Volltext : Das Civil-Medizinal-Wesen im Königreiche Bayern. 2. Band. Die Medizinalpolizei. (2)

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Landgerichten  nicht  gewürdigt  werden,  so  haben  sie  den  Churfürstlichen
  Landescommissär  anzugehen.

8.  3.

Bei  der  gerichtlichen  Wund-  oder  Todtenbeschau  müssen
die  Landgerichtsärzte  nicht  nur  jede  vorfindliche  Merkwürdigkeit
für  sich  selbst  aufzeichnen,  sondern  auch  dem  anwesenden  Gerichte
die  geforderte  Aufklärung  mittheilen.

Von  der  Section  ist  in  keinem  Falle  eine  der  sogenannten
drei  Cavitäten  auszuschließen.

Das  Judicium  Lethalitatis  muß  auf  die  Größe  der
erlittenen  Schädlichkeit  und  auf  die  Natur  der  verletzten  Theile
gegründet  werden.

Die  Unmöglichkeit  der  Heilung  ist  entweder  unbedingt  oder
bedingt.  Das  erste  wird  mit  Lethalitas  absoluta  und  das
zweite  mit  Lethalitas  per  se  ausgedrückt.

Wenn  sich  aber  zu  den  Verletzungen  Umstände  gesellen,
welche  mit  der  erlittenen  Schädlichkeit  und  mit  der  Natur  der
verletzten  Theile  in  keiner  wesentlichen  Verbindung  stehen,  so
müssen  diese  Umstände  von  der  That  sorgfältig  getrennt,  und
ja  nicht  in  Causalverbindung  mit  ihr  gesetzt  werden.  Der  aus
diesen  Umständen  hervorgehende  Erfolg  ist  in  Hinsicht  auf  den
Thäter  immer  zufällig,  und  wird  mit  Lethalitas  per  accidens
ausgedrückt.

Noch  kann  die  That  mit  Umständen  verbunden  sein,  welche
erst  in  dem  Laufe  der  richterlichen  Untersuchung  entdeckt  werden.
Derlei  Umstände  dürfen  nicht  vermuthet  und  noch  vielweniger
auf  derlei  Vermuthungen  ärztliche  Urtheile  gegründet  werden.

Zum  Behufe  in  gerichtlichen  Vorfallenheiten  wird  das
Taschenbuch  von  Roose  empfohlen.

Da  endlich  örtliche  Vortheile  die  Erträgnisse  mehrerer
Physicate  erhöhen,  so  wird  man  diese  immer  mit  jenen  Aerzten
besetzen,  die  sich  hiezu  durch  die  strenge  Befolgung  der  aufhabenden
  Pflichten,  durch  das  Fortschreiten  im  Wisseuschaftlichen,
  und  durch  die  Sittlichkeit  vor  andern  würdig  gemacht
haben  werden.

München,  den  28.  Oktober  1803.

Churfürstliche  Landesdirection  in  Bayern.
Churpf.-Bayerisch.  Reg.-Bl.  v.  J.  1804.  St.  9.  S.  195.