Volltext : Unser Kaiser.

Der  Kaiser  in  Jerusalem.  15

die  Kaiserin  im  Vierspänner,  dahinter  ihre  beiden  hell  leuch—
tenden  Standarten,  und  weiterhin  ein  unabsehbares  Gefolge.
Es  war  ein  eigenartiges,  farbenprächtiges  Bild.  Die  weißseidenen
  Staubmäntel,  die  Tropenhelme,  umwunden  mit  den
in  bunten  Farben  schimmernden  seidenen  Keffijen,  gaben  dem
Kaiserzug  ein  farbenfrohes,  echt  morgenländisches  Aussehen.
Dazu  kam  das  tausendfältig  bewegte  Bild  der  Orientalen,
dad  Schmettern  der  türkischen  Fanfaren,  der  laute  Jubel  von
mehreren  tausend  Deutschen,  der  imposante,  fast  düstere
Hintergrund  der  gewaltigen  Herodestürme,  das  Bewußtsein,
hier  auf  weltgeschichtlichem,  durch  eine  dreitausendjährige  Geschichte
  geweihtem  Boden  zu  stehen,  das  alles  vereinigte  sich,
um  uns  allen,  die  wir  jenen  Tag  erlebt  haben,  diesen  Einzug
unvergeßlich  zu  machen.

Schön  war  der  erste  Sonntagmorgen  in  Palästina.  Ihn
hatte  der  Kaiser  dazu  bestimmt,  Bethlehem  zu  besuchen  und
in  der  dortigen  evangelischen  Missionskirche  den  Gottes#dienst
zu  feiern.  Es  war  ein  wundervoller  Morgen,  als  das  Kaiserpaar
  nach  Bethlehem  ritt.  Auf  halbem  Wege  beim  Eliaskloster
  tat  sich  plötzlich  der  Blick  auf  Bethlehem  auf.  Drüben,
jenseits  des  tiefen  Tals,  wie  eine  Krone  auf  den  Bergen,
von  der  Morgensonne  beschienen,  lag  Bethlehem  mit  seinen
weiß  schimmernden  Häusern.  Zur  Linken  war  das  Stadtbild
  begrenzt  durch  die  festungsartigen  Bauten  der  Geburtskirche
  und  ihrer  Klöster,  zur  Rechten  auf  der  Höhe  durch
die  evangelische  Kirche.  Im  fernen  Östen,  jenseits  der  hellfarbigen,
  bergigen  Wüste  Juda  und  jenseits  des  in  der  Tiefe
in  einem  bleinen  Ausschnitt  sichtbaren  Toten  Meeres,  sahen
dunkelblau  die  Moabiterberge  herüber.  Das  ganze  wunder-