112 Zweiter Zeitraum.
Fortbestehens katholischer Soldatenschulen Bedenken geäußert hatte, erwiderte
er: „Die Religionen müssen alle tolerieret werden, und muß der Fiscal nur
das Auge darauf haben, daß keine der anderen Abbruch thue; denn hier
muß jeder nach seiner Fagon selig werden.“ Die Riesengarde hob Friedrich
auf, verteilte die langen Kerle auf die anderen Regimenter und vermehrte
dafür das Heer bald um 20000 Mann. An der von seinem Vater eingerichteten
Staatsverwaltung änderte er nichts, da er wußte, daß sie auf wohl
überlegten Grundsätzen echter Staatsklugheit beruhte, und wenn er bei seiner
Hofhaltung auch eine größere Pracht entfaltete und die Akademie reichlicher
unterstützte als sein Vater, so war er dennoch sparsam. In den ersten
Jahren seiner Regierung blieb ihm allerdings zu Werken des Friedens wenig
Zeit; denn schon 1740
mußte er das Schwert
ziehen, um die alten
Ansprüche seines Hauses
an Schlesien geltend
zu machen.
Schlesien, ein
fruchtbares Land mit
reichen Mineralschätzen,
wurde im 6. Jahrhundert
ebenfalls von
den Slaven und zwar
von den Polen überschwemmt
und bildete
dann jahrhundertelang
einen Teil des großen
Polenreichs, das von
Herzögen aus dem Hause
des sagenhaften Bauern
Piast beherrscht wurde.
Um die Mitte des 10.
Jahrhunderts wandte
sich das Land dem Christentum
ju und erhielt
in Breslau sein erstes
Bistum. Infolge von
Erbstreitigkeiten löste sich
Das Rathaus in Breslau. 1163 Schlesien unter
einem Zweige der Piasten
von Polen ab. Ihre Herzöge erkannten bald, daß sie nur durch engen Anschluß
an Deutschland ihre Selbständigkeit bewahren und das Wohl ihres Volkes
am besten fördern könnten; deshalb nahmen sie deutsche Fürstentöchter zu Gemahlinnen
und luden deutsche Ritter, Bürger, Bauern und Mönche zur Einwanderung
ein. Diese folgten dem Rufe so zahlreich, daß in einem Jahrhundert in dem
Lande links von der Oder das Slaventum überwunden wurde. Schon im 14. Jahrbundert
war in Schlesien die deutsche Sprache die herrschende. Unter den Mönchen
zeichneten sich wieder die Cistercienser aus, deren erstes und wichtigstes Kloster
Leubus noch heute steht. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts, der Zeit deutscher
Ohnmacht, sträubten sich die polnischen Geistlichen gegen die deutsche Einwanderung,
und die dadurch gehemmte Germanisierung Schlesiens ist noch heute nicht vollendet.
Der Hauptschaden des Landes waren die fortwährenden Länderteilungen und die
daraus entspringenden häufigen Verwandtenkriege; gab es doch zeitweise allein in
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