Volltext : Kaiser Wilhelm II. Aus meinem Leben 1859-1888.

den  wir  ebenfalls  oft  besuchten,  wußte  viel  aus  der  großen  Zeit  zu
erzählen.  Sowohl  sein  berühmtes  Gemälde  von  der  Proklamation
in  Versailles  wie  die  meisten  anderen  Werke  von  ihm  habe  ich  entstehen
  sehen.  Meine  Eltern  waren  die  besonderen  Gönner  des
Künstlers  und  trugen  viel  dazu  bei,  seine  Anerkennung  durchzusetzen.
Meine  Mutter  war  Patin  zweier  seiner  Kinder  und  hat  sie  selbst
über  die  Taufe  gehalten.  In  meiner  Regierungszeit  hat  Werner  später
noch  die  schönen  Deckengemälde  der  Kuppel  des  Berliner  Doms  gemalt.
  Nicht  weniger  groß  war  meine  Freude,  wenn  es,  was  oft
geschah,  zu  Adolf  v.  Menzels  Atelfker  ging.  In  welchem  Maße  ich
den  großen  Künstler  geschätzt  und  verehrt  habe,  ist  wohl  noch  zu
allgemein  in  Erinnerung,  als  daß  ich  es  hier  besonders  zu  betonen
brauchte.  In  meiner  Jugendzeit  habe  ich  ihm  einmal  mit  meinem
Bruder  Heinrich  für  ein  Bild  der  Potsdamer  Parade  von  1873  anläßlich
  der  Anwesenheit  des  Königs  von  Italien  Modell  stehen
müssen.  Leider  ist  das  Bild  nicht  ausgeführt  worden,  obwohl  mein
Großvater  den  von  Menzel  eingereichten  Entwurf  ausdrücklich  genehmigt
  hat.

Von  Gustav  Richter,  der  viel  im  Hause  meiner  Eltern  verkehrte,
sah  ich,  wie  er  seinen  „Bpramidenbau“  malte.

Auch  den  hochbegabten  Maler  Knille,  bei  dem  meine  Mutter
zestwellig  Malunterricht  nahm,  haben  wir  bei  seinem  Schaffen  bewundert.
  Ich  fand  insbesondere  großes  Gefallen  an  seinem  Tannhäuserbilde
  und  den  aus  Scheffels  „Ekkehard“  entnommenen  Motiven,
auch  eine  Zeichnung  Papst  Gregors  VII.,  die  bei  meiner  Mutter  hing,
habe  ich  sehr  geschätzt.

Mit  besonderer  Vorliebe  ging  ich  stets  zu  August  v.  Heyden,  er
ließ  mich  einen  tiefen  Blick  in  die  deutsche  Sagen=  und  Märchenwelt
  tun,  die  er  in  seinen  Bildern  bevorzugte.  Mir  gefiel  nächst
seinen  Bildern  aus  der  Parzivalsage  vornehmlich  der  Walkürenritt,
den  ich  in  Ausführung  meines  alten  Planes  später  gekauft  habe.

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