige,  Beiträge
  zum  päpstlichen  Kanzleiwesen  des  13.  u.
14.  Jahrh.,  ebd.  XVII  (1896)  408  ff;  Cipola,  La
Cancellaria  e  la  diplomatica  pontificia  da  S.  Siriaco
  a  Celestino  III  (1901);  Schmitz-Kallenberg,
Practica  Cancellariae  Apostolicae  saec.  XV  exeuntis
  (1904);  Hofmann,  Zur  Geschichte  der  päpstlichen
  Kanzlei  vornehmlich  in  der  zweiten  Hälfte  des
15.  Jahrh.  (1904);  Göller,  Zur  Gesch  der  Apostol.
Kanzlei  auf  dem  Konstanzer  Konzil,  in  Röm.
Quartalschrift  XX  (1906)  205  ff;  Baumgarten,  Aus
Kanzlei  u.  Kammer  (1907);  ders.,  Von  der  Apostol.
Kanzlei  (1908).  —  Gottlob,  Aus  der  Camera
Apostolica  des  15.  Jahrh.  (1889);  König,  Die
päpstliche  Kammer  unter  Klemens  V.  u.  Johann
  XXII.  (1894);  Miltenberger,  Versuch  einer