Herr v. Holstein dagegen hatte mittlerweile in seiner fortdauernden
Unruhe und dem Bedürfnis, daß irgend etwas geschehen müßte,
um den Hintermann des Kladderadatsch herauszubekommen, den
Grafen Guido Henckel v. Donnersmark mit der nichtigen Begründung
herausgefordert, daß die Haltung der Berliner Neuesten
Nachrichten die Gründe für die Beteiligung des Grafen Henckel
an den Angriffen vervollständigt hätten. Das Blatt war nämlich
von dem Grafen einmal finanziell gestützt worden und jetzt für
die Erhebung der Anklage gegen den Kladderadatsch eingetreten.
Der Zeuge des Herausgeforderten, Graf Waldersee, teilte dem Zeugen
Holsteins, dem General v. Bissing, dem späteren Generalgouverneur
von Belgien, mit, daß sein Mann entschlossen sei,
sich nicht zu einem Duell herzugeben, zu dem er keinen Grund
geliefert habe.
Trotz der ungeschickten und verfehlten Einschüchterungen und
trotz der willkürlichen Griffe Holsteins ins blinde Ungefähr waren
meine Sympathien auf der Seite der erst fein, dann grob und
plump beschuldigten Personen geblieben. Die Männer des Kladderadatsch
hatten eine Rolle übernommen, die ihnen nicht lag, und
der sie politisch nicht gewachsen waren. Der Schalk, der sich als
Bramarbas entpuppt, wird nicht mehr ernst genommen. Bedenklich
machten mich nur die wiederholten Warnungen Caprivis, mich
tiefer in die ganze Sache einzulassen, als nach meinen dienstlichen
Obliegenheiten unbedingt nötig sei. Die Mission des Generals
v. Spitz an den Verleger war ihm sehr verdrießlich. Am
liebsten hätte er es gesehen, wenn die Angegriffenen einen Antrag
auf Disziplinaruntersuchung gestellt hätten, bei der Polstorff
zum Beweis der von ihm behaupteten gemeinschädlichen Intrigen
geladen werden konnte. ·
Nach dem Duell Kiderlen-Polstorff hörten die Angriffe des
Kladderadatsch auf. Erst nach dem Sturze Caprivis wurden noch
vereinzelte Attacken geritten. Im November 1894 kam auch noch
ein kurzes Nachspiel vor Gericht. Frhr. v. Marschall hatte gegen
die Westdeutsche Allgemeine Zeitung Strafantrag gestellt, weil in
ihr ein ganz Gescheiter auf den Gedanken verfallen war, der
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