254 Zweiter Zeitraum.
Behörde, den „Evangelischen Oberkirchenrat“, und beabsichtigte schon
durch Gewährung einer Synodalordnung eine größere Beteiligung der Laien
am Kirchenwesen. Noch erfolgreicher war das Bestreben, dem kirchlichen Leben
durch die innere Mission aufzuhelfen. Der edle Wichern hatte das Rauhe
Haus bei Hamburg, ein Rettungs= und Brüderhaus, Pastor Fliedner das
Diakonissenhaus zu Kaiserswerth gegründet; beide Anstalten wurden ein Vorbild
für ganz Deutschland. Alle solche Bemühungen, durch werkthätige christliche
Liebe den Glauben des Volkes zu befruchten, fanden bei dem frommen
Königspaar thatkräftige Unterstützung; z als Heimstätte für freiwillige Krankenpflege
errichtete der König in Berlin das Krankenhaus Bethanien. — Im
Verein mit England stiftete er ein evangelisches Bistum in Jerusalem.
Die Aufregungen der unruhigen Jahre 1848—1852 hatten den lebhaften,
aber sehr reizbaren Geist des Königs hart angegriffen; schon seit Jahren
bemerkte man eine Veränderung in seinem Wesen, dann trat die Krankheit,
ein schweres Gehirnleiden, offen zu Tage. Zunächst übernahm 1857 der Prinz
von Preußen die Stellvertretung seines Königlichen Bruders, dann aber,
als sich herausstellte, daß der König von einer unheilbaren Geistesstörung
befallen sei, 1858 die Neg entschaft, also die selbständige Leitung der Staatsgeschäfte.
Erst am 2. Januar 1861 wurde der schwer heimgesuchte König
von seinem mit Ergebung getragenen Leiden, das dic edle Königin auf jede
Weise zu mildern suchte, erlöst. Seine irdischen Überreste wurden in der
Friedenskirche bei Potsdam bestattet, sein Herz aber in einer Metallkapsel zu
den Füßen seiner Eltern beigesetzt. Sein Bruder und Nachfolger König
Wilhelm sagte von dem Entschlafenen: „Niemals hat eines Königs Herz treuer
für seines Volkes Wohl geschlagen. Dem Könige, der so Großes zu begründen
wußte, und dessen unvergeßliches Wort: Ich und mein Haus,
wir wollen dem Herrn dienens, auch Meine Seele erfüllt, gebührt
ein hervorragender Platz in der glorreichen Reihe der Monarchen, welchen
Preußen seine Größe verdankt, welche es zum Träger des deutschen Geistes
machten.“