Full text : Unser Preußen.

16  Erster  Zeitraum.

Da  Sigismund  als  Kaiser  und  als  König  von  Ungarn  sich  um  die  Mark  nicht
mehr  bekümmern  konnte,  versprach  er,  ihr  in  dem  Burggrafen  Friedrich  VI.
aus  dem  Hause  Hohenzollern  einen  tüchtigen  Statthalter  zu  senden.  Freudig
leisteten  die  Abgeordneten  diesem  die  Huldigung  und  kehrten  hoffnungsvoll  in
die  Heimat  zurück.

Die  Stammburg  der  Hohenzollern  liegt  auf  einem  Vorberge  der  Nauhen
Alp  im  Herzen  Schwabens,  nicht  weit  von  dem  Hohenstaufen.  Die  Grafen
von  Zollern  treten  zum  erstenmal  1061  in  der  Geschichte  auf;  in  diesem
Jahrce  fielen  zwei  „de  Zolorin“  in  einer  Schlacht.  Die  Zollern  waren  schon
damals  begütert  und  angesehen;  ihre  Ahnen  waren  die  Burkhartinge,  denen
schon  im  zehnten  Jahrhundert  zwei  Herzöge  von  Schwaben  angehörten.  Gegen
Ende  des  12.  Jahrhunderts  erwarb  Graf  Friedrich  III.  von  Zollern  durch
Vermählung  mit  der  Erbtochter  des  Grafen  Konrad  III.  von  Raabs,  Burggrafen
  von  Nürnberg,  reiche  Besitzungen
  in  Franken,  und  nach  dem
Tode  seines  Schwiegervaters  erhielt
er  1192  vom  Kaiser  auch  die  Würde
eines  Burggrafen  von  Nürnberg.
  Seine  beiden  Söhne  teilten
den  Besitz:  Konrad  erhielt  die  fränkischen
  Besitzungen  nebst  dem  Burggrafenamte,
  Friedrich  die  schwäb(ischen;

  jener  wurde  der  Stammb(boater
  der  preußischen  Könige,  von
ddiesem  stammt  das  hohenzollernsche
si*  Fürstenhaus  ab.  Der  Burggraf  stand
—  J.  .  82  in  seinem  Bezirk  an  Stelle  des
*m  #Hyo.  u#  p2  Kaisers,  verwaltete  dessen  Güter  und
Kurfürst  Friedrich  I.  Einkünfte  und  war  oberster  Kriegsherr
  und  Richter.  Das  keaiserliche
Landgericht,  dem  er  vorsaß,  erstreckte  sich  über  Franken,  Schwaben  und  die
Nheinlande.  Da  mit  der  Stärkung  der  Reichsmacht  auch  das  Burggrafenamt
an  Bedentung  gewann,  so  hielten  es  die  Burggrafen  stets  mit  dem  Kaiser.  Nach
dem  Erlöschen  des  ihnen  befreundeten  hohenstaufischen  Geschlechtes  bewirkte  es
hauptsächlich  Burggraf  Friedrich  III.  von  Nürnberg,  daß  sein  Jugendfreund
Rudolf  von  Habsburg  zum  Könige  gewählt  wurde;  er  trug  auch  des  Reiches-Sturmfahne
  im  Kampfe  gegen  Ottokar  von  Böhmen.  Burggraf  Friedrich  IV.
nahm  in  der  Schlacht  bei  Mühldorf  Friedrich  den  Schönen  gefangen  und
sicherte  dadurch  Ludwig  von  Bayern  die  Krone.  Aber  nicht  nur  ihren  Einfluß
im  Reich,  sondern  auch  ihren  Besitz  —  die  Markgrasschaften  Ansbach  und
Baireuth  —  wußten  die  Burggrafen  durch  Klugheit,  Sparsamkeit  sowie  durch
die  reichen  Einnahmen  aus  ihren  Bergwerken  stetig  zu  mehren,  so  daß  Karl  IV.
sie  1363  in  den  Stand  der  Reichsfürsten  erhob.  Am  Anfang  des  nächsten
Jahrhunderts  erwarben  die  Burggrafen  von  Nürunberg  ein  neues  Besitztum,
in  welchem  der  Hohenzollernaar  sich  zu  ungeahnter  Höhe  emporschwingen
sollte.