Full text : Unser Preußen.

1.  Die  Errichtung  des  Deutschen  Reichs  durch  Kaiser  Wilhelm  den  Großen.  267

Ostseehäfen,  und  wir  konnten  nicht  daran  denken,  ihnen  auf  offenem  Meer  entgegenzutreten.
  Doch  bestand  am  17.  März  Kapitän  Jachmann  bei  Jasmund
mit  drei  Schiffen  gegen  sechs  dänische  stundenlang  einen  ehrenvollen  Kampf.
Ebenso  ruhmvoll  focht  am  9.  Mai  der  österreichische  Kapitän  Tegetthof  mit
seinem  Geschwader  und  einigen  preußischen  Schiffen  bei  Helgoland.

Während  des  Krieges  waren  lebhafte  diplomatische  Verhandlungen  gepflogen
  worden,  und  im  Mai  trat  in  London  eine  Konferenz  zur  Schlichtung
der  schleswig-holsteinischen  Frage  zusammen.  Preußen  trat  dort  ganz  entschieden
für  die  dauernde  Befreiung  ein  und  sagte  sich  offen  von  dem  Londoner
Protokoll  los.  Dänemark  trotzte  noch  auf  seine  Seemacht  und  wollte  von
Nachgeben  nichts  wissen;  deshalb  verlief  die  Konferenz  erfolglos,  und  der
Krieg  begann  von  neuem.  Den  Oberbefehl  über  das  verbündete  Heer  führte
jetzt  Prinz  Friedrich  Karl.  Vor  allem  kam  es  darauf  an,  den  Dänen  auf
seinen  Inseln  zu  fassen.  Ein  offener  Angriff  mit  der  Flotte  war  unmöglich;
deshalb  wagten  am  29.  Juni  (ein  Uhr  morgens)  die  Preußen  unter  General
Herwarth  von  Bittenfeld  auf  160  Booten  bei  starkem  Nebel  und  günstigem
Winde  den  Ubergang  nach  Alsen.  Schon  auf  dem  Wasser  werden  sie  beschossen;
die  Preußen  antworten  mit  lautem  Hurra,  über  ihnen  sausen  und  bersten
die  preußischen  und  dänischen  Granaten.  Sobald  die  kühnen  Brandenburger
nur  Grund  fassen  können,  springen  sie  ins  Wasser,  waten  ans  Ufer  und
greifen  die  Dänen  in  ihren  Verschanzungen  an;  die  leeren  Boote  holen  eiligst
Verstärkung,  und  um  neun  Uhr  morgeus  ist  Alsen  in  den  Händen  der  Preußen.
Europa  staunte  über  dieses  Wagestück,  das  deutsche  Volk  jubelte,  die  Dänen
waren  wie  vom  Schrecken  gelähmt:  ihre  Flotte  hatte  ihnen  nichts  genützt.
Bald  nachher  wurde  auch  die  Nordspitze  Jütlands  besetzt,  und  sogar  ein  Teil
der  dänischen  Flotte  fiel  den  Verbündeten  in  die  Hände.  Da  baten  die
Dänen  um  Waffenstillstand,  der  gewährt  wurde.  Im  Frieden  zu  Wien
(30.  Oktober)  trat  dann  Dänemark  Schleswig-Holstein  nebst  Lauenburg
  und  den  dazu  gehörigen  Inseln  an  den  Kaiser  von  Österreich
  und  den  König  von  Preußen  ab,  die  das  Erworbene  zunächst
unter  ihre  gemeinsame  Verwaltung  stellten.  Unter  dem  Jubel  des  Volkes  kehrten
die  siegreichen  Truppen  heim.  König  Wilhelm  hatte  die  Genugthuung,  daß
die  neuen  Heereseinrichtungen  sich  glänzend  bewährt  hatten.  #

3.  Der  deufsche  Rrieg  von  1866.

Jetzt  entstand  die  Frage:  „Wem  soll  Schleswig-Holstein  fortan  gehören?“"
Die  Bewohner  der  beiden  Herzogtümer  wünschten,  unter  dem  Prinzen  von
Augustenburg  selbständig  zu  werden,  die  Mehrzahl  des  deutschen  Volkes,  selbst
die  liberale  Mehrheit  des  preußischen  Abgeordnetenhauses,  auch  die  dentschen
Mittel=  und  Kleinstaaten  forderten  die  Gewährung  dieses  Wunsches.  Für
Osterreich  hatten  die  Herzogtümer  ihrer  Lage  wegen  geringen  Wert;  es
wollte  sie  aber  nicht  oder  doch  nur  gegen  eine  entsprechende  Entschädigung  in
Schlesien  Preußen  überlassen;  da  jedoch  sein  Angebot  vom  König  Wilhelm  entschieden
  zurückgewiesen  wurde,  begünstigte  es  die  Ansprüche  des  Prinzen,  der
sofort  beim  Ausbruch  des  Krieges  nach  Holstein  gekommen  war  und  in  Kiel
Hof  hielt.  Preußen  war  mit  der  Errichtung  des  Herzogtums  Schleswig-